VAYOSPHERE


Playlist of 2009
12. November 2009, 00:28
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Das Schöne an Musik ist, dass man sie nicht im Radio hören muss. Ich habe wirklich eine ausgesprochene Abneigung gegen Radios.  Alle Radiostationen dieser Erde scheinen immer das zu spielen, was ich gerade NICHT hören will. Und was hat man davon, wenn man doch zuhört? Ein Ohrwurm von einem Lied, das man eigentlich vor seinen Freunden abstreitet überhaupt zu kennen.

Deswegen krame ich gerade in meiner Plattenliste nach Liedern, die mich dieses Jahr haben aufhorchen lassen, die mich begleitet haben und die meine armen Mitmenschen in unendlicher Repetition ertragen mussten.

#Smog ( Bill Calahan) – Rock Bottom Riser

Besonders dieses Video hat es mir angetan

#Holly Golightly – On the fire

#Shantel – Marko i Shantel

#Emiliana Torrini – Honeymoon Child

Zuckersüße Klingbing -Musik. Zeit die Lagerfeuerstelle auf dem Wohnzimmerteppich auszufegen. Lieblingslyrics:You bring out the soft side of everyone/ We gather like ravens on a rusty scythe/ Just to watch such a little dove./Fly away. Die ganze Platte (Fisherman’s Woman) ist super und überhaupt alles von ihr.

#Emiliana Torrini- Jungledrum

Hhmmm, stille Wasser sind tief und auf einmal kommt da sowas wie Jungledrum raus. Gugurungdudungdududungdungdung. hat mir auch gefallen. Ist aber nicht so ganz typisch für die Torrini.

#Beirut – Nantes

Man hört, dass Zach Condon viel rumgekommen ist. Die Musik hört sich an nach Reisen, schnelle und tiefe Bekanntschaften, saufen und tanzen bis in den Morgen und verschwitzt den Sonnenaufgang gucken.

#Beirut – La Banlieue

#Pionierlied – Unsre Heimat

Wirklich? das muss sich in diese Playlist eingeschlichen haben.

#Mittekill – Wasser oder Wodka

Jaja, es lebe der 80er Sythesizer-Pop. Wodka für alle.

#M.I.A.- Paper planes

Aus Slumdog millionaire. M.I.A. ist richtig cool. Peng peng. Some some some some I murder some some some I let go.

#Kid Cudi Vs Crookers – Day ‘n’ nite

Durchtanzte Nächte in Frankfurt

#Kanye West-Love Lockdown

Erinnert mich an die ziemlich überfällige Trennung dieses Jahr: No more wastin’ time/ you can’t wait for life
We’re just racin’ time/ where’s the finish line?

#Kanye West- Amazing

#Les fils de teuhpu- Nadine á oilpé

Lustige Typen, lustige Lieder, lustige Verlan-Sprache in Verbindung mit östlichem Rumms.

#Shakira – She Wolf

Das VIDEO…ummpphh. AAAOOOOOOOOOO.

#Adele – Best for last

#The Gossip – Heavy Cross

#Rammstein – Pussy

FSK 18! Lieblingsstelle: Blitzkrieg mit dem Fleischgewehr

#Chopin- Funeral march

Manchmal hab ich so Schwarzweiß Stummfilm- Tagträume und ersinne mir kleine Liebesdramen. Dafür ist das Lied super.

#Rolling Stones – Paint it black

#Calvin Harris – Acceptable in the 80s

Gemanys next topmodel-geschädigt eben.

#Whitest Boy Alive – Fireworks

Nerdbrillenalarm! Sehr angenehmes Album (Dreams) .The heat is on for the action to speed up and tension to ease/We could keep talking but only be certain through physical means.

Die peinlichsten hab ich jetzt mal weggelassen, falls später mal mein Boss oder die Stylepolizei (???)hier vorbeischaut. Wenn ich euch noch mit anderen Songs belästigt haben sollte, die hier nicht aufgeführt sind, sagt bitte bescheid.



Im Kapitalismus angekommen
10. November 2009, 13:53
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Meines Erachtens eines der besten Videos zum gestrigen Großerereignis: 20 Jahre Mauerfall. Das waren wirklich bewegende Zeiten. Also wenn ich diese Bilder sehe, kriege ich immer noch Gänsehaut ;)

Dank Spreeblick kann man diese ergreifenden Szenen nocheinmal miterleben.



