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Ein politisch korrekter Block

Es wird Zeit für einen Brandbrief an die Firma Baier & Schneider GmbH & Co. KG, bekannt durch die Handelsmarke Brunnen, unter deren Name allerlei Schreibwaren vertrieben werden.

Heute beim Lernen in der modernen neuen Bibliothek der HU sah ich verträumt meinen Schreibblock an und versetzte mich dabei in die Seele eines Arbeiters oder Arbeitslosen, wie ich es  hie und da gerne tue. Der Schriftzug Student prangt ziemlich prominent auf dem Cover. Ist den Gestaltern wirklich nicht bewusst gewesen, dass auch andere gesellschaftliche Gruppen Schreibblöcke benötigen? Vermutlich haben Sie sich von dem exkludierenden Wort Collegeblock leiten lassen und da fiel Ihnen nichts anderes ein, als Student darauf zu schreiben?

Ist unsere Gesellschaft nicht viel bunter?

Liebe Firma Baier & Schneider GmbH & Co. KG, wäre es nicht an der Zeit der Pluralität von heute Rechnung zu tragen? Wie ich sehe, gibt es bereits ein solches Bestreben; immerhin gibt es den Brunnen-Block schon in Pink. Die Frauenwelt dankt es ihnen – Endlich Pink! Aber warum sind sie nicht gleich weiter gegangen und haben Studierende draufgeschrieben? Damit wären alle >65 Geschlechter gemeint. Oder Studentx* . Lassen Sie sich doch bitte von der Umbenennung des Berliner Studentenwerks in Berliner Studierendenwerk inspirieren. Das kostet schlappe 800.000 Euro, die sonst den faulen Studierenden in den Arsch geblasen würden.

Es geht mir aber, wie oben bereits angerissen nicht nur um Geschlechtergerechtigkeit. Ich habe einen Entwurf gestaltet, der z.B. auch Arbeitslose nicht bei so etwas Alltäglichem wie der Benutzung eines Blocks diskriminiert. Ja, auch Arbeitslose müssen mal etwas aufschreiben – z.B. Canasta Punktestände!

Student Hartz

Ich unterstelle Ihnen keine bösen Absichten* und denke sogar, dass ich Ihnen mit meinem Gedankenanstoß helfen kann. Stellen Sie sich vor, Sie können jeder Gruppe ihre eigenen Blöcke verkaufen! Denken Sie darüber nach!

 

*Außer bei dem Block Dicker Block, das ist eindeutig Fatshaming.

 

Emoticon der Woche:   (.Y.)   (Brüste)

 

Bio ist für mich Ablass

Alles ist im Fluss und ein konkretes Beispiel persönlicher Desillusionierung

Sich selbst zu lesen, zu sehen, wie man einmal dachte, ist wie ein Handabdruck in Salzteig, den die Eltern von ihrem Sprössling im Säuglingsalter machen ließen. Man kann nicht glauben, dass man da mal reingepasst hat. Und wegschmeißen kann man den Scheiß auch nicht, obwohl er kitschig und oll ist.

Wie ich mal dachte, man könne eine bessere Welt kaufen – Ein Rant

Es gibt ein konkretes Beispiel, wo sich meine Meinung radikal gedreht hat und ich beim Wieder-lesen des Blogbeitrags nur dachte, dass es Zeit für Zeitreisen wird – und sei es nur um meinem alten Ich mal den Kopf zu waschen. Ich habe jetzt keine Lust die betreffende Stelle zu suchen aber ich schrieb sowas wie “blabla bin ich der Meinung, dass die Macht komplett beim Konsumenten liegt”. Ich meinte damit: Wenn der Konsument endlich gute Lebensmittel kauft, wird es auch nur noch gute Lebensmittel geben, wegen Nachfrage-Angebot-Gedöns. So nach dem Motto: Wenn alle Chinesen alle auf einmal von einem Stuhl springen, gibt’s ein Erdbeben…. Abgesehen davon, dass die Chinesen wahrscheinlich nicht davon zu überzeugen sind, alle auf einmal von einem Stuhl zu springen, hat vielleicht zu allem Übel nicht einmal jeder Chinese ein Stuhl(!!!!!!!). Es ist also ein Problem, bei dem es schon an den Voraussetzungen hapert. Ich meine also: Es fehlt  den meisten Menschen einfach an finanziellen, kognitiven oder zeitlichen Ressourcen. Es würde Ewigkeiten dauern, diese Menschen dazu zu bekommen den Markt durch ihre Nachfrage umwelt- und tierfreundlicher zu gestalten.  Es ist für die Mehrheit einfacher, preissensitiv einzukaufen. Das soll jetzt nicht abwertend klingen – ich kann es selbst auch nicht erwarten, das Lidl-Prospekt in den Händen zu halten um zu gucken ob mein Leib- und Magengesöff Schwip-Schwap im Angebot ist. Fakt ist: Der Anteil der Konsumenten, der ausschließlich im Biomarkt kauft, wächst schon länger nicht mehr, es wird aus meiner Perspektive eine Nische von unprekär-beschäftigten Funktionsjackenträger/innen*&”§ bleiben. Es gibt zwar hier und da ein bisschen Wachstum im Bio-Bereich, vor allem beim Discounter-Bio, aber dafür wird auch Bio immer schlechter. Solange das so ist, wird Bio vor allem eins bleiben: Ein Marketingbuzzword für ein bestimmtes Segment von Kunden. Kunden, die glauben, die konsumgebeutelte Welt mit ihrem Konsum zu verbessern.  “Kauf dir eine bessere Welt”, das ist der Wahlspruch vom nachhaltigen Verbraucherportal utopia.de.  Nachhaltig ist daran aber nur, dass  wir alle nachhaltig eingelullt sind von dem Gefühl, der Selbstüberschätzung, es alleine schaffen zu können, während sich die Politik unbemerkt aus der Affäre ziehen kann und den nächsten Agrarindustriellen mit bombastischen Subventionen pampert. Lebensmittel dürfen so billig verkauft werden, dass noch nicht mal die Angestellten des Betriebs ordentlich bezahlt werden können und dann logischerweise den Mist, den sie selbst herstellen, kaufen müssen, statt sich gute Lebensmittel leisten zu können. Mit dieser Billig-Politik erzeugt man auch immer gleich die prekär lebenden Konsumenten, die Working Poor – und das nicht nur im Bereich der Lebensmittel. Wie praktisch.

