Weitermachen! Fertig werden!

Es war sehr anstrengend, über zwei Jahre nichts in diesen Blog zu schreiben. Ich musste mich jeden Tag zurückhalten. Allerdings ist Selbstbeherrschung eine begrenzte Ressource und der Verlust, den ich schon jetzt erleide, weil ich für die Jahre 2014 und 2015 nichts manifestes habe, von dem ich sagen kann, dass ich schon jetzt völlig anders darüber denke, ist so groß, dass ich es nicht mehr verantworten kann, den Blog nicht in seinem 7. Jahr weiterzuführen.

Meine zweite große Leidenschaft, nach dem Bloggen, ist das Hören von Podcast. Ich möchte deshalb meinen nächsten Blogbeitrag meinen Lieblingspodcasts und den kleinen Erleuchtungsmomenten, die sie mir beschert haben, widmen. Danke sagen mit VIELEN verschiedenen Buchstaben. Wie immer ist das nichts, worauf die Welt gewartet hat – aber es heißt ja auch nicht  ‘Handle stets so, dass die Maxime deines Bloggens jederzeit zugleich ein Maß für das, worauf die Welt wartet, sein könnte. ‘Das, worauf die Welt wartet’ zum Leitmotiv für das eigene Handeln zu machen ist schon deshalb doof, weil die Welt ja wahrscheinlich noch nicht mal selbst weiß, worauf sie wartet.
Wort der Woche: Analgesicht

Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern

Warum macht Franz das? Ist Franz auf der Flucht? Und wird das nicht trotz der Verwahrlosung des Taxis ziemlich teuer? Funktioniert das Taxameter überhaupt noch? Das frag ich mich schon seit ich neue Schriftarten auf meinem Windows System installiere. Also schon eine ganze Zeit. Ein Satz, der soviele Fragen aufwirft und damit die Fantasie so anregt ist schon fast eine Geschichte für sich. Ich möchte hier auf die  ->Microfiction verweisen.

Jetzt habe ich den Satz mal von der nicht semantischen Seite unter die Lupe genommen und  festgestellt, dass es sich um ein Pangramm handelt; also ein Satz, der alle 26 Buchstaben des Alphabets enthält. Awesome.

Fontview könnte auch genauso gut diese Sätze hier verwenden:Vogel Quax zwickt Johnys Pferd Bim. Das ist der kürzeste Satz, nur 29 Buchstaben. Auch mitten aus dem Leben: Prall vom Whisky flog Quax den Jet zu Bruch und für alle Wikipedia Relevanzdiskussions-Fanatiker: Xaver schreibt für Wikipedia zum Spaß quälend lang über Yoga, Soja und Öko. Der Sadist.

Quelle: Wikipedia, Artikel Pangramm

2-Zimmer Blog in freundlicher Umgebung

Ich hoffe, das Redesign meines Blogs gefällt. Ich habe schon lange nichts mehr geschrieben und jedes Mal entnervt weggeklickt, wenn ich mein Blog gesehen habe. Mir hat das alles einfach nicht mehr gefallen; alles war zu eng und zu dunkel. Und deswegen sind wir, mein Blog und ich, jetzt in die hellere größere Wohnung umgezogen. Jetzt ist auch Platz für inspirativen Nachwuchs.

Jetzt machen wir es uns erstmal bequem und hoffen auf eine inspirierte Zeit. Der Sessel hier sieht dafür perfekt aus.

Sondermüll

Bis 2012 soll die Glühbirne gänzlich vom Markt genommen werden. Die Energiesparlampe soll sie ersetzen.

Wie gerne hätten wir sie. Sie, die nur guten, nie schlechten, umweltfreundlichen, sozial verträglichen, politisch korrekten Sachen. Die mit dem  Du-muss-kein-schlechtes-Gewissen-haben-Siegel. Aber immer wenn wir meinen, wir hätten einen solchen Kasus gefunden und schon zu einem Freudensprung ansetzen wollen, schlägt uns irgendwer mit einem Knüppel die  Beine weg. Und da liegen wir dann auf dem Boden der Erkenntnis. So im Falle der Energiesparlampe.