Down High Times
9. November 2009, 18:27
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Gestern war ein Tag wie heute. Es hat geregnet und ich hatte Zeit, war aber zu faul etwas mit der Zeit anzufangen, deswegen habe ich einfach gehofft, dass sie vergeht und habe Regentropfen an meinem Fenster vorbeihuschen sehen. Später huschte dann auch mein Mitbewohner vorbei und drückte mir die Biographie von Uschi Obermaier in die Hand. High Times. Und das, wo ich gerade beschlossen hatte meine Biografie bis hierhin Down Times zu nennen.

Uschi Obermaier, da war doch was…

Die, die mit Keith Richards, Mick Jagger, Jimi Hendrix und so vielen mehr geschlafen hat. Die, die so schöne Brüste hat, oder hatte.

Uschi kam mit einem Hüftfehler auf die Welt und musste eine Schiene tragen. Danach hören unsere biographischen Gemeinsamkeiten schon auf. Aber ich weiß auch nicht, ob ich sie für das, was dann passiert ist gut finden soll. Dass sie ständig Sex mit Musikern hatte erklärt sie damit, dass sie so sinnlich eingenommen von der Musik war, aber keinerlei musikalische Begabung hatte, und es ihr als nächster logischer Schritt erschien mit den Musikern zu schlafen. Aber nur mit den wilden Kerlen. Auf die stand sie nämlich.

Durch die Männer kam sie an Fotojobs, durch die Männer kam sie in die Bravo, durch die Männer kam sie rum. Und natürlich durch ihren schönen Körper.  Für die politisch engangierte Kommune 1 in Berlin wird sie aber wahrscheinlich immer das dumme Fotomodell, das bei Sitzungen immer bekifft einschlief, bleiben. Außer natürlich für Rainer Langhans, der beteuerte, dass sie nicht dumm sei, sondern einfach nicht so viel weiß…

Nervig an dem Buch ist, dass sie sich kaum hinterfragt. Sie traf Jimmy Hendrix kurz vor seinem Tod und behauptet, dass es mit ihm besonders intensiv und tief war. Später erzählt sie aber, dass er sie im Bus nicht wiedererkannte. Außerdem sprach die Obermaier kein Englisch und Hendrix kein Deutsch. Crap.

In dem Buch wird jedenfalls klar, dass vor allem die Medien, die den 68′ern ein kranke, chaotische und von Drogen  geprägtes Image aufdrücken wollten, größtenteils ihre eigene kranken Fantasien abdruckten, und dass vieles, was so erstrebenswert und wild erscheint, in Wirklichkeit oft undankbar und verzweifelt ist.  Der Teil, der mir in diesem Buch wirklich erstrebenswert erscheint, ist ihre Reise durch Indien, auch wenn es eine mit Heroin-Lines durchzogene Reise ist. Und auch später, als ihr der Ehemann,  die Hamburger Kiezgröße Bockhorn, bei einem Motorradunfall wegstirbt und sie sich umorientiert und endlich etwas findet, was ein wirkliches Talent ist: Das Silberschmieden.

Was dieses Buch bei mir hervorbringt ist Wut und Neid. Was durchaus als das gleiche angesehen werden kann. In dem Kontext. Wut, weil Frau O. nicht erkennt, dass ihre Rolle als Frau trotz des ganzen Trara um das ewige alles-wird-anders der 68′er immer von Männern bestimmt war. Und: Dass das rein aufgrund von Äußerlichkeiten so war. Ein dummes Fotomodell ist immerhin besser als eine verpickelte Politikwissenschaftsstudentin. Alle sind gleich, aber Männer sind gleicher.

Neid, weil sie trotzdem soviele aufregende Sachen sieht, aufregende Persönlichkeiten trifft, sexuell freizügig ist und einfach soviel rumkommt. Neid, weil ICH mich nicht traue, mich in einen Bus zu setzten und raus in die Welt zu fahren. Man nimmt eben auf Reisen immer  sich selbst mit. Es gibt kein Urlaub von der eigenen Persönlichkeit. Und deshalb wird man nicht mal eben Uschi Obermaier.

Ansonsten: Das Buch ist ziemlich schlecht geschrieben. Wenn man die ganzen überzähligen Drogengeschichten rausnehmen würde, wäre es wohl angenehmer  und kurzweiliger. Uschi Obermaiers Leben kann man hinterfragen, aber es ist ein gelebtes Leben.

