Uni brennt?

Liebe Linke,

ihr besetzt zurzeit die Unis in Deutschland und Österreich. Ihr wollt kostenlose Bildung, mehr Freiräume im Studium, Frauenquoten für alle Lebensbereiche, keine Zulassungsbeschränkungen, mehr Professoren. Und das sind keine dummen Ziele, zumindest für einige davon würde ich auch auf die Straße gehen, bzw. war ich auch schon.

Aber auf der Demonstration passiert dann immer das gleiche: Erst schreien alle: Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut. Da schreie ich noch mit. Dann schreit jemand vom vordersten Wagen „Vernichtet den Polizeistaat“ weil da ein Paar grüne Männekes stehen. Ich überlege, ob ich gehen soll. Und irgenwann holt dann wer sein Che Guevara Shirt raus und ein anderer schreit: Nie-nie-nie wieder Deutschland.  Ich gehe.

Ich komme mir wirklich verarscht vor. Ihr wollt die breite, schweigende Masse hinter euch vereinen? Ist euch schonmal eingefallen, dass die „breite Masse“ diesen Staat NICHT für unter aller Kanone hält und sich sogar mit dem Kapitalismus, wenn er in Form einer sozialen Marktwirtschaft daher kommt, aussöhnen kann?

Kurz festgehalten: Ihr jammert, dass sich keiner mit euch solidarisieren will und seid selbst das Problem!

Ich würde mir wünschen, dass man einfach mal zusammen für die Reform des Bachelorstudiums und gegen

ungerechte Studiengebühren auf die Straße gehen kann, ohne dass man sich selbst von der Presse als unkontrollierte, sozialismusverherrlichende Meute beschrieben sieht. Die Sache sollte im Vordergrund stehen.

Ich weiß, dass ihr denkt, dass sich die aktuellen Probleme in der Uni aus der Niederträchtigkeit des Staates und des bösen, bösen Kapitalismus ergeben. Ich denke nicht so. Nur wird meine Meinung nie repräsentiert, weil ihr sie immer überschreit.

Problem: Ihr braucht die breite Masse für eure Unibesetzungen. Ohne die werdet ihr sehr bald von netten Polizisten rausgetragen und das Ergebnis ist Unterrichtsausfall (Ihr klaut Bildung), Kosten  (Ihr verplempert unsere Studiengebühren) und keinerlei Erfolg. Außer vielleicht das ihr ein paar Tage Abenteuer hattet, mit euren Hunden auf Matratzen zusammen im Audimax geschlafen habt und sicher ne gute Zeit hattet. Aber Ferienlager könnt ihr auch woanders haben.

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19 Gedanken zu “Uni brennt?

  1. bin total einverstanden mit allem was Du schreibst! Als wir in Frankfurt vor einem Jahr die gleichen Probleme hatte und ich mir bei einer Demonstartion instrumentalisiert vorkam habe ich eine kleine Unterschriftensammlung im Netz begonnen die eine sehr positive Resonanz bei den Studenten und in der Presse bekommen hat. Es war eine gute Erfahrung zu erelben, dass man sich öffentlichkeitswirksam von sinnloser Zerstörung distanzieren kann.

    Ist bei uns zwar nicht mehr aktuell, aber hier der link: http://www.ipetitions.com/petition/StudentenGegenGewalt/signatures.html