Ich hatte schon des öfteren ein gewisses Unbehagen, was Bio angeht und inzwischen weiß ich auch warum. Bio für alle wäre schön, aber Bio gibt es nur für einige wenige, die sich dabei auch oft noch besser fühlen. Es ist ein riesiger Ablasshandel, der eigentlich viel mehr das jetzige System zementiert, gerade indem er die Verbraucher glauben lässt, sie würden etwas Entscheidendes verändern. Was tatsächlich verändert wurde: Man kann jetzt Konsument 1. Klasse und Konsument 2. Klasse sein. Erster Klasse ist natürlich vor allem dann besser, wenn der SUV in der eigenen Peer Group als zu protzig gilt. Dann muss man halt jeden Donnerstag zu BioVegan-Naschmarkt, wo es dieses tollen Käse gibt, der von Pygmäen in der Schweiz handgekeltert und dann im Magen einer antiken Hausziegenrasse veredelt wird, die den Käse in Knödelform auf Duftgras aus dem Himalaya scheißt.

Damit will ich nicht sagen, dass Bio kaufen etwas Schlechtes ist. Sicher, wer es sich leisten kann, soll sich etwas Gutes tun, und es wertschätzen, dass er weiß, woher sein Essen kommt. So mache ich das auch. Aber gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass nur die Politik in der Lage ist, der Agrarindustrie die Stirn zu bieten und dass es nicht reicht Bioäpfel zu mampfen.

Ablasshandel mucho

Dabei ist mir aufgefallen, dass dieser Ablasshandel nicht nur im Biomarkt funktioniert. Statt sich selbst um den grünen Fußabdruck zu kümmern, bieten Verkehrsunternehmen jetzt beim Ticketkauf an, einen Betrag zu zahlen, damit man klimaneutral reist.  Der Kunde nimmt es dankbar an. Bei Starbucks kauft man nicht einfach einen Kaffee, man kauft einen Kaffee, der einem garantiert, dass die Arbeiter fair entlohnt wurden und die Umwelt nicht belastet wurde. Beim Bier saufen retten wir den Regenwald.  Es kommt einem vor als dächten die Leute, wenn sie mit einer Zwangsprostituierten schlafen und ihr dafür 3 Cent mehr geben,  helfen sie, die Zwangsprostitution abzuschaffen.

Durch solcherlei “grüne” Marktstrategien, wird die Verantwortung auf das Individuum abgewälzt, die Situation wird ent-politisiert und es wird der Zeitpunkt kommen, an dem der Verbraucher einfach überfordert ist von dem eigenen moralischen Anspruch strategisch zu kosumieren ohne sich dabei je wirklich ein Gesamtbild von den tatsächlichen Auswirkungen seines Handelns machen zu können, weil das einfach zu komplex für die meisten Normalverbraucher ist (Ohnmacht). 

“Ein Ausschnitt aus einem Vortrag von Slavoj Žižek über Wohltätigkeit und die Idee eines globalen Kapitalismus mit einem menschlicheren Antlitz, großartig von RSA visualisiert” Gefunden bei hirnbloggade.de:

 

Fazit: Bevor ich meine vorherige Meinung gepoppert (falsifiziert) hatte, war ich glücklicher; ich meinte zu wissen, was ich tun muss um etwas zu verändern, war aber auch gleichzeitig etwas erdrückt von der moralischen Verantwortung, die auf mir als strategischem Konsument (zumal ohne dickes Portemonnaie) lastete. Jetzt bin ich erdrückt von der Ohnmacht, die ich gegenüber der Politik verspüre…was war da jetzt eigentlich besser? (Ich rolle gerade so mit den Augen, dass man nur noch das Weiße sieht)

 

Lieblingspodcasts

 

Reißerisch formuliert: Was sind das für Menschen, die Aufnahmen ihrer eigenen Stimme (Kreisch!) hören können, ohne schnell alles zu löschen, den Laptop ins Spülwasser zu schmeißen und das Haus abzubrennen, einfach um sicher zu gehen, dass die Beweise vernichtet sind?

Podcaster können das. Die müssen das ganze Geschwurbel schneiden und das was davon übrig bleibt stellen sie dann einer wachsenden, aber dennoch eher kleinen Community zum Rezipieren zur Verfügung. Diese Community zahlt weder indirekt durch Werbung, noch gibt es einen Podcast-Beitrag. Einzig das Feedback und Kleinstspenden sind der Lohn des Podcasters. Das muss bedeuten,  dass Podcaster irgendwie nette Menschen sind. Mit einer schönen Portion Sendungsbewusstsein.

Aber ohne Sendungsbewusstsein keine Sendung und ohne Sendung…naja, ohne Sendung hätte ich kein nächtliches Telekolleg auf meiner Podcatcher App und keinen Grund, das Licht schon auszumachen, bevor ich müde bin, um den Stimmen zu lauschen.