Und irgendeiner, der dich vorher glühend dafür verachtet hat, dass du deinen Feierabend lieber in freundlichem Licht verbracht hast, statt in der gefühlten 0 Watt-Antarktis, klärt dich dann auf, dass es doch nur wieder einfach gute Lobbyarbeit war, die dich glaubend machte, du persönlich seiest der blaue Umweltengel.

Allein der Name hätte uns stutzig machen sollen. EnergieSparLampe klingt auch schon, wie in ner blöden Werbung á la MachtnichtFettSahne, und SchmecktgutAnalogkäse.

Da haben sich tatsächlich Leute gedacht, sie könnten uns eine Lampe verkaufen, worin im Sockel allerlei schwer-wiederverwertbarer Technikschrott hängt, ganz zu schweigen von dem Quecksilber, eines der umweltUNfreundlichsten Schwermetalle, das ganze in eine hässliche Röhre stecken und umweltfreundlich draufschreiben.  Und weil das ganze dann so teuer war, dass es niemand mehr kaufen mochte, haben die Damen und Herren Lobbyisten noch schnell ein Paar Politikern das Fähnlein nach ihrem Wind gepustet und schwupps, werden die Oldschool-Glühbirnen verboten. Das nennt man dem freien Markt ein Schnippchen geschlagen.

Vorglühen und Nachglühen

Na dann hätten wir ja zumindest noch einen Vorteil der ESL: Diese Wunderwerke der Technik sollen ja mindestens 2 Ewigkeiten halten – WENN, ja wenn man sie nicht überstrappaziert, also sie zu oft ein- und ausschaltet. Ja, was denken sich denn die Hersteller wo wir leben: In Bunkern mit Ganztagesbeleuchtung ?  Auf dem Klo müsste man dann 2 Minuten minimum warten, bis es erstmal ganz hell ist, müsste dann Mindestkackzeiten von 30min einführen und dann die nächste Stunde erstmal nicht auf Toilette gehen. Oder man richtet sich halt häuslich auf dem Klo ein.

Fazit: Falls Krieg ausbrechen sollte, oder bei chronischem Durchfall ist, für die an Umweltschutzthemen nicht interessierte aber dafür reiche Käuferschaft, die Energiesparlampe echt supi.

The roaring zeros

In anderen Blogs duftet es schon gewaltig nach Zimt und Plätzchen, während sich bei mir diesbezüglich noch nichts getan hat. Ich hab nochnichtmal weihnachtlich dekoriert oder ein Mistelzweig über dem Header aufgehangen.  Man ist ja diesertage auch viel zu beschäftigt mit sonderbaren Jahrenrückblicken, in denen der Dezember fehlt, und Jahrzentrückblicken, in denen das Jahr 2010 fehlt. Naja, irgendwas fehlt immer.

Jetzt sind sie vorbei die Nullerjahre! Und Jahrzehntrückblicke sind so toll, dass ich gerne auch mal rückblicken möchte: Also, die 80er Jahre hab ich in Windeln verbracht und war den ganzen Tag süß. Die 90er Jahre habe ich glaub ich König der Löwen guckend verbracht (Ich kann sogar die Swahili-Parts in den Songs mitsingen), trug ständig einen bunten König der Löwen- Sweater mit Nala unterm Sternenhimmel drauf  und färbte mir riesengroße breite blonde Streifen ins Haar, die nicht mit dem riesenhaften Ponny harmonierten. Außerdem versuchte ich anderen vorzugaukeln, dass ich die Backstreetboys mag. Dann lieber Hakuna Matata.

Tja und die 00er Jahre waren ein Jahrzent, dass ich wahrscheinlich hauptsächlich im Internet verbracht habe. Ich ging durch das tiefe Tal der Adoleszenz, verhedderte mich in einem dichten Netz esoterischer Vorstellungen und utopierte so lange an meiner Schullaufbahn rum bis sie den Bach runterging (Aber hat nicht jeder Mal das Gefühl gehabt, dass er hochbegabt ist und einfach nur unterfordert und zu sensibel, als dass das in gute Noten münden könnte? Nein? Hmmm…nagut.)

