16x Nazi in einem Text

Mein neues Lieblingswort ist Nazi, gerne auch im Plural. Ja ich weiß, das gibt es schon länger, aber die Kombination mit anderen Begriffen aus meiner Umwelt, ergibt immer genau das was ich sagen möchte und das ist wirklich ein Glück. Nicht jeder findet das Wort fürs Leben.

Richtig bewusst geworden, dass ich gerne Nazi sage ist es mir, als ich auf einer Antifa-Soli-Party war. Erst wurde mir am Eintritt zuviel Geld, das meine Mutter hart erarbeitet, abgenommen, dann grinste mich der Antifaschistische Tresenbesetzer mit Campino-Gedächtnisfrisur aus seinem verschwitzten Fleischgesicht alkoholschwanger an und sagte mir, dass er mir das Bier teuerer verkaufen muss, weil er nicht rausgeben kann. Und dann ist mir das Bier natürlich runtergefallen. Wenn man betrunken ist, wird man vergesslich. Der richtige Druck, den man auf eine Bierflasche ausüben muss um sie den Auswirkungen der Schwerkraft zu entziehen, wie war der nochmal.

Also nochmal die gleiche Geschichte mit dem Campino-Arsch.

Und da ist mir eingefallen, dass das alles richtig unsozial ist. Und selbstgerecht. Und so über alle Maßen empfindlich meine Arschgesichter-Toleranzschwelle überschreitet. Ich hab ihm dann natürlich das Zweite Bier über dem Schritt ausgekippt und ihm die Flasche in die Fresse gehauen. Die war ja dann leer. Außerdem hab ich das Antifa-Plakat angesteckt und gerufen: Ihr scheiß Antifa-Nazis! Meine Freunde und ich sind dann noch ein halbes Stündchen geblieben und dann brandschatzend und vergewaltigend durch die Schanze gezogen um die Gentrifizierung wenigstens für diesen kleinen Moment noch ein wenig aufzuhalten.
So oder so es war ein schöner Abend, auch wenn das alles garnicht stimmt und ich halt einfach auf dieser Party ständig Antifa-Nazis dachte und wahrscheinlich auch bei manchen Liedern mitsang. Antifa-Nazis, Antifa-Nazis, Antifa-Nazis…
Ich denke auch gerne „Flurnazis“. Das sind dann meine Mitbewohner im Studentenwohnheim, aber das ist dann eher freundschaftlich gemeint, weil ich ja auch ein Flurnazi bin, der sich stark zurückhalten muss, andere nicht wegen falscher Mülltrennung anzuscheißen. Falsche Mülltrennung, beim Spülen das Wasser laufen lassen und auch eine halbe Flasche Spülmittelkonzentrat pro Teller; das geht eben garnicht. Da werd ich halt zum Nazi.
Ja und so geht das jetzt immer weiter. Wenn irgendwer was tut, was ich nur mittelschwer in Ordnung (Übrigens: Heavy in Order) finde, dann ist er eben ein Zeitmanagement-Nazi, Gender-Nazis, oder Grammatik-Nazis und Nerdbrillen-Nazis aka Kunststudenten Berlin Mitte-Nazis, Auslandssemester-Nazis.
PS: Welcher Nazi hat in meinem kürzlich den Bücherhallen entliehen Kurzgeschichtenband von Woody Allen namens „Pure Anarchie“ Bleistiftnotizen gemacht? Ich habe schon ganze Nachmittage damit verbracht, mir den Kopf über den Sinn dieser Anstreichungen  zu  zerschlagen. Ich habe die Anfangsbuchstaben aufgeschrieben, versucht neue Sätze auf Deutsch, Englisch, Spanisch daraus zu konstruieren. Dann jeden ersten, zweiten und dritten Buchstaben auf sinnspendende Anzeichen für eventuell zugrundeliegende Semantik durchforstet.
Sachen die man halt tut, wenn man keine Religion oder anderen sinnstiftende Zeitvertreibe hat.
Vielleicht liegt aber der Schlüssel im Jiddischen…
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2 Gedanken zu “16x Nazi in einem Text

  1. Nein…. STOP!!!… als ich das Geschenk Judentum mit der Geburt annahm, verriet mir keiner die Nebenwirkungen. Ich mein, die ganzen NPD-Ortsvereinstreffen, zu denen ich niemals gehen darf, die Nase, die wie ein Anker aus meinem sonst so symetrischen Gesicht sticht, die unzähligen schlechten Judenwitze und das permanente Bedürfnis anderen mitzuteilen, dass es mehr israelische Schriftsteller als Emphraim Kishon (DER AUCH NOCH SATIRIKER IST) gibt.

    Dann gibt es diese lichten Momente, wie jedes Jahr zu Weihnachten. z.B. 2009, Chanuka war am 12. Dezember und Heiligabend ist man damit beschäftigt, diversen Frauen vom Starbucks aus beim Einkaufsstreß zuzuschauen. Anschließend trifft man sich mit anderen Juden und verbringt den Abend damit, sich politisch unkorrekte (NAZI-)Witze zuerzählen und das Christentum auszulachen.

    Wenn man dann aber am Montag aufwacht, liest was der Zentralrat mal wieder verzapft hat, dann weis man: Gläubiger Jude sein ist auch nur eine Strafe!!!

    Also lass das mit dem Jiddischen sein! Dann mach lieber was witziges! Nimm z.B. Photoshop zur Hand, gestalte ein Bild von dir und einem Alien und gründe eine Sekte mit fettem „Donor Now!“ Button auf der Website. Wenn mehr Geld rein kommt als du zum überleben brauchst, weißt du zwei Sachen:
    1. Finanzkrise? WO?!? Paypal sagt was anderes!
    2. Du solltest in die Politik gehen.

    Und wenn alles nicht hilft? Stick to the plan und zeug Nachwuchs zur tieferen Sinnbildung. So kannst du tiefgreifende moralische Diskussionen einer nachfolgenden Generation anvertrauen. Ich bin mir sicher Bushido wird auch noch in 16 Jahren durch pädagogisch korrekte Musik Jugendlichen bei der Bewältigung Ihrer Drogenprobleme und der Findung angemessener Bezeichnungen für das weibliche Geschlecht helfen.

    Cheers,
    Fab

  2. Ja, das war auch früher schon mal richtig populär, das mit dem Nazi-Nennen, damals in den 1970ern – da war eigentlich alles Nazi, was sich nicht in die richtige Richtung bewegte, also dahin, wo die Linken das Links der Zeit vermuteten, bzw. zumindest per eingeschworenem Festdaranglauben einordneten – auch wenn auf genaues Befragen dann meist kaum einer mit Details glänzen konnt. Aber der Fragesteller war dann halt auch immer Nazi, wenn es gerade passte. Oder eben bourgeois. Oder bourgeoiser Nazi, klang noch besser. Ließ sich dann eben auch noch prima kombinieren, wie auch heute. Flurnazi ist aber echt mal nett, viel besser als Imperialistisch-kapitalistisch-faschistischer Hygieneverweigerer…

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