Zu Zeit höre ich diese Podcasts (alphabetisch):

Alternativlos <3

Felix von Leitner, alias Fefe, Betreiber der Nerd-Bildzeitung Fefes Blog und IT Security Experte und Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Clubs, berlinern sich ohne Aluhut durch Verschwörungstheorien und aktuelle oder historische Meldungen, die im Mainstream wenig Gehör finden, weil sie “nicht ins Narrativ” passen. Ich bin mir sicher, die beiden machen den Podcast, damit sie später ganz oft “Wir haben es euch ja gesagt” sagen können. Lieblingsfolge: ALT023 Verschwörungstheorien – Über Verschwörungstheorien, die sich später als wahr herausgestellt haben.

Black Sweet Stories

Alexa Waschkau, auf deren zart-intelligent anmutende Vorlesestimme ich ziemlich neidisch bin, hat Europäische Ethnologie studiert, unternimmt “Wahrnehmungsspaziergänge” aber nur auf literarische, vorlesende Art. Für mich, die ich den angeblich süßen Alien E.T. schon sehr gruselig finde, eignet sich der Podcast weniger zum vorm Einschlafen hören. Harmloseres wie den Sandmann von E.T.A. Hoffmann geht klar, aber der Sado-Maso-Kracher “Justine” von Marquis de Sade hat mich schon ziemlich fertig gemacht. Ansonsten findet man düstere Märchen, Edgar Allan Poe, Venus im Pelz und auch aktuelle Autoren.

CRE: Technik, Kultur, Gesellschaft <3

Chaos Radio Express ist ein Interview-Podcast, der sich nicht nur mit Hacker-Themen aus dem Umfeld des CCC sondern auch mit gesellschaftlichen Themen befasst. Der Host Tim Pritlove ist, soweit ich es durchblicke, der Grandmaster Flash unter den Podcastern. Ehrlich gesagt keine Ahnung, was der sonst noch so macht, außer viel podcasten. Man möchte ihn “vielseitig interessiert” nennen, aber wenn ich mich selbst vielseitig interessiert nenne, dann meine ich, dass ich schon zu ein paar Blüten geflogen bin; bei Tim Pritlove hingegen ist es so, dass er einen tiefen Schluck Nektar nimmt und dann ein Buch über diese und jene Pflanze verfasst. Seine universelle Neugier und das hackertypische Bedürfnis das ganze System hinter den Dingen zu verstehen machen ihn zu einem tollen Interviewer. Mit seinen Gästen vom Fach bespricht er jeweils 2-3 Stunden lang Themen wie IPv6, Pornographie und Poststrukturalismus. Lieblingsfolgen: CRE196 Feminismus mit der tollen Katrin Rönicke, CRE198 Pornographie, CRE210 Die Jagd. Alle sehr unterhaltsam und manchmal geht einem ein Licht oder Kronenleuchter auf.

Das geheime Kabinett

Der Buddler, scheinbar ein Archäologe, hat kleine skurrile Randnotizen der Geschichte vorbereitet, die er in 10-15 min langen Folgen dem geheimen Kabinett entlockt. Gelernt habe ich bereits, dass man als historisch berühmter Mann immer gut auf seine Genitalien aufpassen muss, sonst gehen sie im Einmachglas getrennt von einem auf Weltreise und tauchen erst Jahre und Jahrhunderte später im Besitz russischer Exilantinnen wieder auf.

Das war der Tag ( komplette Sendung)

Eigentlich ein Radiofietschör vom DLF, das nach Mitternacht als Podcast bereit steht. 45min lang das Wichtigste vom Tag. Höre ich immer, wenn ich das Gefühl habe, mal wieder alles verpasst zu haben – leider schlafe ich zu gut dabei ein.

Der Benecke

Ebenfalls ein Radiobeitrag von Radioeins vom rbb. Kakerlaken als Kuscheltier-Besitzer Benecke ist ein Kriminalbiologe mit weitem medialen Verbreitungsradius, der im Komitee für skurrile wissenschaftliche Forschung sitzt und als solcher in ca 15 min Beiträgen über ebensolche berichtet. Man erfährt z.B. wie wahrscheinlich es ist, dass Hauskatzen uns töten würden, wenn sie könnten.

Der lila Podcast

Auf Katrin Rönicke bin ich aufgrund des CRE Podcasts zum Thema Feminismus gestoßen. Katrin Rönicke bespricht in plusminus einer Stunde mit ihren Podcast-Kumpelinnen feministische Themen, mal politisch, mal gesellschaftlich, mal wissenschaftlich, aber meistens persönlich. Für mich ist sie die angenehme, kuschelige und menschenfreundliche Stimme der sogenannten 3. Welle des Feminismus.

Einschlafen Podcast

Tobi Baier ist der Vorlese-Papi, den man nie hatte. Mit ruhiger, unaufgeregter Stimme erzählt er etwa eine Stunde lang aus seinem Leben in einem Einfamilienhaus in einem Kaff bei Hamburg, wo er mit seiner Ehefrau und zwei Töchtern lebt. Er ist Bassist in einer nicht größer bekannten Band, liebt den FC St.Pauli, arbeitet bei Adobe und startet mal dieses und jenes Projekt. Es ist alles so schön normal. Ich weiß nicht, ob schon probiert wurde Afghanistanheimkehrer mit posttraumatischer Belastungsstörung mittels Einschlafen- Podcast zu therapieren… Meistens gibt es nachdem der Erzählteil beendet wurde noch ein auf mich immer sehr konfus wirkendes Rilke Gedicht und dann wird kurz vorgelesen: Nils Holgerson, der kleine Prinz, Kafka… bei Kant bin ich sofort in Wolkenkuckucksheim.