 



Love, Peace and Metal
5. November 2009, 18:11
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Menschen stehen im Dunkel beieinander und lassen rythmisch den Kopf auf und ab zucken, andere schütteln ihn heftig hin und her, als wollten sie eine Wimper aus dem Blickfeld vertreiben. Keiner bewegt den restlichen Körper. Verboten. Wo sind wir? Auf einem Metalkonzert!

Metaller haben auf mich immer eine Ausstrahlung wie der Dalai Lama auf den Rest der Welt. Am Anfang des Konzerts stehen sie wie friedliche kleine Gartenzwerge mit ihren Gartenzwergbärten und grinsen ein buddhistisches Lächeln, das einem sagt: Ja, unsere Musik handelt von Koala-Gangbangs, Tod und Muschis, aber wir selbst haben die innere Erleuchtung schon gefunden. Der große Bärtige mit der Buddha Statur im schwarzen Sweatshirt nickt mir freundlich, und wie es scheint zustimmend, zu.

Wofür brauche ich also ein Yogi-Lachseminar, wenn ich mir auch die Seele aus dem Leib brüllen kann. Und diese Haarpracht. Ich komme mir vor wie in einem L’oreal-Dauerwerbesendungs-Traum. So glücklich und stimmlos bin ich schon lange nicht mehr ins Bett gegangen.

 

 



Schwarz-Weiß-Ansichten

Günter Wallraff, Schwarz auf Weiß, ein guter Enthüllungsfilm – NOOOOOOOOOOOOOOOT

Als ich Günther Wallraff das erste Mal als Schwarzen gesehen habe, dachte ich, Hape Kerkeling hat sich eine neue Witzfigur ausgedacht; so eine Art deutschen Borat.

Dem war leider nicht so. Es ist ernst. Günter Wallraff hat sich vorgenommen, der Päpstin im Kino Konkurrenz zu machen. Kategorie: Schlechte Kostümfilmchen.  Allerdings gelingt es der Päpstin besser, glaubhaft einen Papst darzustellen, als Günter Wallraff, der aussieht wie einer von den Village People mit einem Hemd, das schon in den 70ern nicht mehr cool war, es schafft einen schwarzen Menschen zu spielen.

Muss das sein?

Es gibt aktuell etwa 300.000 Afrodeutsche, also schwarze Deutsche, und noch mehr Schwarze anderer Nationen, denen Diskriminierung auch kein Fremdwort ist. Warum muss da erst der weiße deutsche Mann, der sich überdies auch noch als das kollektive schlechte Gewissen der Deutschen aufspielt, in seine 70er-Kluft steigen und sich anmalen? Liegt eigentlich nicht genau darin der Rassismus der Deutschen; dass wir erst WIRKLICH glauben, dass Schwarze diskriminiert werden wenn es uns ein lächerlich angemalter Weißer bestätigt? Hätten wir das einem Schwarzen alles nicht geglaubt? Warum kommen in dem Film keine Schwarzen zu Wort?

Ich hoffe mal, dass meine Vermutungen nicht stimmen und der Kinofilm nur soviel Wind schlägt, weil die Deutschen eine Leidenschaft für Kostümfilmchen haben (Ich würde trotzdem lieber in die Päpstin gehen!).

Ich hätte mich wahrscheinlich auch gewundert, wenn ein offensichtlich aus dem örtlichen Karnevalsverein entlaufener Geistesgestörter plötzlich neben mir stünde und ernsthaft behauptete Somalier zu sein. Aber wenigstens weiß ich jetzt, als was ich zum nächsten Fasching gehe!

Fasching 2010 geh ich als Wallraff

Fasching 2010 geh ich als Wallraff!



Singularität
17. September 2009, 02:18
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Single werden ist nicht schwer, Single sein, dagegen sehr.

Habe mich noch nicht so in meine Rolle als Single eingefunden.

Heute steht ein gutaussehender, trotz meiner highheel-1,80m um 10cm größerer, höchsteloquenter Mensch vor mir. Wir kommen ins Gespräch, finden uns nett und er sagt mir nur schöne Dinge. Soweit so traumhaft. Und dann fragt er: Hast du einen Freund? Und ich so: ääähh..Ja?