Wenn man am Ende von etwas steht, guckt man ja gerne mal auf den Anfang. So do I.  Also wie war das? Ich war 13. Von 13 bis 17  3/4 wünscht man sich ja nichts anderes als 18 zu sein. Und weil man es nicht wahr haben will, dass man doch noch im besten Harry Potter- Alter ist, denkt man natürlich, dass man der absolute Versager ist, wenn man mit 13 nicht Silvester auf einer wilden Party rockt. So did I.  Ich hab nämlich bei meiner Oma im  Dorf gefeiert ( Und später allen erzählt, dass da ne große Party war) Tatsächlich haben wir bis 22 Uhr 11er raus gespielt und dann das Silvesterprogramm im Fernsehen begähnt. Um 23:59 stand ich im Garten, in Schleichern von meiner Oma, orangekarrierter Aldi-Leggins und dem besagten Nala-Sweatshirt , den Kopf in den Sternen (zuviel Sekt) und war froh, dass ich auf dem Dorf war, weil ich immer dachte, dass falls zum „Millenium“ die Welt untergehen sollte, sie bestimmt in den Städten anfangen würde unterzugehen. Und auch für den Fall, dass sich alle Maschinen und Computer gegen uns richten sollten: Meine Oma hat nen Kohleofen und ein zugemauertes Plumsklo, das wir, meine Oma und ich, noch in dieser Nacht gemeinschaftlich einreißen würden, im Fall der Fälle. Ich stand also da in der Dunkelheit und hörte den Karl Moik Silvesterstadl Countdown, der aus der Küche nach draußen plärrte. Und Hossa, Fiesta Mexicana, wars 2000.  Noch nichtmal Karl Moik ist in die Luft gegangen und ich ging wieder rein, und versuchte meinen Vater, der schon den ganzen Abend schweigend auf der Couch in der hintersten Stube fernsah mit meiner Anwesenheit zu beglücken, was er als Aufforderung ansah, sich in die Küche zu bewegen um dort weiter fernzusehen, woraufhin ich ihm hinterherging und er abermals vor mir flüchtete. Silvester ist eben nicht das Fest der Liebe.

Und dieses Jahr wird geknallt und gebumst und wer nicht vor 23h hackedicht ist, ist ein kleines 13-Jähriges Mädchen.

PS: Ich habe gerade versucht, ein Foto von mir als 13 Jährige zu finden. Da aber die Digitalkamera erst 2003 in mein Leben trat und Fotopapier bei mir so selten ist wie Papyrusrollen, musste ich mich malen. Hier also ich:

(Ich trug meine Haare immer sehr zottelig, mit blödem Ponny)

Dem Hässlichen, Unwahren, Schlechten

Wieso Hässlich das neue Schön ist

Mein Lieblingsarzt, Dr. Eckart von Hirschhausen, stellt in seinem Bühnenprogramm fest: 98% der Menschen sehen angezogen besser aus. Und die restlichen 2%, die nackt besser aussehen als angezogen, ziehen den anderen 98% dafür ordentlich das Geld aus der Tasche. So wahr, so schön.

Das Problem ist aber nicht, dass die 98% angezogen besser aussehen und deshalb nackt kein Geld machen könnten, sondern, dass sie sich für ihre nackte Hässlichkeit schämen (ausgenommen sind hier die Engländer. Da überwiegt der Hang zum Ausziehen im Großteil der Bevölkerung).

Auf die These, dass Hässlichkeit sich durchaus auch zu Geld machen ließe, komme ich aufgrund der Suchanfragen in meinem Blog. Ich beobachte schon seit geraumer Zeit, dass sich ein Artikel  an die Spitze meiner persönlichen Blogcharts bewegt. Titel: Hässliche nackte Menschen. Die Besucherzahlen sind explodiert. Hier ein kleines Potpourri meiner liebsten Suchanfragen:

nackte menschen, hässliche nackte, hässliche nackte Mensche, extrem hässliche nackte nutten, ich bin nackt hässlich, textilfrei geschämt, hässlich schämen.

Erst mal möchte ich demjenigen der „ich bin nackt hässlich“ gegoogelt hat sagen: Wer ist das nicht!? und außerdem liegt die Hässlichkeit ja im Auge des Betrachters.

Ich finde, dass daraus ersichtlich wird, dass es enormen Bedarf an „hässlicher Ästhetik“ gibt. Wir wollen Hässliches sehen. Und deshalb gibt es auch die Modelagentur Ugly Models, deren Modelkartei mehr ein Gruselkabinett ist.  Hässlichkeit ist bahres Geld wert! Inzwischen hat das wohl auch die Modewelt erkannt und setzt auf den Heroine-Look. Praktisch für Mrs. Kate Moss – da kann sie ganz sie selbst bleiben.

Faszinierende Hässlichkeit

Das Problem mit der Schönheit ist, dass sie langweilig ist. Im Zeitalter von Photoshop ist die makellose Schönheit zur Normalität geworden. Oder zumindest zur Scheinnormalität. Wer schonmal seine Miteinkäufer bei Aldi an der Kasse auf Cosmopolitan Covergirl-Tauglichkeit überprüft hat, weiß wovon ich spreche. Obwohl ich da unlängst einen Mann mit toller Oberweite gesehen habe. Wenn er’s nicht auf das Cover der Cosmo gebracht hätte – in die Praline wäre er sicher gekommen, dieses Busenwunder. Ich bin normalerweise nicht so. Wirklich nicht. Aber ich musste ihm ständig auf die Titten glotzen… wie er sich bückte, um die Ware auf das Band zu legen und dabei die behaarten Erhebungen sanft hin und her wogten und die Nippel sich gegen den Stoff seines Flanellhemds spannten. War das ekelhaft. Ich war wie hypnotisiert von diesem großbrüstigen Streich, den die Natur diesem armen Mann gespielt hat. Ob ich jetzt dafür gezahlt hätte die Dinger mal nackt zu sehen ist eine andere Frage, aber bereits Freud stellte fest, dass es ein Paradox der Hässlichkeit gibt. Zwar ist Hässlichkeit nie „schön“, aber sie ist interessant und irgendwie anziehend. Denn die Schönheit hat nur ein Gesicht, die Hässlichkeit hat tausende. Die Franzosen haben dafür sogar einen Ausdruck „belle laideur“. Das bezeichnet wahrscheinlich genau das, was Frida Kahlo zu einer anziehenden Frau gemacht hat und Gerárd Depardieu zu einem Frauenschwarm.

Ugly Internet

Außerdem sind wir doch irgendwie umgeben von Hässlichkeit. Überall. Und hier ist die Hauptzentrale der Hässlichkeit. Willkommen im Internet. Hier gibt es Seiten, wie manboobs.com oder echt-hässlich.de und Daniel Kübelböck hat schließlich bestimmt auch eine Seite. Und das sind noch die „angenehmen Seiten“ des Hässlichen und Schlechten.

Man kann sich im Internet durchaus auch Leichenteile, abgesprengte Kinderköpfe und Menschen beim Kotessen ansehen, wenn man es denn möchte.  Unlängst erreichte mich ein Link zu einem Video auf dem eine Menschenverbrennung in Indien zu sehen war. Man kann sich kaum vorstellen, dass ein Mensch solche Dinge sehen möchte. Aber die Erhängung von Saddam Hussein, verbotenerweise schnell mit dem Handy gefilmt, durfte auf keinem Nachrichtenportal fehlen. Und alle haben draufgeklickt. Wir lieben es eben- das Hässliche, Unwahre, Schlechte.

Ein Herz für Proleten

Gediegenes Understatement, das finden wir leider nicht überall. Wie in der freien Wildbahn, geht es in Frankfurts Beachclubs  darum,  seine Gene erfolgreich an das Weibchen zu bringen.  Hierfür ein paar unverzichtbare Attribute:

  • Muckis! Geh in die Muckibude. Wie bemitleidenswert sind Geschöpfe, die in der Zeit, in der du deinen göttergleichen Körper stählst in ihr Hirn investieren. Das sieht doch niemand.
  • Stell den Solariumsbräuneregler immer auf Anschlag.  Sonst fällst du nicht auf unter den anderen künstlich Kackbraunen. Das hab ich jetzt grad selbst nicht verstanden…
  • Lass dir ein paar Tattoos machen. Am Besten eine geheime Botschaft auf Chinesisch, die du selber nicht verstehst, die aber das zu begattende Weibchen, das die Botschaft intuitiv versteht, in einen Pheromonrausch versetzt.
  • Um zu betonen, dass deine ganze Restintelligenz in deiner Ed-Hardy-Badehose steckt, könntest du dir deine Matte blond färben.  Sowas wirkt auf Frauen, wie der rote Popo auf Paviane, weil man das schon von der Ferne so gut sieht. Allein schon, weil das blond irgendwann Orange wird und sich gut von deiner kackbraunen Haut absetzt.