Glaubenssache

Alexander Waschkau, der Ehemann der oben erwähnten Alexa, bespricht als strenggläubiger Atheist in diesem Podcast die Fragen des Glaubens mit Eduard Habsburg, der kürzlich Botschafter beim Heiligen Stuhl in Rom wurde und ein Katholik wie aus dem Bilderbuch ist – sechs Kinder! Die beiden behandeln sich sehr flauschig; das könnte man noch etwas spannender machen, aber dann würde wohl der Podcast nicht funktionieren.

Hoaxilla- Der skeptische Podcast aus Hamburg

Hoaxilla (Hoax = engl. für Schwindel/Falschmeldung) ist einer der beliebtesten Podcasts und debunkt moderne Mythen, urbane Legenden und Aberglaube. Manchmal sind die Geschichten allerdings zu gruselig für mein Gemüt und ich habe Angst vor Kindern mit schwarzen Augen und japanischen Geistern. Die Macher von Hoaxilla sind Alexa und Alexander Waschkau, die beide zur Skeptikerbewegung gehören und inzwischen sogar in der Partei DIE P.A.R.T.E.I. organisiert sind. Das ist sehr löblich!

In trockenen Büchern

Alexandra Tobor, Autorin, große Frau, polnische Aussiedlerin, Twitterfame ist nicht gerne unter Menschen, aber sie mag sie. Die Gesellschaft von Büchern, die sagen wir mal nicht jedem zugänglich sind, schätzt sie hingegen sehr. Ihre kurzen Buchvorstellungen sind gewissenhaft vorbereitet und haben stets einen persönlichen Aspekt. Meistens geht es um geisteswissenschaftliche Gesellschaftsbetrachtungen.

Jürgen Domian

Jeder kennt die alte Laberbacke ausm WDR. Im Podcatcher gibt’s prähistorische Folgen. Toll.

Psychotalk

Drei studierte Psychologen, namentlich Alexander Waschkau, Dr. Sebastian Bartoschek und Sven Rudloff, schwafeln über psychologische Themen und das oft über DREI Stunden! Es werden psychologische Konzepte erklärt und Studien erwähnt aber Abschweifen ist so das eigentliche Ding der drei. Manchmal ist das unterhaltsam, manchmal nicht. Aber bei so langen Laberpodcasts kann man super einschlafen und man hat am nächsten Tag noch was davon.

Sanft und Sorgfältig <3

Die Radioshow von Jan Böhmermann und Olli Schulz. Hier kann man live dabei sein, wie meine Meinung zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest entsteht, die ich nämlich größtenteils ungeprüft von den beiden übernehme.

Soziopod <3

“Man kann ihn nicht immer nebenbei hören! Nene, man muss mitdenken!” Der ultimative Verdienst der beiden Podcaster ist für mich, dass ich endlich verstanden habe, was die Frankfurter Schule ist. Immer wenn ich irgendwas darüber las versickerte es sofort wieder, weil ich die gesellschaftliche Bedeutung nicht zuordnen konnte. Wie wenn man einmal im Jahr irgendwo hinfährt und jedes verdammte Mal nicht weiß, ob es an der Kreuzung rechts oder links geht, trotz aller Einprägeversuche und Eselsbrücken. Patrick Breitenbach ist ein breit aufgestellter Internetheini und Dr. Nils Köbel ist eher so ein analoger Typ, der in Frankfurt Soziologie studiert hat und jetzt in Mainz über Erziehungswissenschaften doziert. Wegen des subtilen hessischen Akzents musst ich ihn natürlich sofort ins Herz schließen. Es wird ganz wenig monologisiert, stattdessen findet ein Gespräch der beiden statt z.B. über Medien, Herrschaft, Arbeit, Bildung und auch ein paar besonders aktuelle Themen. Marx kommt nicht angestaubt daher, geht es um Bordieu und den Fluch der sozialen Ungleichheit, wird Shopping Queen als Beispiel herangezogen. Dafür gab’s entgegen der Annahme, dass keiner Podcasts hört, 2013 einen Grimme Online Award. So verdient!

Staatsbürgerkunde <3

DDR in den Mainstream-Medien geht ja eher so:  Jemand kommt gerade nackt vom Strand (FKK) und möchte noch schnell etwas im Konsum Markt einkaufen, am liebsten Bananen, aber das geht nicht, denn er weiß nicht, was eine Banane ist. Überhaupt sind die Regale leer, die Kamera schwenkt und wir finden uns in einem in grün und braun gehaltenen Verhörzimmer, wo der Stasimann die Einkaufenden danach beurteilt, ob sie so aussehen, als wollten sie bald “rüber” machen. Wie es wirklich war erfahren neugierige Wessis und von der BRD geschluckte Ossis bei Familie Fischer aus Weida in Thüringen. Martin Fischer interviewt zu diesem Zwecke seine Eltern, Christine und Lutz, beide sehr herzlich und schlau. Man erfährt auch mal was über Computer in der DDR oder wie Weihnachten bei Familie Fischer so war und alles was man halt sonst nie mitbekäme.

Stadtdschungel

Meine neueste Podcast-Entdeckung, in dem Andreas Kieling über sein Leben als Tierfilmer und was man beim Tierfilmen so erlebt, erzählt.

Troja Alert <3

Im echten Leben beschäftigt sich Stefan Thesing als Pädagoge u.a. mit barrierefreier, leichter Sprache für geistig Eingeschränkte und scheinbar kriegt er davon nicht genug: So schön hat noch nie jemand schwer zugängliche Literatur mit verschwurbelter Quellenlage auf mein Niveau heruntergebrochen. 