Was war da denn bitte los? Zurückfallen in alte Muster? Kurzfristige Amnesie betrefflich des Zeitraumes der letzten DREI MONATE???? Rolle nicht gelernt?

Der Text der Singlefrau geht künftig so: Ne, die Stelle is grad unbesetzt, wie wärs mit einem Bewerbungsgespräch bei einem Kaffee? Ich stelle auch kurzfristig ein (nur bei besonders hübschen).

Merk dir das, Fräulein!



Rette deine Freiheit
16. September 2009, 02:22
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Nur um mal wieder ein paar visuelle Reize zu geben und auch, weil es alle wichtigen Blogs in Deutschland promoten, tue ich das jetzt eben auch:

Hier also das Video „Rette deine Freiheit“, der Nachfolger von „Du bist Terrorist“.

Ich finde die Ironie etwas zu fein, gerade für Leute, die sich nicht so mit dem Thema Netzsperren und Datenschutz befasst haben. Aber trotzdem ist es schön geworden.

Hier gibts Hintergrundinfo: http://rettedeinefreiheit.de/



Palästinensertuch vergessen, sorry!
16. September 2009, 01:14
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Manchmal ist es angebracht, sich einen Linksruck zu geben. Sonst wird man schief angeguckt oder gleich verprügelt (Autonome) .

Ich durfte die letzte Woche desöfteren mal linke Lebenswelten erleben. Bisher lebte ich in meiner eigenen mittellinken, in der es total okay ist, Glitzerklammotten und High-Heels zu tragen, genauso wie Hornbrille und Lamawollpullover. In meiner Welt darf jeder so sein wie er ist, und solange er mich nicht unter Druck setzt, so sein zu müssen wie er und seine peer group, war alles okay und wir konnten Freunde werden.  Ich dachte immer, dass Linke auch so denken, bis ich mit ihnen in ihrem verranzten Café  fair gehandelten Bio-Kaffee trinken wollte.

Sowas Konformes kommt mir nicht in die Jute-Tüte

Ich war im Gängeviertel, dass seit dem 22. August 2009 in der Hand von jungen und wirklich begabten Hamburger Künstlern ist, und mir war saukalt. Als ich meiner Begleitung vorschlug, dort einen Kaffee trinken zu gehen, schaute mich ein Mann, der seine Haare als Würste trug, und dessen Hals fest im obligatorischen  Palästinensertuch verankert war, von oben bis unten an. Seine Blicke sagten: „Moment mal, wo hast du denn dein Palästinensertuch gelassen? Also so konform gekleidet kommst du hier aber nicht rein. Was soll das denn aussagen. Also mit einem schwarzen T-Shirt  und einem Jeansrock kann man nun wirklich nicht gegen etwas sein, da musst du dir schon was besseres einfallen lassen. Wenn du wenigstens ein Leinenhemd gegen die Konsumgesellschaft tragen würdest, oder ein paar  Badges, wo draufsteht, gegen was du bist.  Aber sowas kommt mit nicht in den Jute-Sack. „

Ich war kurz davor mit die Haare ebenfalls schnell zu würsteln, vom Campus-Café nebenan ein Geschirrspültuch zu klauen und um Einlass und Akzeptanz zu bitten, besann mich dann aber doch eines besseren.

Immer schön die Szene putzen, oder was?

Hey, ich weiß, dass Kleidung eine Wir-Identität schafft, und wer sich gerne uniformiert soll das gerne tun, aber ich bleib dann doch lieber bei meiner Ich-Identität. Steh ich halt alleine da, ganz ohne Szene.

Und okay, es ist nicht so, als hätte ich keine Vorbilder.  Zumindest habe ich rausgefunden, dass Farin Urlaub ( Toller Typ!) auch so denkt wie ich. Der Mann trägt seit geraumer Zeit sehr einfache, normale Klamotten auf.

Zitat Wikipedia:

Damit wolle er ganz offen gegen die „Identität aus der Dose“ angehen und beweisen, dass man auch, wenn man immer dieselben Klamotten trägt, Rockstar werden kann.

Identität aus der Dose. Da sagt er was, der gute Farin. Inzwischen kann man sich diese Instant- Identity auch bei H&M kaufen. Das Palästinensertuch aus Bangladesh von den Schweden. Der Hungerlohn wurde von ihrem Konto angebucht – Hennes und Mauritz sagt Dankeschön.