  2. Nachdem ich mich jetzt ein bisschen mit der Kritik an den momentanen Protesten gegen die herrschende Bildungspolitik auseinander gesetzt habe, muss ich doch feststellen, dass viele eigentlich die Meinung der Protestierenden teilen. Jedoch zeigt sich, dass im Bezug auf alle Aktionen, die stattfinden vor allem nur gemotzt und gefordert wird. Es wird die ganze Zeit verlangt, dass Proteste auf die Beine gestellt werden, die dann aber bitteschön auch die Meinung von jedem einzelnen, der/die daran teilnimmt vertreten sollen, das ist unmöglich ab einer Teilnehmerzahl von sogar nur 10 Personen. Wenn Du findest, dass Deine Meinung auf den stattfindenden Protesten nicht vertreten wird, dann organisier selber etwas. Ich finde es absolut nicht berechtigt andere Leute zu kritisieren, weil sie auf ihren Protesten nicht Deine Meinung repräsentieren. Dafür bist Du nun wirklich selber verantwortlich und nicht die anderen. Es ist unglaublich mit was für einer selbstverständlichen Anspruchshaltung hier auf ehrenamtlich organisierte Proteste herangetreten wird. Viele haben sich vor allem kritisch gegenüber den Besetzungen geäußert, mag ja sein, dass dann Lehrveranstaltungen ausfallen, aber es ist zumindest ein Druckmittel. Wenn jemand einen anderen Vorschlag hat, wie man die Forderungen der Studenten durchsetzen kann, dann wird diese Idee vielleicht auch mit Unterstützung rechnen können. Bisher kamen leider noch keine weiteren Vorschläge, sondern nur Gemotze. Ich halte eine Besetzung derzeit als ein geeignetes Druckmittel, dass sich in der Vergangenheit auch schon bewährt hat. Leider werden ja Demonstrationen oder das Vorsprechen bei Verantwortlichen in keinster Weise vom Staat ernst genommen. Deswegen finde ich es angebrachter selber mal etwas zu unternehmen, als ständig irgendwelche Motzpamphlete in die weite Welt zu senden!

    1. Eine gute Idee? Sich im StuPa beteiligen, statt ne Bierorgie im Hörsaal zu feiern. Ein Streik macht doch nur dann Sinn, wenn der „Repressor“- hier also die Uni/Bildungspolitik – einen Schaden davon hat. Augenscheinlich haben hier aber nur die Studenten den Schaden.
      Und wenn du denkst Vorsprechen bei Verantwortlichen und Demos bringen nix, kannst du ja immer noch ne Bombe in den Audimax werfen…wenn du meinst, dass destruktiv die bessere Art und Weise ist!

  3. Soll Studium nur Spaß machen oder brauchen wir ein erfolgsabhängiges Bafög, das bei zügiger Studiererei steigt und bei schlechten Leistungen (=lange Studienzeit) sinkt?
    Wer bessere Bedingungen will:
    Es gibt auch einige Fernstudiengänge mit hervorragender Betreuung. Dafür muss man aber gute 270 EUR jeden Monat zahlen. Das geht finanziell, denke ich, nur, wenn man ganz normal arbeitet und abends bzw. am Wochenende studiert. Aber Gemeinschaft, Party, persönliche Entwicklung und das, was ein Anwesenheitsstudium AUCH ausmacht, das bleibt dabei logischerweise auf der Strecke. Dafür hat man am Ende des Studiums 4 Jahre Berufserfahrung zusätzlich zum Studium (wenn man durchgehalten hat … ich fand es schon sehr anstrengend). Jeder so wie er es bevorzugt, und 500 EUR im halben Jahr sind doch eher lächerlich.

  4. Ich finde des schade, dass du nicht fähig bist mal über den Tellerrand zu sehen und dich mit den „linken Chaoten“ einmal zu beschäftigen. Ein kleiner Teil der Besetzer wird deinem Bild entsprechen. Eins haben die ganzen „linken“ Gruppen aber wohl gemeinsam: Es wird im Plenum nicht abgestimmt, sondern per Konsens gearbeitet. Das heißt auch du kannst mitdiskutieren und im Notfall einen Konsens blocken. Dafür ist es aber wie in jeder zivilisierten Diskussion nötig, auf die anderen einzugehen und ihre Situation und ihre Argumente verstehen zu wollen. Da sehe ich dein Problem. Wenn du mit deinem Vorurteil da reingehst, könnte ich mir vorstellen, dass du das auch raushängen lässt. Es gefällt dir wenig, wenn die „Anderen“ ihre Vorstellung von Gesellschaft für richtig halten, also bitte erlaub es auch der Gegenseite. Nur weil deine Vorstellung gerade herrscht, muss die Andere nicht zwangsläufig falsch sein…

    1. Ich bin gerade dabei, mich mit diesen „linken Chaoten“ zu beschäftigen, aber ich komme mir immer wieder vor, wie auf einer Butterfahrt, wo an jeder Ecke ein Verkäufer hervorspringt und mir was andrehen will, was ich garnicht haben möchte.
      Ich wollte nur anmerken, dass es einfacher wäre, sich gemeinsam hinter eine Sache zu stellen, wenn man wirklich mal bei der Sache bliebe anstatt andauernd noch zusätzlich Deutschland, den Staat und den Imperialismus zu verdammen. Das können die Linken ja dann auf einer Anti-Imperialismus Demo machen, das ist ja nicht meine Sache! Ohne diesen Rundumschlag an ideologischen Feindbildern könnten wesentlich mehr Studenten sich hinter die Proteste stellen!

