Der größte gemeinsame Verteiler

Mir hat sich tatsächlich noch nie den Sinn von Wohnheims-Mailinglist erschlossen.

Das schlimmste an Verteilern im Allgemeinen ist, dass man weiß, dass einen die digitalisierte Doofheit entgegenschlägt, wenn man die Mail öffnet , aber man tut es trotzdem – immer wieder!

Ich kriege jeden Tag zig Mails, die den Eindruck vermitteln, man sei inmitten eines pulsierenden elektronischen Basars. Ebay ist ein privater Garagenflohmarkt dagegen. 500 Bewohner, und immer hat einer seine Pakete, Schlüssel, Schals, Ipods verlegt oder sucht Zimmer, Bohrhammer, Bücher, Fahrräder. Man könnte meinen, dass manche Studenten ihre Köpfe zum Tragen eines Hutes besitzen.  Dieser Eindruck wird verstärkt durch den Fakt, dass diese Mails in einem Vorschulklassendeutsch verfasst sind, wie man es selbst auf der Rütlischule nicht kennt. Wer braucht schon Rechtschreibung. Und von Groß- und Kleinschreibung haben wir auch noch nichts gehört.
Besonders schön sind die Mails, die uns alle einfach mal so grüßen sollen oder die uns der Osterhase – wahrscheinlich ein über die Feiertage sturzbesoffener Student – angeblich geschrieben haben soll. Auch schön: Mails die uns mit lustigen Powerpointpräsentationen erheitern sollen. Die Ernüchterung folgt auf dem Fuß; der vermeintliche Megagag ist mega gaga und außerdem so unterhaltsam wie Florian Silbereisen beim Lockenwickler eindrehen.

Desöfteren kommt es auch zu unschönen Auseinandersetzungen: Ein Student tat kund, dass es kein Wunder sei, wenn unsere Briefe immer im Postnirvana landeten, da der Briefzusteller kaum Deutsch könne und die Aufteilung der Briefkästen doch „so blöd“ sei. Die nachfolgende Diskussion, ob der Sender nun ein gemeingefährlicher Rassist und Faschist, ja eine Bedrohung für die freiheitlich demokratische Grundordnung, sei, weil er dem Briefzusteller keine ausreichende Sprachkompetenz bescheinigen konnte, uferte soweit aus, dass ich etwa 30 Mails voller Beschimpfungen in meinem Posteingang hatte. Mir schlug ein rauher Wind aus meinem Posteingang entgegen, der mir beinahe die Frisur ein wenig durcheinander brachte.

Heute war ich zum ersten Mal froh, Mitglied im Verteiler zu sein.

Regenbogen über Hamburg

Hier die Mail:

Betreff: Herrlicher Regenbogen

Guckt sofort in Richtung Osten(zur Polizei) – herrlicher Blick!!!
Das war wirklich der schönste Regenbogen, den ich bisher gesehen hab und plötzlich war auch die Gewitterwolke mit dem neongelben Blitz, die bis dato über meinem Kopf schwebte wie weggeblasen.

Feststellung: Studenten haben zuviel Zeit & Regenbogen machen gute Laune!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s