Diese H&M-Rebells gehen dann im Hafenklang auf „Fight Lookism“-Parties die sich laut Beschreibung „gegen die Diskriminierung von Individuen aufgrund deren äußeren Erscheinungsbildes“ richten.  Ein Mitbewohner erzählte mir kürzlich, er sei dort mit Anzug und Krawatte aufgekreuzt und habe noch nie so lange auf ein Bier warten müssen. Welche Ironie.

Well, das ist so eine Sache mit dem anders sein. Ich versuchs lieber erst garnicht. Ich bin halt ganzschön anders.



Dem Hässlichen, Unwahren, Schlechten
7. September 2009, 02:11
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Wieso Hässlich das neue Schön ist

Mein Lieblingsarzt, Dr. Eckart von Hirschhausen, stellt in seinem Bühnenprogramm fest: 98% der Menschen sehen angezogen besser aus. Und die restlichen 2%, die nackt besser aussehen als angezogen, ziehen den anderen 98% dafür ordentlich das Geld aus der Tasche. So wahr, so schön.

Das Problem ist aber nicht, dass die 98% angezogen besser aussehen und deshalb nackt kein Geld machen könnten, sondern, dass sie sich für ihre nackte Hässlichkeit schämen (ausgenommen sind hier die Engländer. Da überwiegt der Hang zum Ausziehen im Großteil der Bevölkerung).

Auf die These, dass Hässlichkeit sich durchaus auch zu Geld machen ließe, komme ich aufgrund der Suchanfragen in meinem Blog. Ich beobachte schon seit geraumer Zeit, dass sich ein Artikel  an die Spitze meiner persönlichen Blogcharts bewegt. Titel: Hässliche nackte Menschen. Die Besucherzahlen sind explodiert. Hier ein kleines Potpourri meiner liebsten Suchanfragen:

nackte menschen, hässliche nackte, hässliche nackte Mensche, extrem hässliche nackte nutten, ich bin nackt hässlich, textilfrei geschämt, hässlich schämen.

Erst mal möchte ich demjenigen der „ich bin nackt hässlich“ gegoogelt hat sagen: Wer ist das nicht!? und außerdem liegt die Hässlichkeit ja im Auge des Betrachters.

Ich finde, dass daraus ersichtlich wird, dass es enormen Bedarf an „hässlicher Ästhetik“ gibt. Wir wollen Hässliches sehen. Und deshalb gibt es auch die Modelagentur Ugly Models, deren Modelkartei mehr ein Gruselkabinett ist.  Hässlichkeit ist bahres Geld wert! Inzwischen hat das wohl auch die Modewelt erkannt und setzt auf den Heroine-Look. Praktisch für Mrs. Kate Moss – da kann sie ganz sie selbst bleiben.

Faszinierende Hässlichkeit

Das Problem mit der Schönheit ist, dass sie langweilig ist. Im Zeitalter von Photoshop ist die makellose Schönheit zur Normalität geworden. Oder zumindest zur Scheinnormalität. Wer schonmal seine Miteinkäufer bei Aldi an der Kasse auf Cosmopolitan Covergirl-Tauglichkeit überprüft hat, weiß wovon ich spreche. Obwohl ich da unlängst einen Mann mit toller Oberweite gesehen habe. Wenn er’s nicht auf das Cover der Cosmo gebracht hätte – in die Praline wäre er sicher gekommen, dieses Busenwunder. Ich bin normalerweise nicht so. Wirklich nicht. Aber ich musste ihm ständig auf die Titten glotzen… wie er sich bückte, um die Ware auf das Band zu legen und dabei die behaarten Erhebungen sanft hin und her wogten und die Nippel sich gegen den Stoff seines Flanellhemds spannten. War das ekelhaft. Ich war wie hypnotisiert von diesem großbrüstigen Streich, den die Natur diesem armen Mann gespielt hat. Ob ich jetzt dafür gezahlt hätte die Dinger mal nackt zu sehen ist eine andere Frage, aber bereits Freud stellte fest, dass es ein Paradox der Hässlichkeit gibt. Zwar ist Hässlichkeit nie „schön“, aber sie ist interessant und irgendwie anziehend. Denn die Schönheit hat nur ein Gesicht, die Hässlichkeit hat tausende. Die Franzosen haben dafür sogar einen Ausdruck „belle laideur“. Das bezeichnet wahrscheinlich genau das, was Frida Kahlo zu einer anziehenden Frau gemacht hat und Gerárd Depardieu zu einem Frauenschwarm.