  5. @ Jan
    Ich bitte Dich meinen Kommentar noch einmal zu lesen und Deinen dann zu überdenken, denn ich glaube Du hast meinen nicht ganz verstanden. Ich habe mich in keinster Weise als Links positioniert. Außerdem finde ich es nicht angebracht hier irgendwelche unsachlichen Vorwürfe zu bringen, bloß weil Du anscheinend einen persönlichen Groll gegen linke Personen auf dem Plenum hegst!

  6. Hallo!
    Ich finde schade dass du dich von solchen Nebensächlichkeiten so sehr beeinflussen lässt.
    Der Protest ist wahnsinnig breit (ich kann jetzt nur für Österreich sprechen) und ein Großteil der Studierenden in den Hörsälen ist keineswegs auf der CheGuevara-Schiene sondern setzt sich sehr differenziert mit ihren Anliegen auseinander.

  7. Hallo vayonnaise,
    auch ich bin der Meinung, dass es nicht reicht, nur die für alle spürbaren Auswirkungen dieses Systems im Bildungssektor zu diskutieren oder zu beklagen.
    Das eine hängt ja mit dem / den anderen Ursachen zusammen: Kapitalistische Verwertungslogik bestimmt Bedürfnisse und Interessen, die unter anderem durch das Bildungssystem befriedigt werden sollen.
    Einfach nur zu sagen: „Unsere Schul-/Studienbedingungen sind schlecht, bitte, bitte ändert doch was dran…“ greifen zu kurz. Denn diese Bildungsbediungungen sind ja nicht zufällig vom Himmel gefallen, sondern stehen im direkten Zusammenhang mit eben diesem Wirtschaftssystem.
    Humane Schule, humanes Studium sehen anders aus. Es wäre machbar, steht aber in keinem Verhältnis zu den Ressourcen, die dem Bildungssystem in diesem Kontext zugestanden werden.
    Denn eine Schule / ein Studium, was SchülerInnen/Studierende in den Fokus rückt und an ihren Bedürfnissen nach Bildung orientiert ist, ist für dieses System nicht finanzierbar und vor allem kontraproduktiv. Denn schließlich soll ja bei dem ganzen Bildungsfirlefanz gutes „Humankapital“ rauskommen, was an die Interessen angepasst, funktioniert.

    Dass Du diesen Zusammenhang zwischen Bildungsprotesten, kapitalistischem System, Polizeistaat nicht siehst, kann ich nachvollziehen. Du befindest Dich in großer (nicht guter) Gesellschaft.
    Du glaubst halt nach 12 oder 13 Jahren Schule und ein paar Semestern Studium den Traum von der humanen, sozialen Marktwirtschaft.
    Vielleicht hast Du als Jugendliche auch immer in den Sonntagsreden der PolitikerInnen gehört „Die Jugend ist die Zukunft dieses Landes“ – tja, nun geht die Jugend langsam, mit den Jahren des Studiums; naja, dann ist’s ja auch egal mit der Zukunft…
    Und vielleicht hat man Dir und Deinen Mitschülerinnen auf dem Gymnasium auch immer schön gesagt, Ihr seid die (zukünftige) Elite dieses Landes?!
    Nach Deinem Studium kann es dann sein, dass Du trotz toller, mit vielen Ellenbogen schwer erkämpfter, guter Noten kein Interesse auf dem „Markt der Möglichkeiten“ an Deinem Können erzielst…
    Dann droht schnell der Abstieg und vielleicht sagst Du Dir dann, dass Dir die Eliten auch egal werden.

    Und vielleicht erkennt ein(e) Hartz IV-EmpfängerIn mit viel größerer Deutlichkeit, dass es einen unübersehbaren Zusammenhang zwischen Bildungsprotesten, kapitalistischem System und Polizeistaat gibt…

    Der Tellerrand ist in für Dich erreichbarer Höhe, Du musst Dich nur trauen drüber zu schauen…
    Für das Nichtgucken bist Du allerdings auch verantwortlich.

    Grüße
    Georg

    1. Lieber Georg, ich sehe die Zusammenhänge durchaus. Und ja, ich träume den Traum einer sozialen Marktwirtschaft. Das soll nicht heißen, dass ich so verblendet bin, zu denken, wir lebten in einer solchen; ich meine damit viel eher, dass die wahrhaft soziale Marktwirtschaft das Ziel ist. Nicht aber der Sozialismus! Wenn du auch über deinen Tellerrand blicken kannst, dann weißt du ja, was so die schlechteren Seiten am Sozialismus sind. Soviel dazu, das wollte ich nur mal klarstellen!
      Abgesehen von dem Zusammenhängen zwischen Kapitalismus und dem Umbau der Uni zur Lernfabrik stellt sich doch die Frage, ob es immer so klug ist, gleich, sofort und immer und immer wieder die Systemfrage zu stellen.
      Es gibt nämlich 2 Möglichkeiten:
      1. 50 Leute sitzen in der Uni, diskutieren und saufen sich weltverbesserisch die Hucke voll, während die Unileitung sich eins ins Fäustchen lacht und die anderen Studenten kopfschüttelnd weitergehen, weil sie sich nicht instrumentalisieren lassen wollen von Leuten, die ihren „Wir müssen das System bekämpfen“-Traum träumen. Der Audimax wird geräumt. Nix is gewesen.
      2. Die Sache steht im Mittelpunkt. Nach Befragungen steht ein großer Teil der Studenten eigentlich hinter den Hauptforderungen der Besetzer. Diese Studenten schließen sich also an, der Unibetrieb wird ernsthaft gestört und Politiker MÜSSEN sich damit auseinandersetzen.
      Das ist die pragmatische Lösung: Ein Kompromiss sozusagen.Außerdem: Die Menschen, die politisch was bewegen können, nehmen einen auch ernster, wenn man ihnen nicht gleich ins Regal pisst und sagt: Dein ganzes System ist scheiße! Man könnte stückchenweise was bewegen, statt gleich wie ein wütendes Kind alles umzuschmeißen.
      BTW: Ich studiere Islamwissenschaften und nicht BWL oder so. Mein Markt der Möglichkeiten ist kein besonders großer und mir ist auch gerade nicht besonders elitär zumute.

      LG, V.

      1. Hallo vayonnaise,
        Du schreibst:
        „Wenn du auch über deinen Tellerrand blicken kannst, dann weißt du ja, was so die schlechteren Seiten am Sozialismus sind.“

        Ja, aber ich kann nicht über Deinen Tellerrand schauen, deshalb wäre es für mich erhellender, zu hören, was Du dort in Richtung Sozialismus an schlechten Seiten erblickst…
        Die schlechten Seiten des Kapitalismus haben wir ja jeden Tag vor Augen, resp. sie fliegen uns gerade um die Ohren ;-)

        Nun bin ich gespannt, was Du also mit den „Schlechten Seiten“ des Sozialismus meinst…
        Bitte fang nicht mit DDR oder UdSSR etc. an… wäre mir dann zu profan. Ich möchte Konkreteres von Dir wissen.

        Danke und Grüß
        Georg

    2. Moin Georg,
      so willst du also die Diskussion weiterführen!? Wie gut dass hier alle meine Vorurteile bestätigt werden…
      Aber gut, nichts leichter als das.
      Grund #1 Sozialismus hört sich soooo gut an. In der Praxis funktioniert er aber nicht. Das Problem ist, dass es immer einzelne geben wird, die sich bereichern wollen. Wer Sozialismus will, will immer auch einen „neuen Menschen“. Viel Erfolg bei der Suche nach einem geeigneteren Volk!
      #Planwirtschaft: Beschneidet die Rechte des einzelnen, wird von oben gelenkt, funktioniert nicht. Aber es hört sich wirklich gut an, nach den Bedürfnissen der Menschen zu produzieren und nicht zur Gewinnmaximierung.
      #Schonmal ein funktionierendes Beispiel gesehen, mit dem alle zufrieden sind?
      Beste Grüße, V.

      1. Hallo vayonnaise,
        was spricht gegen das Diskutieren? Warum wird das von Dir gleich in die Ecke gestellt, als wollte ich etwas Unlauteres?

        Ohne Diskussion kein Erkenntnisgewinn…

        Aber zu Deinen Anwürfen:
        ad 1) Woher willst Du wissen, dass Sozialismus in der Praxis NICHT funktioniert? Hast Du schon mal ein praktisches Beispiel des Sozialismus erlebt?
        Sozialismus als Staatskapitalismus, zumal in einer kapitalistischen Welt, wäre nicht umsetzbar. Sozialismus wird –für alle erträglich– nur global funktionieren.
        Das, was Du äußerst, ist THEORIE und kann nicht auf dem Scheitern einer Praxis fußen.

        ad 2) Ich verstehe nicht, warum a) Planwirtschaft die Rechte des Einzelnen beschneiden sollte? und b) warum nicht auch andere Wirtschaftsformen im Sozialismus denkbar wären, als nun gerade Planwirtschaft?!
        Die Marktwirtschaft beschneidet jedenfalls die Rechte ALLER Menschen, weil im Gedanken der Gewinnmaximierung eben auch das „Jeder gegen Jeden“ und die Zerstörung der Umwelt, Ausbeutung aller Ressourcen, Unterdrückung all jener, die nicht auf der Gewinnerseite stehen, verborgen ist!

        ad 3) Nein. Es gibt weder ein funktionierendes, noch ein gescheitertes Beispiel von Sozialismus! Nur weil einige ihre Systeme „sozialistisch“ nannten/nennen und einige Elemente des jeweiligen Systems aus sozialistischer Theorie entlehnt sind, sind sie noch lange nicht „Der Sozialismus“.
        Aber das ist ja den GegnerInnen des Sozialismus egal – Hauptsache das Feindbild stimmt und an der Profitmaximierung hindernde Menschen, Gedanken etc. können kriminalisiert oder diskriminiert werden.

        Insofern ist es natürlich leicht aus Deiner Position zu argumentieren, denn Du stehst auf der offenbar sicheren Seite. Das System pflichtet Dir bei, die Machtinteressen spielen Dir ins Wort… Da musst Du Dir keine weitergehenden Gedanken machen…

        Aber ich denke, die Systemkrise (sogen. Bankenkrise), der Klimawandel und andere Katastrophenszenarien fordern von uns allen ein Umdenken. Ein „Weiter so“ ist, wenn man etwas hinter die Kulissen schaut, nicht mehr vorstellbar.
        Wachstum mutet hier dann an, wie das gute Zureden an einen Lungenkrebspatienten, dass er doch bitte weiter rauchen solle, damit „das Wachstum“ wieder einsetze…

        Wachstum in diesem System, dem kapitalistischen, bedeutet weitere Ausbeutung der (endlichen) Ressourcen; heißt dass Gewinne über Menschenrechte gestellt werden (siehe Atomkraft, bei der die realen Gefahren hinlänglich bekannt sind, bei der aber die Milliardengewinne der Energiekonzerne weit über die Gesundheit und das GRUNDrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit gestellt wird). Willst Du das?

        Soziale Marktwirtschaft bemäntelt den Kapitalismus doch nur, die Schäden, die er hervorruft so weit zu mildern, dass es nicht zu starken Gegenbewegungen kommt.
        Die Maske des Sozialen ist dieser Marktwirtschaft seit dem Zusammenbruch der DDR komplett abhanden gekommen.
        Und: Das, was Helmut Kohl bei Amtsantritt 1982 mit „Geistig moralischer Wende“ meinte, ist ihm –chapeau– gelungen: Die möglichst weitgehende Vereinzelung. JedeR Hartz IV-EmpfängerIn glaubt selbst, an ihrem Schicksal „Schuld“ zu sein. Es gibt keine solidarischen Millieus, keinen Zusammenhalt derer, die weitgehend entrechtet leben müssen…

        Tolle kapitalistische Welt.

        Freue mich auf Deine Antwort
        Georg

  8. Nur mein kurzer Eindruck zum Bildungsstreik in Aachen, hier war es eigentlich gar nicht sehr gemäßigt, also absolut vernünftig und im Sinne so ziemlich aller Studierenden. Gut es gibt Studenten, die die Studiengebühren gut finden, daher bin ich der Meinung, dass der Hauptpunkt des Streiks die Studienbedingugen (überfüllte Seminar, Druck usw.) sein sollten, trotzdem war es hier gar nicht so, dass die Proteste durch die Forderung nach dem Weltkommunismus überlagert worden wäre. Ich war definitiv positiv überrascht. Entsprechend waren die meisten die ich kenne, abgesehen von dümmlichen Kommentaren etwa von den Liberalen, dem Streik sehr positiv gegenüber eingestellt.

  9. Ach Du liebe Neune, was eine Grundsatzdiskussion. Ich denke, dass das sehr sinnlos ist.Wenn jemand an den Sozialismus glaubt, dann glaubt er daran, da ändern Tatsachen auch sehr wenig dran, genauso umgekehrt was den Kapitalismus angeht.

    Aber zurück zum eigentlichen Thema, ich kann da nur beipflichten wie schade ich es finde, wenn zu einer Demonstration gegen schlechte Bildung und Studiengebühren aufgerufen wird und ich mir dann jedoch auf der Demo laut aus einem Megafon gerufen anhören muss „Nieder mit dem Kapitalismus“.Hallo? Ich dachte ich bin auf einer Demo gegen Studiengebühren und nicht auf einer Anti-Staat Demo, da ist es doch kein Wunder, wenn das nicht mehr ernst genommen wird. Genauso wie unsere lieben „Linksradikalen“ meinen das House of Finance zu besetzen und beschmieren und dabei propagieren, dass es ja nur um unser aller Wohl ist. Damit macht man sich doch wirklich nur lächerlich. Und genau das ist es was mich stört!!!!!!!!!!! ….

    1. Hallo? Habt Ihr den Schuss nicht gehört?!?!
      Wenn Ihr den Zusammenhang zwischen dem Bildungssystem und der kapitalistischen Verwertungslogik nicht begreifen könnt, dann sieht man, wie schlecht unser Bildungssystem ist!
      Und das ist Kalkül! Möglichst viele Fachidioten, die nicht mehr aus dem eigenen Quark gucken können oder welche, die sich lieber wegducken…

      Christina, mal Dir Deine Fingernägel weiter an… Und viel Spaß bei der spaßigen Minimalbildung…

      Georg

      1. Lieber Georg,

        ich finde, dass DIESE Diskussion nicht besonders sinnvoll ist(ich hab nichts gegen das Diskutieren an sich, wie du bestimmt erkannt hättest, wenn du richtig gelesen hättest.) Aber diese Schwarzweiß-Sicht geht mir ein bisschen auf den Senkel. Nur weil wir nicht den Staat abgrundtief scheiße finden, heißt das nicht, dass wir den ganzen Tag Unterschichtenfernsehen gucken und uns über unser schönes Leben im kapitalistischen Saus und Braus freuen und sonst nicht mehr viel mitkriegen.
        Ich habe die letzte Woche aktiv mitprotestiert. Ich war im Audimax, ich hab mir vorm akademischen Senat die Beine in den Bauch gestanden. 2 Leute konnten auf das Dach des Gebäudes klettern und schwups war da ne rote Fahne, auf der folgendes stand: Kein Gott, kein Staat, kein Hochschulrat! Ich bin nur für letzteres und ich finde es wirklich unnett, den andern Demonstranten so eine Meinung „aufzudrücken“.
        Zum Sozialismus: Es gab Zeiten, da lebten 1/3 der Menschheit in Staaten mit sich sozialistisch nennenden Regierungen und immer war’s kacke. Jetzt sagst du: Ja, die ham sich halt nur so genannt, der Idee des Sozialismus entspricht das nicht. Aber ich frage mich, ob überhaupt in der Realität jemals eine Regierung der Idee des Sozialismus entsprechen kann. Ich glaube, dass Sozialismus eine schön klingende Utopie ist. Wie gesagt, vielleicht mit einem andern Mensch, aus einem andern Volk in einem andern Universum.
        LG

  10. Liebe Studierenden, liebe Kommentatoren. Habt Ihr eigentlich was an der politischen Waffel? Liebe Vanessa. Danke für deinen ursprünglichen Beitrag, den ich zumindest nicht nur als Tatsachenbericht lese, sondern wie immer bei Dir als ein Stück Beobachtung, Wahrnehmung, Ironisierung des Alltäglichen bei ernstzunehmenden Formulierungen. Mag es nun das in der Regel junge Alter von Studenten sein oder einfach die Unwissenheit oder einfach die Stupidität, vor der auch sonstige Intelligenz nicht schützen kann. Ich möchte auch keine erneute Sozialismusdiskussion anfachen, aber doch einmal folgende Hinweise geben. Zu meiner Zeit als Studierender war es keineswegs anders. Weder in kleineren Städten noch an der FU in Berlin. Am Ende war es immer so, dass die Vorlesungen und Seminare ausgefallen sind und ich nicht einmal wusste, was genau nun eigentlich an der Uni so schlecht sein sollte. Auch ich hatte mich in mehreren Diskussionsforen der damaligen Auditorien eingefunden und außer kleiner Möchte-gern-Robespierres nichts feststellen können. Nun, keine Pauschalkritik meinerseits. Nur wüsste ich schon gern, welche schnöseligen Jungstudenten wirklich meinen, dass die Bildung und Ausbildung immer gleich vollkommen kostenlos zu sein hat. Nur weil es in der DDR kostenlose Krippenplätze gab? Zum Preis der Diktatur oder des auch nur ansatzweisen schön geredeten Sozialismus möchte ich keine kostenlose Bildung haben. Aber ich sehe ein, dass es gerade auch an Universitäten Reformbedarf gibt und dass vor allem der Bachelorstudiengang mehr als nur diskussionswürdig ist. Geht es Euch und damit meine ich diejenigen, die hier Vayonnaise so fragwürdig kritisieren, denn um eine gezielte Reform oder geht es Euch um eine Kapitalismusdiskussion und um die Infragestellung des Staates? Es ist geradezu beschämend und auch nicht ganz ungefährlich, wenn in polarisierender Weise sozialistische Parolen nachgeplappert werden, ohne dass Ihr auch nur einen Schimmer zu haben scheint, was das in der Verwirklichung heißen würde. Wer von Euch möchte wirklich enteignet werden, in der Planwirtschaft leben, als Arbeiter und Bauer geboren werden und sterben, wer möchte mehr oder minder in besserer Armut leben, weil es die Marktwirtschaft mit Euren Vorstellungen überhaupt bald nicht mehr gäbe. Die deutsche Geschichte hat schon zwei Diktaturen hinter sich. Und ich bin nicht bereit, diese selber zu erleben. Wer jedoch konkret eine Kritik an der Studienregelung hat, der möge sich doch bitte einfach formulieren und vor allem begründen! Man kann ja gegen Studiengebühren sein, man kann aber auch dagegen sein! Und es gibt gute Gründe sicherlich für beide Standpunkte. Doch hier müsste für Euch die Diskussion anfangen. Denn eins ist auch klar: So sehr ich Bildung für notwendig halte und sie durchaus die Basis für eine funktionierende Gesellschaft bildet, so sehr bin ich einer derjenigen, der mit seiner Arbeit auf dem freien Markt Steuern bezahlt und Umsätze macht, die dem freien Markt natürlich wieder zugute kommen. Es ist nicht einsichtig für mich, Steuergelder abzugeben, auch für die Bildung, wenn viele der Studierenden mit ihren roten Sozialismusfahnen gerade mich als Bürger eines demokratischen Staates in Frage stellen. Von wem wollt ihr denn das viele Geld demnächst haben, wenn nicht letztlich von Angestellten und Selbständigen? Und welche Bildung und Ausbildung funktioniert, wenn sie ausschließlich vom Staat subventioniert wird? Keine einzige. Studiengebühren setzen allerdings voraus, dass die Gebühren richtig angelegt werden. Davon allein bin ich selber nicht überzeugt. Das wäre mal eine Aufgabe für Euch Studenten, nämlich nachzuforschen, für was das Geld wirklich ausgegeben wird, als nur mit Eurem Hund im Audimax zu pennen!

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