Die erste Regel des Facebook-Clubs lautet: If it’s private, don’t put it on Facebook.

Von der Heulerei anderer über die Facebook-Privatsphäre bei gleichzeitigem Hochladen von Privatkram und meinen ungebändigten Drang peinlich zu sein, ohne dabei fotografiert, hochgeladen und markiert zu werden.

Ich saß demletzt in einer Mitfahrgelegenheit und unser Gespräch drehte sich um das heilige Facebook, die Mutter aller Klatschspalten und Stalkinggadget erster Güte. Die Fahrerin erzählte von einer Party, bei der alle wohl ziemlich ralle gewesen sind und auf der viele Fotos entstanden sind, auf denen man das ziemlich gut erkennen konnte. Also einfach bekloppte Bilder mit denen man sich aber nicht bewerben gehen würde, außer man möchte nicht so gerne einer Erwerbsarbeit nachkommen. Aus diesem Grund hatte sie die Bilder auch nicht bei Facebook hochgeladen, sondern sich die Mühe gemacht, alle Fotos auf eine CD zu brennen und zu verschicken. Also wie vor der Erfindung des Rades. Das Ende der Geschichte, war natürlich, dass sie alle Fotos auf Facebook wiederfand, inklusive der Markierungen ihrer Person.

Wir redeten darüber, dass man wirklich nur Dinge auf Facebook posten und hochladen sollte, die den Omatest (Würde meine Oma mich enterben, wenn sie das sähe?) oder den Cheftest bestehen würden. Soweit bin ich damit einverstanden. Aber, wie die Geschichte von oben zeigt, halten sich ja einige nicht daran und posten und markieren Fotos jeglicher Couleur, als gäbe es kein morgen. Sogar fremde auf der Straße werden fotografiert, wenn sie etwas Auffälliges machen. Der nackte Jörg, der in Frankfurt schon Kultstatus hat, weil er in seiner Sachsenhäusener Hood immer im Adamskostüm rumläuft, wird wie ein Tier im Zoo fotografiert, als hätte er mit seinen Kleidern auch seine Persönlichkeitsrechte abgelegt. CCTV kann einpacken gehen, wenn wir bald selbst unseren Überwachungsstaat spielen.

Die Fahrerin in meiner Mitfahrgelegenheit  kam also auf die Idee: Wenn wir nicht wollen, dass peinliche Fotos mit unserem Namen im Internet stehen, dürfen wir uns einfach nie mehr peinlich benehmen. 

Das hört sich natürlich logisch an, ist aber trotzdem total absurd: Willkommen in einer Welt, in der sich alle immer normgerecht und gleich verhalten. Willkommen in der absoluten Langweile. Das Internet hat uns in die Lage versetzt, jedes ungewöhnliche  Hobby und jedes Fetisch friedlich mit Gleichgesinnten zu teilen und jetzt nehmen wir uns das selbst wieder weg indem wir andere überwachen, fotografieren und uns zu Klarnamen im Internet zwingen lassen. Ganz große Scheiße.

Es gibt natürlich noch die Möglichkeit, von den Chefs zu verlangen, dass sie sich endlich mal locker machen und akzeptieren, dass der Mitarbeiter, den er schätzt, auch gerne mal besoffen auf dem Bordstein rumliegt, aber bis es soweit ist, könnte man auch einfach mal aufhören, jegliche Fotos bei Facebook zu posten. Leider ist es mit dem „Nur für Freunde freigeben“ nicht getan. Jeder, der die URL, also den Link zu dem Foto hat, kann das Foto sehen, es speichern und beliebig oft wieder verbreiten. Unter dieser URL ist das Foto zu sehen, auch nachdem der Poster es längst aus Facebook gelöscht hat. Die Fotos werden laut Nutzungsbedingungen Facebook zur freien Benutzung gestellt, denn man überträgt die Rechte.

Bitte, damit ich mich auch weiter peinlich benehmen kann: Verschickt Fotos per Mail, ladet sie in eine gute Cloud (Dienste wie Dropbox), auf Rapidshare und Konsorten hoch, damit die Leute sie betrachten können, die die Bilder auch was angehen (der Rest lästert eh nur darüber).  Und ausgedruckte oder entwickelte Fotos sind natürlich auch immer noch geil.

Tapete aus frei zugänglichen Facebook-Fotos

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