Ugly Internet

Außerdem sind wir doch irgendwie umgeben von Hässlichkeit. Überall. Und hier ist die Hauptzentrale der Hässlichkeit. Willkommen im Internet. Hier gibt es Seiten, wie manboobs.com oder echt-hässlich.de und Daniel Kübelböck hat schließlich bestimmt auch eine Seite. Und das sind noch die „angenehmen Seiten“ des Hässlichen und Schlechten.

Man kann sich im Internet durchaus auch Leichenteile, abgesprengte Kinderköpfe und Menschen beim Kotessen ansehen, wenn man es denn möchte.  Unlängst erreichte mich ein Link zu einem Video auf dem eine Menschenverbrennung in Indien zu sehen war. Man kann sich kaum vorstellen, dass ein Mensch solche Dinge sehen möchte. Aber die Erhängung von Saddam Hussein, verbotenerweise schnell mit dem Handy gefilmt, durfte auf keinem Nachrichtenportal fehlen. Und alle haben draufgeklickt. Wir lieben es eben- das Hässliche, Unwahre, Schlechte.



Ein Herz für Proleten
18. August 2009, 11:55
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Gediegenes Understatement, das finden wir leider nicht überall. Wie in der freien Wildbahn, geht es in Frankfurts Beachclubs  darum,  seine Gene erfolgreich an das Weibchen zu bringen.  Hierfür ein paar unverzichtbare Attribute:

  • Muckis! Geh in die Muckibude. Wie bemitleidenswert sind Geschöpfe, die in der Zeit, in der du deinen göttergleichen Körper stählst in ihr Hirn investieren. Das sieht doch niemand.
  • Stell den Solariumsbräuneregler immer auf Anschlag.  Sonst fällst du nicht auf unter den anderen künstlich Kackbraunen. Das hab ich jetzt grad selbst nicht verstanden…
  • Lass dir ein paar Tattoos machen. Am Besten eine geheime Botschaft auf Chinesisch, die du selber nicht verstehst, die aber das zu begattende Weibchen, das die Botschaft intuitiv versteht, in einen Pheromonrausch versetzt.
  • Um zu betonen, dass deine ganze Restintelligenz in deiner Ed-Hardy-Badehose steckt, könntest du dir deine Matte blond färben.  Sowas wirkt auf Frauen, wie der rote Popo auf Paviane, weil man das schon von der Ferne so gut sieht. Allein schon, weil das blond irgendwann Orange wird und sich gut von deiner kackbraunen Haut absetzt.

Am Wochenende bin ich leider einem ganzen Rudel dieser Art begegnet und musste mir die Frage gefallen lassen, ob ich mich denn nicht schäme, so rum zu laufen (der gemeine Vorstadtprolet kann leider nur begrenzt Dinge denken, deswegen muss er sie sofort aussprechen) . Woraufhin ich ihn fragte, ob ER sich nicht schäme so rumzulaufen. Ich wäre tatsächlich lieber ich, wenn ich er wäre.

Er hatte sich geärgert, weil ich ihn ausgelacht habe, als er es nicht geschafft hat, seinen Hamburger  drei Meter weit  zu seiner Freundin zu bringen ohne ihn komplett in den Sand zu setzen. Um vor seinem Weibchen wieder gut dazustehen musste er mich natürlich beleidigen. Das ist der Lauf der Natur.

Und schließlich wünschen wir den beiden noch eine große Nachkommenschaft, die sich den IQ eines Pantoffeltierchens teilen, und die Beachclubs unserer Städte bevölkern. Vielleicht könnte irgendwann jemand ein Vorhängeschloss davor machen und das ganze in Proletenheim umbenennen. Hier kann sich dann jeder einen Proleten ausleihen und mit ihm Gassi gehen. Proleten sind auch für Berufstätige als Haustiere geeignet, da sie sehr anspruchslos sind. Tagsüber kann man sie im Solarium schlafen lassen.

Dazu kann vielleicht nochmal Vollassi-Toni was sagen, der kommt nämlich aus Offenbach und hat damit Kernassi-Kompetenzen: