Wer hats erfunden?

Genau. Die Schweizer.

Die Rede ist vom Minarettverbot, dem eine große Mehrheit der Schweizer zugestimmt hat. Ein Armutszeugnis, aber vielmehr noch ein Zeugnis der Angst. Es scheint, ganz Europa hat Angst vor der, wie es immer heißt, „schleichenden Islamisierung“ der Gesellschaft. Meiner Meinung ist dies ein pathologischer Zustand, der sich nicht nur an dem Teil der Bevölkerung manifestiert, dem auch gerne mal ein nett gemeintes „Auländer raus“ rausrutscht, sondern ein Sumpf aus Faktenverdrehung, Hysterie und dem ziemlich deutschen Angstbedürfnis, der sich leider bis in die gebildetesten Schichten hochzieht.

Da polemisiert ein Henryk M. Broder hin und ein Thilo Sarrazin her und die Achse des Gutgemeinten muss natürlich mit den gleichen Mitteln dagegenhalten. Was fehlt ist eine ernsthafte Diskussion, denn es scheint ja durchaus ein Problem, oder zumindest ein Missverständnis zu geben. Was fehlt sind auch die Stimmen der Muslime. Nun haben die Muslime kein Oberhaupt und es ist weltfremd zu behaupten, dass sich durch eine solche Institution, die Mehrheit der Muslime vertreten fühlen würde. Wenn man aber bedenkt, wie lautstark sich hier der Zentralrat der Juden in sämtliche jüdische und nichtjüdischen Belange einmischt, dass man sich des Öfteren mal wünscht, sie würden ihr Recht zu schweigen anerkennen, dann vermisst man doch die Stimme des Zentralrats der Muslime.

Ich unterstelle keinem Moslem, dass er Terror im Namen seiner Religion gut findet. Ich glaube, dass die Mehrheit der Muslime friedlich und mehr oder weniger integriert hier lebt. Aber wenn jemand im Namen meiner Religion, oder sonstetwas mit dem ich mich identifiziere, Gewalt ausüben würde, wäre ich sehr schnell auf der Straße und würde mich öffentlichkeitswirksam von diesen Leuten distanzieren. Woran liegt es nun, dass während der Zentralrat der Juden drei Monate lang Presse, Gesellschaft und Politik mit seinem Geschrei beschäftigen kann, aber der Zentralrat der Muslime in Europa nicht? Spricht er so leise, oder hören wir ihn nicht?  Wollen wir  vielleicht doch lieber Bilder von Terroristen, Ghettomuslimen und Rütlischulassis sehen. Ist es nicht viel aufregender ehemalige Kopftuchträgerinnen, die von dem Dämon des Islam geheilt sind und nun ihresgleichen verdammen, zu sehen. Und auch ich rege mich gerne über Burkafrauen auf. Ich denke immer, dass es ungefähr so respektlos ist mit einer Burka rumzulaufen, wie wenn ich im Bikini in Riad rumlaufen würde. Aber ich sehe nicht ein, wieso ich aufgrund von Einzelfällen die nunmal herausstechen, ganze Gruppen diskriminieren soll. Wer möchte ihn sehen, den Ali-Normal-Türken, der nicht allzu religiös ist, in einem mittelständischen Geschäft arbeitet und dessen Freundin, wie 70 Prozent aller  Musliminnen in Deutschland, KEIN Kopftuch trägt. Aber wir wollen die Illusion der „ständig nachwachsenden Kopftuchmädchen“ und auch unsere „gefühlte Empirie“ nicht aufgeben, wenn es um die Anzahl der Islamisten, feindliche eingestellten Burkaträgerinnen, Terrorbomber, Hauptschulmuslime geht. Feinde, Feinde, Feinde… in jeder Ecke. Aber ich sagte ja bereits, dass es pathologisch ist.

Es gibt Feinde, ja, das schon. Um zu verdeutlichen wie gerechtfertigt und objektiv wichtig für die Sache  Angst vor ihnen ist, muss ich zwei Zahlen nennen: Dieses Jahr sind in Deutschland laut einer Hochrechnung 4080 Leute einen Unfalltod gestorben. Gestorben durch Einwirkung von Terroristen in Deutschland sind bisher: 0,00. Aber Hauptsache irgendwer kann uns erzählen, dass wegen 0,00 zu Schaden gekommenen Deutschen, jetzt für viel Geld Nacktscanner, pardon Körperscanner,  angeschafft werden müssen. Die Nacktscanner-Verkäuferlobby war eben fleißig. Und am liebsten möchten sie alle unsere Daten haben, Daten,Daten ja Daten. Werden wir alle kleine Datensammler und verpfeifen unseren Nachbarn, wenn er was unkonformes tut oder ins Türkische Bad geht, um wohlmöglich zu konspirieren statt zu transpirieren.

Wenn man es sich recht überlegt, könnten die Leute, die uns erst Angst machen und dann unsere Angst ausnutzen um unsere Freiheiten und unseren offenen Lebensstil zu beschneiden um selbst an mehr Macht zu gelangen, auch von Terroristen bezahlt sein. Statt nämlich auf dieser Lebensart zu beharren und dazu zu stehen, dass wir eine offene Gesellschaft sind, in der – einfach weil wir es können – Moscheen gebaut werden dürfen, werden hier unsere eigenen Werte beschnitten- und zwar vom Staat und nicht von den Muslimen oder irgendeiner dystopischen Islamisierung. Wer Andersgläubigen verbietet Gotteshäuser zu bauen, weil diese es in ihrem Land verbieten, der ist nicht viel besser und über die Sozialisierung im Kindergarten auch nicht viel weiter hinausgekommen.

Ich weiß dass das für viele aufgeklärte Leute Allgemeinplätze sind, die ich hier belege, aber man kann es garnicht oft genug sagen:

Habt keine Angst! Es gibt keinen Grund!

Einen guten Artikel dazu gibt’s bei der Berliner Zeitung

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2 Gedanken zu “Wer hats erfunden?

  1. Schöner Artikel.
    Man kann deine Folgerung gegen Ende auch rumdrehen: vielleicht werden die Terroristen dafür bezahlt, Angst zu verbreiten, damit man neue Gesetze gegen Bürgerrechte begründen kann? ^^

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