Nibelungensage war für mich irgendwas mit Leuten die Hackberth und Isegrunz heißen und gegen Drachen kämpfen. Dank Troja Alert weiß ich jetzt, dass Siegfried ein kräftiges Dummerchen war und auf starke Frauen stand. Stefan Thesing erzählt mit seiner unglaublich sympathischen Stimme in einer saloppen Art von Schöpfungsmythen und anderen wilden Stories der Germanen, der Hebräer, der Griechen, von Zeus, der ständig nur ficken will, und zwar alles und jeden, und von Athene, Apoll, Dionysus, Prometheus und wie sie alle heißen. Nachdem ich nun die Verstrickungen der Götter untereinander kenne ist klar: RTL2 ist dagegen ein Scheißdreck. Frauentausch im Griechenland der Mykene hieß ‘ohne zurückgeben’.

Wostkinder

Leider scheint die FAZ die Serie mit Katrin Rönicke als Interviewerin eingestellt zu haben. Hier kam vor allem die dritte und letzte Generation Ost zu Wort und es wurde geredet über Jugend in der späten DDR und wie es war, dann im Westen zu sein. Ich würde mir wünschen, dass diese Serie weiterginge.

 

Ok, ich sehe gerade ich höre viele Podcasts und ich liebe sie alle; die mit dem kleiner Drei liebe ich im Quadrat. Was mir noch fehlt zu meinem Glück ist ein Podcast über Bonobos oder Menschenaffen im Allgemeinen. Auch einen Podcast von einem Taxifahrer fände ich interessant. Leider fehlt mir der Spaß am Autofahren, sonst würde ich selbst ein podcastender Bonobo-Taxifahrer werden. Naja.

Weitermachen! Fertig werden!

Es war sehr anstrengend, über zwei Jahre nichts in diesen Blog zu schreiben. Ich musste mich jeden Tag zurückhalten. Allerdings ist Selbstbeherrschung eine begrenzte Ressource und der Verlust, den ich schon jetzt erleide, weil ich für die Jahre 2014 und 2015 nichts manifestes habe, von dem ich sagen kann, dass ich schon jetzt völlig anders darüber denke, ist so groß, dass ich es nicht mehr verantworten kann, den Blog nicht in seinem 7. Jahr weiterzuführen.

Meine zweite große Leidenschaft, nach dem Bloggen, ist das Hören von Podcast. Ich möchte deshalb meinen nächsten Blogbeitrag meinen Lieblingspodcasts und den kleinen Erleuchtungsmomenten, die sie mir beschert haben, widmen. Danke sagen mit VIELEN verschiedenen Buchstaben. Wie immer ist das nichts, worauf die Welt gewartet hat – aber es heißt ja auch nicht  ‘Handle stets so, dass die Maxime deines Bloggens jederzeit zugleich ein Maß für das, worauf die Welt wartet, sein könnte. ‘Das, worauf die Welt wartet’ zum Leitmotiv für das eigene Handeln zu machen ist schon deshalb doof, weil die Welt ja wahrscheinlich noch nicht mal selbst weiß, worauf sie wartet.
Wort der Woche: Analgesicht

Adieu Qype, Hallo Yelp!

Ich war zwar nicht kurz davor mir Qype.de  auf mein Handgelenk tätowieren zu lassen, aber irgendwie mochte ich dieses Bewertungsportal aus Hamburg.  Du, Qype, warst eine meiner ersten echten Web 2.0 Erfahrung, damals, als man noch Web 2.0 sagte und noch nicht social media.  Und jetzt haben sie dich für läppische 50 Mio verkauft. Ach, das ist hart.  Das letzte Portal, wo man noch gemeinsam am Lagerfeuer sitzen und den alten Restaurantkritiken lauschen konnte, ohne Konkurrenz aus den USA, unbeschnüffelt vom bösen NSA-Mann.

Der Käufer, ein internationalen Unternehmen namens Yelp mit Hauptsitz in San Francisco, California, US and A, hat alle Inhalte von Qype in die eigene Infrastruktur übernommen und uns höchst ambitionierte Kuschel-Community-Manager vorgesetzt, die wieder für die knisternde Lagerfreuerantmo sorgen  und uns vergessen machen sollen, dass  die von der Community generierte Inhalte an der Börse gehandelt werden. Also werde ich dem ganzen eine Chance geben, aber nicht ohne ein bisschen rumzustänkern und überall wo sich mir die Möglichkeit bietet, reinzuschreiben, dass Qype viel besser war.

Nun habe ich aber ein Feature entdeckt von dem ich irgendwie gar nicht verheimlichen kann, dass ich es ziemlich vergnüglich finde:  Yelp Wordmap. Hier werden Bewertungen nach Schlagwörtern ausgewertet und auf einer Karte dargestellt.

Yelp Wordmap

 

 

Bitte, bitte Yelp! Wir brauchen das für Berlin!

 

Mein Vegan Wednesday #1

veganwed_1344329238_600Mein erster Vegan Wednesday und schon unter verschärften Bedingungen: Fünf Stunden Zugfahrt mussten vegan überstanden werden. Zum ersten Mal habe ich ganz stolz was vorgekochtes in der Bahn ausgepackt, statt mir irgend ein gekauftes Käsebrötchen und ne Coke reinzupfeifen.

Mein Frühstück bestand aus gepopptem Amaranth mit Hafermilch, Banane, Himbeeren, Reissirup und geraspelter Carob-Schokolade.

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Mittags eine riesige Portion Tofu- Auberginen-Bolognese mit Zucchinispaghetti, deren Überbleibsel ich dann in einer Lock&Lock-Dose mit auf große Reise nahm. Wer braucht da ein Bordrestaurant.

