Im Goethe Institut wird rotiert

Ich habe manchmal das Gefühl in einem großen Schwarm von angehenden Geisteswissenschaftlern zu schwimmen, die alle keine Ahnung haben, wo sie hinschwimmen. Das vierte Semester hat angefangen  und so langsam sollte man sich dann doch mal aus diesem Schwarm befreien, um ans Riff zu schwimmen, wo es für uns doch einige Möglichkeiten gibt, genau genommen sogar viel zu viele. Man muss nur ein bisschen Vorstellungsvermögen haben.

Ich war diese Woche im Goethe Institut Hamburg, wo wir von der Leiterin, Charlotte Hermelink, persönlich empfangen wurden und ein paar Fragen stellen durften.

Nach dem Interview ist mir klar: Ich bewundere diese Frau und die Mitarbeiter des Goetheinstitutes, besonders aber doch die MitarbeiterINNEN . Jede muss hier ihre Frau stehen und für die Arbeit viele Kompromisse im Privatleben in Kauf nehmen.

Die vormalige Leiterin des Goetheinstitutes in Turin erklärt uns, dass die Arbeitsverträge oft befristet sind und dass bei festen Arbeitsverträgen eine Rotationsklausel unterschrieben werden muss, das heißt, man muss in Kauf nehmen, dass man alle 5 Jahre in ein anderes Land geschickt wird. Als Regionalwissenschaftler ist man natürlich darauf bedacht in seine Zielregion zu kommen, aber das ist nicht gewährleistet, so war Frau Hermelink nach ihrem Italianistikabschluss erstmal fünf Jahre in Marokko und hat dort ihre Zwillinge aufgezogen, bevor sie in ihrem Wunschland Italien arbeiten konnte.

In Goethe – Instituten im Ausland besteht die hauptsächliche Arbeit aus Kulturmanagment. Wer sich also für einen solchen Posten interessiert, sollte vielleicht vorher bei einer Konzertagentur oder im Theather etc Erfahrung gesammelt haben. Zwar sind Fremdsprachen von Vorteil, man kann sich aber auch mit Englisch durchschlagen. Innerhalb des jeweiligen Institutes werden jedes Jahr die Posten rotiert. Wenn man fertig ist, ist man also ein absoluter Allrounder und Multitasker, kennt sich sowohl auf der Führungsebene sowie im Bereich eines einfachen Referenten aus. Es gibt natürlich auch Expertenstellen, die keiner Rotationsklausel unterliegen.

Eines meiner Grundbedürfnisse, und ich denke die jedes Menschen, sind vertraute Beziehungen zu anderen Menschen. „Wenn Sie den Mann finden, der mit ihnen um die Welt zieht und seine Karriere dafür schleifen lässt – Glückwunsch!“ sagt Frau Hermelink lachend. Soll heißen: Sowas gibt es eigentlich nicht.  Für die männlichen Mitarbeiter gibt es da, wie so oft einen ganz einfachen Trick: Sie heiraten eine Frau aus Kulturkreisen, wo es üblich ist, dass die Frau dem Mann hinterherreist und sich selbst hintenanstellt. Schön, alles kann so einfach sein. Als Mann.  Die Frauen am Institut müssen Kompromisse machen. Dann pendelt man eben. Dann sieht man eben seinen Mann nur alle 3 Monate. Naja, soll ja die Beziehung frisch halten.

Ich persönlich finde das Ausland sehr anziehend und fände es sogar für Kinder wünschenswert. „Da kriegen sie halt gleich mit: die sind Italiener, wir sind Deutsche; die sind Muslime, wir sind Christen“ sagt Frau Hermelink.

Ihre Kinder sollen in Deutschland ihr Abitur machen, daher die Stelle in Hamburg, danach wünscht sich Frau Hermelink nach Teheran gehen zu dürfen. Und ich wünsche es ihr auch.

Ein Traumberuf? Hier gibt es einen kleinen Selbsttest im PDF-Format namens „Rotation als Lebensmodell – Passt das zu mir?

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