Am Wochenende bin ich leider einem ganzen Rudel dieser Art begegnet und musste mir die Frage gefallen lassen, ob ich mich denn nicht schäme, so rum zu laufen (der gemeine Vorstadtprolet kann leider nur begrenzt Dinge denken, deswegen muss er sie sofort aussprechen) . Woraufhin ich ihn fragte, ob ER sich nicht schäme so rumzulaufen. Ich wäre tatsächlich lieber ich, wenn ich er wäre.

Er hatte sich geärgert, weil ich ihn ausgelacht habe, als er es nicht geschafft hat, seinen Hamburger  drei Meter weit  zu seiner Freundin zu bringen ohne ihn komplett in den Sand zu setzen. Um vor seinem Weibchen wieder gut dazustehen musste er mich natürlich beleidigen. Das ist der Lauf der Natur.

Und schließlich wünschen wir den beiden noch eine große Nachkommenschaft, die sich den IQ eines Pantoffeltierchens teilen, und die Beachclubs unserer Städte bevölkern. Vielleicht könnte irgendwann jemand ein Vorhängeschloss davor machen und das ganze in Proletenheim umbenennen. Hier kann sich dann jeder einen Proleten ausleihen und mit ihm Gassi gehen. Proleten sind auch für Berufstätige als Haustiere geeignet, da sie sehr anspruchslos sind. Tagsüber kann man sie im Solarium schlafen lassen.

Dazu kann vielleicht nochmal Vollassi-Toni was sagen, der kommt nämlich aus Offenbach und hat damit Kernassi-Kompetenzen:

Unmistakeably German

Ein interessantes Beispiel für britischen Humor und den nichtexistenten deutschen liefert diese Autowerbung und die Diskussion dazu.

Claus,  blond und blauäugig,  wahrscheinlich auch flink wie die Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl,  fährt in einer deutschen Schneelandschaft nach Berlin.

Beworben wird der neue Citroen C5 mit dem Spruch: Unmistakeably German. Made in France.

Interessant ist, dass die Werbung überall in Europa gezeigt wird, nur in Deutschland nicht. Die Deutschen finden das nämlich nicht witzig.

Allein schon der Reichsadler, die Lederhosen, das blonde Flechtzopfmädchen die Verwendung von Wagners Walkyre aus der Nibelungen-Sage  und am schlimmsten: Das französische Auto, das als deutsches verkauft werden soll!

Das ist zuviel für die deutschen!

Die deutsche Werbung für dieses französische Auto ist wohl betont langweilig gehalten. Dafür funktioniert das virale Marketing der britischen Werbung ganz gut, schließlich wird in den Blogs heiß diskutiert.

Oversexed but underfucked?

In welchem Internet leben wir eigentlich?

Bei eBay noch schnell ne Stehlampe ersteigert und dann bei gesext.de noch schnell ne 20-jährige Halbkubanerin. Das wird bestimmt ein schöner Abend.

Tatsächlich hat jetzt eine Studentin ihre angebliche Jungfräulichkeit für 6.650 Euro in genanntem Frauen-Auktionshaus versteigert. Die meisten anderen Frauen gehen aber für so 200 Euro weg. Wie bei eBay gibt es auch den Button „sofort kaufen“ bzw  „sofort gesext“

Ich geh noch ne Runde kotzen ;)

Gut sein ist nicht leicht

Ich kümmere mich hauptsächlich um einen einzigen Menschen. Es ist nicht immer leicht, denn er will nicht immer das tun, was gut für ihn wäre. Ich verwöhne ihn wirklich sehr. Ich rede ihm ein, dass er sich nicht überarbeiten soll, dass er ruhig mal ein bisschen mehr essen darf. Ich mache ihm alles sehr leicht, denn wir stehen uns sehr nahe.  Der einzige Mensch um den ich mich in meinem Leben gekümmert habe, bin ich.

„Die ganze Welt dreht sich um mich, denn ich bin nur ein Egoist. Der Mensch der mir am nächsten ist, bin ich, ich bin ein Egoist.“ (Falco)

Sad, but true. Und da gibt es noch sogar noch andere Menschen, die sich ganz selbstlos um mich kümmern. Manchmal hab ich das Gefühl, meine Familie dreht sich ganz selbstverständlich wie ein Sonnenystem um mich. Ich bin die Prinzessin auf der Erbse und als Einzelkind lebe ich in einem Palast aus Weichgummi.

