Dem Hässlichen, Unwahren, Schlechten

Wieso Hässlich das neue Schön ist

Mein Lieblingsarzt, Dr. Eckart von Hirschhausen, stellt in seinem Bühnenprogramm fest: 98% der Menschen sehen angezogen besser aus. Und die restlichen 2%, die nackt besser aussehen als angezogen, ziehen den anderen 98% dafür ordentlich das Geld aus der Tasche. So wahr, so schön.

Das Problem ist aber nicht, dass die 98% angezogen besser aussehen und deshalb nackt kein Geld machen könnten, sondern, dass sie sich für ihre nackte Hässlichkeit schämen (ausgenommen sind hier die Engländer. Da überwiegt der Hang zum Ausziehen im Großteil der Bevölkerung).

Auf die These, dass Hässlichkeit sich durchaus auch zu Geld machen ließe, komme ich aufgrund der Suchanfragen in meinem Blog. Ich beobachte schon seit geraumer Zeit, dass sich ein Artikel  an die Spitze meiner persönlichen Blogcharts bewegt. Titel: Hässliche nackte Menschen. Die Besucherzahlen sind explodiert. Hier ein kleines Potpourri meiner liebsten Suchanfragen:

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Erst mal möchte ich demjenigen der „ich bin nackt hässlich“ gegoogelt hat sagen: Wer ist das nicht!? und außerdem liegt die Hässlichkeit ja im Auge des Betrachters.

Ich finde, dass daraus ersichtlich wird, dass es enormen Bedarf an „hässlicher Ästhetik“ gibt. Wir wollen Hässliches sehen. Und deshalb gibt es auch die Modelagentur Ugly Models, deren Modelkartei mehr ein Gruselkabinett ist.  Hässlichkeit ist bahres Geld wert! Inzwischen hat das wohl auch die Modewelt erkannt und setzt auf den Heroine-Look. Praktisch für Mrs. Kate Moss – da kann sie ganz sie selbst bleiben.

Faszinierende Hässlichkeit

Das Problem mit der Schönheit ist, dass sie langweilig ist. Im Zeitalter von Photoshop ist die makellose Schönheit zur Normalität geworden. Oder zumindest zur Scheinnormalität. Wer schonmal seine Miteinkäufer bei Aldi an der Kasse auf Cosmopolitan Covergirl-Tauglichkeit überprüft hat, weiß wovon ich spreche. Obwohl ich da unlängst einen Mann mit toller Oberweite gesehen habe. Wenn er’s nicht auf das Cover der Cosmo gebracht hätte – in die Praline wäre er sicher gekommen, dieses Busenwunder. Ich bin normalerweise nicht so. Wirklich nicht. Aber ich musste ihm ständig auf die Titten glotzen… wie er sich bückte, um die Ware auf das Band zu legen und dabei die behaarten Erhebungen sanft hin und her wogten und die Nippel sich gegen den Stoff seines Flanellhemds spannten. War das ekelhaft. Ich war wie hypnotisiert von diesem großbrüstigen Streich, den die Natur diesem armen Mann gespielt hat. Ob ich jetzt dafür gezahlt hätte die Dinger mal nackt zu sehen ist eine andere Frage, aber bereits Freud stellte fest, dass es ein Paradox der Hässlichkeit gibt. Zwar ist Hässlichkeit nie „schön“, aber sie ist interessant und irgendwie anziehend. Denn die Schönheit hat nur ein Gesicht, die Hässlichkeit hat tausende. Die Franzosen haben dafür sogar einen Ausdruck „belle laideur“. Das bezeichnet wahrscheinlich genau das, was Frida Kahlo zu einer anziehenden Frau gemacht hat und Gerárd Depardieu zu einem Frauenschwarm.

Ugly Internet

Außerdem sind wir doch irgendwie umgeben von Hässlichkeit. Überall. Und hier ist die Hauptzentrale der Hässlichkeit. Willkommen im Internet. Hier gibt es Seiten, wie manboobs.com oder echt-hässlich.de und Daniel Kübelböck hat schließlich bestimmt auch eine Seite. Und das sind noch die „angenehmen Seiten“ des Hässlichen und Schlechten.

Man kann sich im Internet durchaus auch Leichenteile, abgesprengte Kinderköpfe und Menschen beim Kotessen ansehen, wenn man es denn möchte.  Unlängst erreichte mich ein Link zu einem Video auf dem eine Menschenverbrennung in Indien zu sehen war. Man kann sich kaum vorstellen, dass ein Mensch solche Dinge sehen möchte. Aber die Erhängung von Saddam Hussein, verbotenerweise schnell mit dem Handy gefilmt, durfte auf keinem Nachrichtenportal fehlen. Und alle haben draufgeklickt. Wir lieben es eben- das Hässliche, Unwahre, Schlechte.

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Ein Gedanke zu “Dem Hässlichen, Unwahren, Schlechten

  1. Ja, das sind mal wieder feiner Beobachtungen. Und bei den meisten deiner angesprochenen Facetten könnte man eine eigenständige Geschichte schreiben. Dass die Hässlichkeit eine solche Konjunktur erfährt, verwundert insofern nicht, als dass zum einen das Erhabene bereits im 18. Jahrhundert das Hässliche hoffähig gemacht hat und zum anderen die Menschen ja auch immer fetter und damit eben auch hässlicher werden. Es sei denn, das subjektive Empfinden befindet sich in diesem Jahrhundert bereits im Wechsel und das Hässliche wird nicht mehr nur interessant für die Menschen, sondern auch schön. Na dann Gute Nacht Gegenwart.

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