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Ich freu mich beim 30.Vegan Wednesday mitzumachen! Die drei VW-Erfinderinnen sammeln die Links zu den Blogposts bis Samstag und Sonntags sind die schönsten Fotos der Teilnehmer auf Pinterest zu sehen. Wer Inspiration braucht, sollte die Seite unbedingt mal besuchen.

And the challenge goes on….

Das hat Spaß gemacht!

Hier nochmal ein kleines Fazit aus der ersten Challenge im Stil des Fragebogens für die First Challenger aus dem Begleitheft zum Buch.

02 Februar-001

Was waren deine Ziele?

Kreativer Vegan kochen lernen, Abnehmen, Winterblues eindämmen, alle 2 Tage ins Gym.

Hast du die Challenge durchgehalten?

Yes Sir, I can boogie! :)

Hast du gesündigt?

Das auch, ja. Aber nur ein einziges Mal mit voller Absicht: Eine geteilte Flasche Bier im Kino. Die anderen Male waren Schludrigkeiten beim Lesen der Etiketten, wo ich erst später gemerkt habe, dass beispielsweise Zucker oder Milchsäure enthalten war. Ich habe die dann natürlich nicht weggeschmissen, das wär ja noch toller.

Hast du vorher schon Diät gelebt?

Ich habe letztens behauptet, ich hätte noch nie eine Diät gemacht, sondern immer versucht, mich für bestimmte Zeiten so zu ernähren, wie ich mir eine gesunde Ernährung vorstelle, oder eine Zeit lang auch wie Weight Watchers sich eine gesunde Ernährung vorstellt. Tatsächlich aber kamen mir nach meiner Behauptung dunkle Erinnerungen hoch an eine sehr schlimme Kohlsuppendiät, die ich auch nicht lange gemacht habe, wegen Würgereiz und Grusel. Seit meine Mutter und ich damals zu Weight Watchers gegangen sind, ernähre ich mich sicherlich ausgewogener als vorher, weil man dort ein paar Dinge über Ernährung lernt, und allein aufgrund diesen Wissens würde ich so eine krasse Kalorienreduktion nie (mehr) machen, weil sowas widerlich ist, kaum Nährstoffe liefert und meistens sogar kontraproduktiv ist.

Was hat sich verändert?

Ich bin von selbst früher aufgestanden und war weniger müde.  Abgenommen habe ich auch, ich kann leider nur nicht sagen, wie viel, da ich zum Challengestart meine Mens hatte und wohl Wasser eingelagert hatte. Nur so lässt sich erklären, dass die Differenz der 30 Tage 3,7 KG  beträgt. Nehme ich die Differenz der heutigen Abwage zu Tag 3 der Challenge, hätte ich 1,7kg abgenommen. Irgendetwas dazwischen wird es schon sein.  Ich bin jetzt also doch ganz zufrieden damit, weil ich eine gesunde Abnahme erzielt habe (ausgehend von 500gr/Woche als gesunde Abnahme). Meine Maße kommen noch.

Was hat es dir persönlich gebracht?

Ich hatte Spaß, ich hatte neue Sachen, ich hatte Ablenkung von meinem Winterblues und Lust morgens aufzustehen um mir meinen Shake zu machen und konnte mich auch besser für andere Dinge motivieren.  Ich habe noch mehr im Zusammenhang mit Nahrung und Inhaltsstoffen gelernt. Ich  empfinde vegan kochen jetzt gar nicht mehr als Einschränkung.

Gab es Schwierigkeiten?

Ja, Blähungen des Todes. Ich war einige Tage lang ein sprechendes, laufendes Furzkissen. Im Moment ist zwar die Verdauung auch nicht optimal, aber mein Stoffwechsel ist eh grottig und wenigstens pupse ich mir nicht mehr die Atemluft weg. Entweder ich habe mich an die Ballaststoffe gewöhnt, oder es ist der Austausch von Agavendicksaft mit Reissirup.

Hast du Sport gemacht?

Der Sport hat leider nicht so geklappt, wie ich mir das vorgestellt habe, wegen Impfungen und Blähbauchschmerzen und auch Faulheit. Immerhin war ich einige Male im Gym und Schwimmen und habe meine supersexy Rückengymnastik gemacht.

Bist du sonst auch vegan unterwegs?

Seit 3 Jahren vegetarisch, aber ich habe es schon einmal als Flexiganer versucht. Damals bin ich daran gescheitert, dass ich kaum gute vegane Rezepte kannte und der Käse immer anziehender war.

War es schwierig, vegan zu leben?

Ich kann mir das in verschiedenen sozialen Situationen, oder wenn man nur wenig und unflexibel Zeit hat, schwierig vorstellen, aber die 30 Tage waren eigentlich super easy, ich hab nix vermisst.

Was sind deine drei Lieblingsgerichte?

Nur drei??? Hmm, dann vielleicht die Zucchini-Carbonara, Safran-Spinat mit Orangen-Quinoa und die Mini-Pancakes mit dem Himbeereis.

Machst du irgendwann weiter?

Ja, ich lebe weiter bis zu meinem Urlaub am 12.03. nach den Challenge Regeln, aber nicht mehr gar so streng. Ab und an a Glaserl Wein ist schon mal drin. Wenn ich wieder in Berlin bin, plane ich eine zweite Challenge.

Möchtest du irgendwem danken?

Attila, -auch wenn das an Personenkult grenzt- du bist der Held! Man fühlt sich zumindest nicht mehr so krass als Außenseiter und Freak. Und den Youtube-Challenger und den anderen Bloggern möchte ich Danke sagen. Ihr unterhaltet und motiviert mich! Dann natürlich auch allen, die meine Challenge verfolgt haben und sich mit mir darüber ausgetauscht haben, bzw. gleich miteingestiegen sind und Rezepte nachgekocht haben! Das war die beste Motivation!