Ich will jetzt mal was tun, was nützlich für andere ist. Aber wie? Heute habe ich mit dem Blutspenden angefangen. Ich wurde untersucht und habe erfahren, dass meine Eisenwerte super sind. Sicherlich hätte ich diese exorbitant perfekten Eisenwerte gerne mit Bedürftigen auf den Krankenstationen dieser Stadt geteilt, doch es musste anders kommen. Eine Venenklappe klapperte mir in mein Vorhaben. Die 60ml Blut (es hätten 500ml sein müssen) wollten einfach nicht aus ihrer vertrauten Blutbahn gekrochen kommen.  Gut sein ist schwer.

Ein Ehrenamt, das wärs! Sowas, wie damals im Katzenheim. Ich habe dort in der 10. Klasse ein Praktikum gemacht, weil ich den armen Katzen und den heroischen Gutmenschen im Katzenschutzverein bei ihrem Versuch beistehen wollte, das Gute in die Welt zu bringen. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es, stand auf einer Holztafel im Büro, das eher ein ärmlicher Schuppen war. Oder war das  „Man muss das Gute tun, damit es in der Welt ist?“ Auf jeden Fall eine Menge altruistische Selbstbeweihräucherung (mir ist die Paradoxie dieses Ausdrucks bewusst.)

Hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass „gut sein“ echte Arbeit ist. Und dass man ausgenutzt wird, wenn man zu gut ist. Eine Mitarbeiterin wurde krank und statt ihr an die Seite gestellt zu werden und langsam herangeführt zu werden, habe ich die ganze Arbeit dieser Mitarbeiterin gemacht, während meine Mitschüler sich Medienfuzziwitze anhörten und gelangweilt auf einem Bürostuhl kippelten.

Frau Maucolin, die Chefin, hatte einen Chefhund, der mindestens genauso giftig war, wie sie und der einem ständig in die Beine lief. Alles in allem nicht so erfreulich. You live, you learn: Sei nicht zu gut, sonst sind andere schlecht zu dir! Und der Hund beißt dich!

Auch andere Versuche mich nützlich zu machen, allerdings entgeltlich, scheiterten. Der Job in der Fahrschule hat mir alles in allem Spaß gemacht, wenn der Chef mir nicht an die Wäsche gegangen wäre.

Dann habe ich bei TDS Calls gearbeitet, einem der größten Outbound Callcenter. Hier sollte ich arglosen Menschen SKL-Lose aufschwatzen und ihnen erklären, dass sie an einem Gewinnspiel teilgenommen hätten, welches nie existierte.  Für diesen Job war ich eindeutig zu gut. Ich hab mir diesen Mist selbst nicht geglaubt und hab stattdessen mit alten Leuten ein Telefonpläuschen eingelegt. Die haben ja so oft den lieben langen Tag niemanden zu reden und dann ruft mal einer an und der will ihnen dann auch noch Schlechtes, weil sich das für SKL lohnt und für die Wirtschaft und auch sonst.   Ich war wirklich sehr erfolgreich: Viele Rentner wollten mit mir essen gehen oder waren einen Schritt davor, mich als Enkelkind zu adoptieren, aber das SKL Los haben sie nicht gekauft. Zu ihrem Glück.

Seitdem habe ich nichts allgemein nützliches mehr getan, außer  bei einem Kinderfest geholfen (der schlimmste Muskellater meines Lebens) und die Nacht der Oberstufenparty schweißnass und völlig außer Atem in der Gaderobe verbracht, weil die anderen Eingeteilten sturzbetrunken in der Ecke lagen.

Ich frage mich also, gibt es eine Arbeit, etwas Nützliches oder Gutes, was ich tun könnte, ohne ausgenutzt, begrabscht, zum Betrug ermuntert, überfordert oder versklavt zu werden?

Einfacher wäre es wohl, bei meinem alten Credo (frei aus der Bibel) zu bleiben: Der Mensch muss lernen sich zu lieben, dann können ihn die andern gerne haben. Aber das wäre zu leicht und das Gute ist nicht leicht, das haben wir ja nun gelernt.