Memento

Heute ist der der 78. Geburtstag meiner Oma, den sie aber leider nicht mehr mit uns feiern kann. Sie ist 6 Tage nach ihrem 61. Geburtstag an Magenkrebs verstorben. Ich bin froh, dass ich sie noch kennen lernen durfte, leider nur 8 Jahre.

Als ich gerade 9 geworden war und es für die Erwachsenen um mich rum Gewissheit und für mich spürbar war, dass es dem Ende entgegen ging, schrieb ich in mein Tagebuch:

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Besonders das mit der „Schlafspritze“ musste ich in meinem 2. Klasse Grundschuldeutsch festhalten, denn das war für mich besonders abstrakt, obwohl ich es irgendwie auch verstehen konnte, so schlecht wie es ihr ging. Ich kann mich noch erinnern, dass ihr immer jemand mit so einer Zitronenflüssigkeit die Lippen anfeuchten musste.

Attila schreibt ja immer, dass für ihn vor allem der frühe Tod seines Vaters, der an den Folgen eines zu hohen Cholesterinspiegels verstarb, ein komplettes Umdenken verursachte. Attila war leidenschaftlicher Fastfood-Konsument und wog 35 Kilo mehr als heute und sein Vater war wohl auch immenser Fleischkonsument.

Jetzt sind zwar die gesundheitlichen Faktoren für mich nicht der allererste Grund sich des Fleischgenusses zu verweigern, sondern dieses vielzitierte: Mir tuuuun aber die Tiere soooo leid!!! (Oder die pseudowitzige Ausrede: Ich hasse Pflanzen so sehr, ich muss sie alle vernichten!!!)  Aber trotzdem kann ich sowas nur als weitere Bestärkung sehen, das Fleisch weg zu lassen, wenn ich sehe wie sehr das Krebsrisiko, gerade bei Magen- und Darmkrebs, mit dem Verzehr von Fleisch einhergeht, insbesondere von rotem Fleisch. Die Zahlen der seriösen Studien, die das belegen, gehen inzwischen ins Duzendfache. z.B. die EPIC-Studie.

Glücklich sind die Leute, die trotz Kettenrauchen 90 werden und trotz saisonal unabhängigem Dauergrillen keine schlimmen Krankheiten bekommen, weil sie keine genetische Disposition haben oder sonstwie geschützt sind, aber drauf ankommen lassen möchte ich es nicht.

Bei uns gab es früher fast zu jedem Essen Fleisch oder Wurst, ohne war unvorstellbar, und das Gemüse war halt eine Beilage, die eben auch sein musste, damit der Teller nicht so leer aussieht. Über DGE-Vorgaben wie 300gr. Fleisch pro Woche hätten wir uns ins Hemd geschissen vor Lachen.

Auch wenn ich damals nicht drauf geachtet habe, so wird sogar in Anekdoten über meine Oma berichtet, dass sie wirklich gerne Fleisch gegessen hat. So gerne, dass sie, als wenig Geld zur Verfügung stand, heimlich Pferdefleischbuletten gemacht hat. Als das Geheimnis gelüftet war, hat sich mein Opa schnurstracks auf dem Weg auf dem es reingekommen ist des Pferdefleisches entledigt.  Immerhin war sie eine erfinderische und lebensfrohe Frau, die Wilhelmine :)

Ich weiß ja nicht, was mit uns Vegetariern und Fleischliebhabern nach dem Tod passiert, aber ich kann mich nur meinem neunjährigen Ich anschließen. Nur heute in besserer Orthographie: Hoffentlich geht’s ihr gut.

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Geburtstagkerze :)

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