Sonst noch was?

Die Kosten belaufen sich nun laut meiner Liste auf 332,98 Euro. Ob da was fehlt, weiß ich nicht genau, ich war aber eigentlich recht sorgfältig. Ich habe 6 Tage davon für 2 Personen gekocht, habe aber dafür auch einen Einkauf bezahlt bekommen. Ich gehe also davon aus, dass die Challenge so 350 Euro gekostet hat. Aber dafür ist der Vorratsschrank auch immer noch schön voll mit meinen Sachen, zum Leidwesen meiner lieben Mitbewohner :)

Tag 30 – Finale, Hosianna!

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Moussaka Reloaded

Heute war der letzte Tag; vom Papst und von meiner Challenge! Und das Beste: Ich mach weiter. Auf meinem Einkaufszettel steht jetzt Tag 30+1 und 30+2. Ich werde allerdings nur noch wenn ich Lust habe und als fester Termin Mittwochs food-bloggen und somit am Vegan Wednesday teilnehmen.

Um die Challenge feierlich zu beenden, habe ich das  Moussaka Reloaded mit Tofuhack und Cashew-Petersilien-Creme ausgewählt. Vor allem mit der Creme fand ich das Gericht sehr lecker. Ich hab nur immer das Problem, dass das Essen schon am erkalten ist, wenn ich meine Türmchen oder Lasagne-Lagen fertig gebastelt habe.

Mittags gab es das Fast-life-Sandwich. Ich hab dafür den Räuchertofu von Kaufland genommen und war ganz überrascht, dass ich jetzt endlich mal einen Räuchertofu gefunden habe, der auch roh gut schmeckt und nicht zu teuer ist. Ein Hoch auf Kaufland.

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Dann habe ich mir heute wieder irgendwelche Tropenkrankheiten spritzen lassen und war nach der Impfung noch schnell im Alnatura. Abgesehen davon, dass es inzwischen in ganz Deutschland Mandelmus- und Amaranth- Lieferengpässe gibt, habe ich dort ziemlich interessante Sachen gefunden, z. B. eine niederländische Schokolade, die nicht aus Kakao sondern aus Carob hergestellt wird, Carob ist die Frucht des Johannisbrotbaums. Diese “Schokolade” möchte ich euch gerne mal vorstellen, obwohl nicht mit Vollmilchschokolade mithalten kann, eigentlich noch nicht einmal mit Reismilchschokolade, aber ich habe schon gelesen, dass man sie gut in süßem Gebäck verwenden kann.

IMG_0450 Geschmacklich erinnerte mich die Soyabella zwar auch an normale Schokolade, aber irgendwie auch an die Molasse von Shishatabak und dann hatte sie auch noch eine salzige Note, wie von Lakritz.

Für richtige Kakao-Schokolade muss ich mich wohl dann doch irgendwann an das Rezept aus dem Buch machen.

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Das war es jetzt erst einmal von meinem heutigen Tag. Ich versuche mich jetzt noch an einem Fazit in Fragebogenform, wie man es aus dem Begleitheft zum Vegan for fit- Buch kennt.

Bis später!

Tag 29 – fast 30 :)

Ufff….hechel,hechel….1-2-3-4, atmen. Ich suche gerade nach der richtigen Atemtechnik um das Völlegefühl wegzuatmen.  Inzwischen geht es schon wieder, aber tatsächlich habe ich mich heute doch ein mal überfressen.

Linsensuppe, Klappe die zweite.

Linsensuppe, Klappe die zweite.

Schön Oliven genascht und dann auch noch 2,5 Teller Suppe quasi inhaliert. Die Suppe hatte ich gestern noch vorbereitet und extra etwas mehr gemacht, so dass ich jetzt wahrscheinlich 3 mal daran essen kann. Super!

Heute ist der letzte Tag bevor ich morgen die Challenge tatsächlich geschafft habe. Zwar war ich nicht in allen Punkten hundertprozentig, aber ich finde trotzdem, dass ich stolz auf mich sein kann. Man hört ja immer wieder, dass sich Disziplin und Willenskraft vergleichbar mit einem Muskel trainieren lassen und man bei Bedarf mit einem kleinen Training anfangen kann, wie z.B. “Ich beantworte jetzt eine Woche lang immer alle eingehenden Mails gleich”. Attila ermuntert dazu, viele Dinge mehr als Challenge denn als ewiges Problem, das halt eben da ist oder halt eben zur Persönlichkeit dazugehört, zu sehen. Und dass man als eigener Regisseur in seinem Leben nicht alles hinnehmen muss, z. B  dass man sich immer im Winter tagelang mehr wie ein Sandsack, gefüllt mit Schlafsand und schlechter Laune, fühlt. Ich will damit nicht sagen, dass ich jeden Tag vor Energie sprühe, aber ich will mir auch nicht ausmalen, wie es mir die letzten 30 Tage ohne Challenge ergangen wäre – gerade wo dieser Winter rekordträchtig dunkel ist, dass man meinen könnte, wir müssten bald Fühler und Tasthaare entwickeln, während sich die Sehorgane zurückbildeten.

Grau, grau, grau...Das Tempelhofer Flugfeld am Wochenende.

Grau, grau, grau…Das Tempelhofer Flugfeld am Wochenende.

Tatsächlich hatte ich diesen Februar weniger mit Melancholie oder Schlappheit zu kämpfen, sondern war öfter verzweifelt und wütend darüber, wie pervers manche Dinge in unserer Gesellschaft laufen. Wachstum und Fülle, aber zu welchem Preis? Und damit meine ich nicht nur das Joch der Tiere unter dem Menschen.

Animation von Steve Cutts. Niedlich aber deprimierend.

 

Ich bin gestern Nacht noch einmal über meine ganzen Challenge-Artikel geflogen und habe dabei festgestellt:

1. Ich brauche ein Lektorat und eine Kommasetzungs-Nachhilfe

2. Ich habe meistens sehr lecker gegessen und habe fast nix vermisst. Ich will also bis zu meinem Gambia-Urlaub so weiter machen und wenn ich wieder in Berlin bin, mache ich eine zweite Challenge.

Tag 27 und 28 – Ich schmeiß alles hin und werd Kräuterhexe

Ich bin zurück aus meiner Tiefenentspannung! Ein Schwebebad im Salzwasser kann ich jedem empfehlen, der zu viel Geld hat oder sich gerne schöne Geschenke machen lässt (ratet mal zu welcher Kategorie ich gehöre). In Berlin kann man eine Stunde für 85 Euro zu zweit im 6m²-Becken rumhängen. Der Salzgehalt des Wasser entspricht dem des toten Meeres, zusätzlich gleicht die Wassertemperatur der Lufttemperatur und wenn man dann so wie ein Stück Treibholz auf dem Wasser liegt, fühlt man sich, als würde man in einer ISS-Raumkugel durchs Weltall schweben. Das ist so ein gutes Gefühl, besonders wenn man dabei meditieren kann, was ich immer tue. Ich habe eine von Psychologen entwickelte akademische Meditation gelernt *klick* Für solche Sachen bin ich mir dann auch nicht zu fein, Werbung zu machen! Entspannt euch, los! Mwahahaha!

Zu dem gestrigen Tag: Ich habe die übrig gebliebenen Tofu-Burger aus dem Rezept verarbeitet und habe die Soßen aus Attilas Original-Rezept, die ich ja nicht so lecker fand, komplett durch Senf und Ketchup aus meinem neuen Ketchup-Rezept ersetzt, welches ich mir aus diversen Chefkoch.de-Rezepten zusammengebastelt und für gut befunden habe.

Burger Vol. 2

Tofu-Burger mit Senf, zuckerfreiem DIY-Ketchup und Alfalfa-Sprossen

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Ketchup à la Vayonnaise

(so gut, dass ich überlege mich in Vetchup umzubenennen)

Ich habe alles nach Augenmaß und Geschmack gemacht, aber für 4 Brötchen nimmt man etwa:

4 große, dicke, schwere EL Tomatenmark
1 EL Balsamico
1/2 EL Öl
1/2 TL Currygewürz
1/2 TL Paprika edelsüß
Oregano, Salz, Pfeffer und
Reissirup/bzw Agavendicksaft, je nach Geschmack.
 
….gut vermischen! Fertig ist die günstige, schnelle und industriezucker- und süßstoffbefreite Alternative!
 

Dass ich nie auf diese Idee gekommen bin, wenn mal wieder kein Ketchup im Haus war. Wie manche Leute denken, dass Fleisch im Supermarkt wächst, dachte auch ich, dass es Ketchup nur in Flaschen gibt. Stupid me.

Heute, an Tag 28 der Challenge, gab es ein schnelles rauhes Müsli-Frühstück um 9 Uhr und später eine Lasagne in der die Nudelplatten durch Zucchini ersetzt wurden und das Pferdefleisch mit Tofu. Das Rezept ist so einfach, damit kann man sich gar nicht vergaloppieren. Höhö.

Zucchini-Bolognese-Lasagne

Zucchini-Bolognese-Lasagne in der Herstellung

Safran, das Luxus-Gewürz

Ich habe mich, als ich gestern trotz Tiefenentspannung nicht schlafen konnte, nochmal über Safran kundig gemacht, weil ich rausfinden wollte, warum mein Safran nicht gelb war.

Jetzt bin ich kurz davor mir ein Kräuterlexikon auf dem Trödel zu suchen und Kräuterhexe zu werden. Kräuter sind der Wahnsinn. Man kann sich mit Nelken gegen Zahnschmerzen betäuben, weil der Wirkstoff, der beim Zerkauen austritt ähnlich wie die Betäubung beim Zahnarzt wirkt. Jetzt weiß ich auch warum ich immer auf einer Nelke kauen musste, wenn ich bei meiner Oma Zahnschmerzen hatte. Von Muskatnuss in Mengen, die zwar in Rezepten unüblich, aber durchaus im Haushalt vorrätig sind, kann man sich ins Regenbogenland befördern lassen. Und Safran ist ein Gewürz, dass ab 10 Gramm abortive, also schwangerschaftsabbrechende Wirkung hat,  und in Dosen ab 20 Gramm schon tödlich wirkt. Dazu sei gesagt, dass man sicherlich auch billiger töten kann; normaler persischer Safran kostet im Supermarkt 20-30 Euro pro Gramm.

Safran ist das teuerste Gewürz der Welt, was in der Herstellung bedingt ist. Es kann nur ein mal pro Jahr im Herbst geerntet werden und zwar in Handarbeit. Keine Maschine könnte die filigranen roten Stempel aus den Blüten der Krokuspflanze (crocus sativus) abernten.

Jetzt weiß ich auch warum meine Safranfäden rot sind. Ich bin bestimmt schon bald auf der Suche nach Safran-Quinoa-Rezepten. Wer eins kennt, her damit!

Jetzt ist der Besuch weg und ich könnte schon wieder floaten gehen, so entspannungsbedürftig bin ich.