Lieblingspodcasts

 

Reißerisch formuliert: Was sind das für Menschen, die Aufnahmen ihrer eigenen Stimme (Kreisch!) hören können, ohne schnell alles zu löschen, den Laptop ins Spülwasser zu schmeißen und das Haus abzubrennen, einfach um sicher zu gehen, dass die Beweise vernichtet sind?

Podcaster können das. Die müssen das ganze Geschwurbel schneiden und das was davon übrig bleibt stellen sie dann einer wachsenden, aber dennoch eher kleinen Community zum Rezipieren zur Verfügung. Diese Community zahlt weder indirekt durch Werbung, noch gibt es einen Podcast-Beitrag. Einzig das Feedback und Kleinstspenden sind der Lohn des Podcasters. Das muss bedeuten,  dass Podcaster irgendwie nette Menschen sind. Mit einer schönen Portion Sendungsbewusstsein.

Aber ohne Sendungsbewusstsein keine Sendung und ohne Sendung…naja, ohne Sendung hätte ich kein nächtliches Telekolleg auf meiner Podcatcher App und keinen Grund, das Licht schon auszumachen, bevor ich müde bin, um den Stimmen zu lauschen.

Zu Zeit höre ich diese Podcasts (alphabetisch):

Alternativlos <3

Felix von Leitner, alias Fefe, Betreiber der Nerd-Bildzeitung Fefes Blog und IT Security Experte und Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Clubs, berlinern sich ohne Aluhut durch Verschwörungstheorien und aktuelle oder historische Meldungen, die im Mainstream wenig Gehör finden, weil sie “nicht ins Narrativ” passen. Ich bin mir sicher, die beiden machen den Podcast, damit sie später ganz oft “Wir haben es euch ja gesagt” sagen können. Lieblingsfolge: ALT023 Verschwörungstheorien – Über Verschwörungstheorien, die sich später als wahr herausgestellt haben.

Black Sweet Stories

Alexa Waschkau, auf deren zart-intelligent anmutende Vorlesestimme ich ziemlich neidisch bin, hat Europäische Ethnologie studiert, unternimmt “Wahrnehmungsspaziergänge” aber nur auf literarische, vorlesende Art. Für mich, die ich den angeblich süßen Alien E.T. schon sehr gruselig finde, eignet sich der Podcast weniger zum vorm Einschlafen hören. Harmloseres wie den Sandmann von E.T.A. Hoffmann geht klar, aber der Sado-Maso-Kracher “Justine” von Marquis de Sade hat mich schon ziemlich fertig gemacht. Ansonsten findet man düstere Märchen, Edgar Allan Poe, Venus im Pelz und auch aktuelle Autoren.

CRE: Technik, Kultur, Gesellschaft <3

Chaos Radio Express ist ein Interview-Podcast, der sich nicht nur mit Hacker-Themen aus dem Umfeld des CCC sondern auch mit gesellschaftlichen Themen befasst. Der Host Tim Pritlove ist, soweit ich es durchblicke, der Grandmaster Flash unter den Podcastern. Ehrlich gesagt keine Ahnung, was der sonst noch so macht, außer viel podcasten. Man möchte ihn “vielseitig interessiert” nennen, aber wenn ich mich selbst vielseitig interessiert nenne, dann meine ich, dass ich schon zu ein paar Blüten geflogen bin; bei Tim Pritlove hingegen ist es so, dass er einen tiefen Schluck Nektar nimmt und dann ein Buch über diese und jene Pflanze verfasst. Seine universelle Neugier und das hackertypische Bedürfnis das ganze System hinter den Dingen zu verstehen machen ihn zu einem tollen Interviewer. Mit seinen Gästen vom Fach bespricht er jeweils 2-3 Stunden lang Themen wie IPv6, Pornographie und Poststrukturalismus. Lieblingsfolgen: CRE196 Feminismus mit der tollen Katrin Rönicke, CRE198 Pornographie, CRE210 Die Jagd. Alle sehr unterhaltsam und manchmal geht einem ein Licht oder Kronenleuchter auf.

Das geheime Kabinett

Der Buddler, scheinbar ein Archäologe, hat kleine skurrile Randnotizen der Geschichte vorbereitet, die er in 10-15 min langen Folgen dem geheimen Kabinett entlockt. Gelernt habe ich bereits, dass man als historisch berühmter Mann immer gut auf seine Genitalien aufpassen muss, sonst gehen sie im Einmachglas getrennt von einem auf Weltreise und tauchen erst Jahre und Jahrhunderte später im Besitz russischer Exilantinnen wieder auf.

Das war der Tag ( komplette Sendung)

Eigentlich ein Radiofietschör vom DLF, das nach Mitternacht als Podcast bereit steht. 45min lang das Wichtigste vom Tag. Höre ich immer, wenn ich das Gefühl habe, mal wieder alles verpasst zu haben – leider schlafe ich zu gut dabei ein.

Der Benecke

Ebenfalls ein Radiobeitrag von Radioeins vom rbb. Kakerlaken als Kuscheltier-Besitzer Benecke ist ein Kriminalbiologe mit weitem medialen Verbreitungsradius, der im Komitee für skurrile wissenschaftliche Forschung sitzt und als solcher in ca 15 min Beiträgen über ebensolche berichtet. Man erfährt z.B. wie wahrscheinlich es ist, dass Hauskatzen uns töten würden, wenn sie könnten.

Der lila Podcast

Auf Katrin Rönicke bin ich aufgrund des CRE Podcasts zum Thema Feminismus gestoßen. Katrin Rönicke bespricht in plusminus einer Stunde mit ihren Podcast-Kumpelinnen feministische Themen, mal politisch, mal gesellschaftlich, mal wissenschaftlich, aber meistens persönlich. Für mich ist sie die angenehme, kuschelige und menschenfreundliche Stimme der sogenannten 3. Welle des Feminismus.

Einschlafen Podcast

Tobi Baier ist der Vorlese-Papi, den man nie hatte. Mit ruhiger, unaufgeregter Stimme erzählt er etwa eine Stunde lang aus seinem Leben in einem Einfamilienhaus in einem Kaff bei Hamburg, wo er mit seiner Ehefrau und zwei Töchtern lebt. Er ist Bassist in einer nicht größer bekannten Band, liebt den FC St.Pauli, arbeitet bei Adobe und startet mal dieses und jenes Projekt. Es ist alles so schön normal. Ich weiß nicht, ob schon probiert wurde Afghanistanheimkehrer mit posttraumatischer Belastungsstörung mittels Einschlafen- Podcast zu therapieren… Meistens gibt es nachdem der Erzählteil beendet wurde noch ein auf mich immer sehr konfus wirkendes Rilke Gedicht und dann wird kurz vorgelesen: Nils Holgerson, der kleine Prinz, Kafka… bei Kant bin ich sofort in Wolkenkuckucksheim.

Glaubenssache

Alexander Waschkau, der Ehemann der oben erwähnten Alexa, bespricht als strenggläubiger Atheist in diesem Podcast die Fragen des Glaubens mit Eduard Habsburg, der kürzlich Botschafter beim Heiligen Stuhl in Rom wurde und ein Katholik wie aus dem Bilderbuch ist – sechs Kinder! Die beiden behandeln sich sehr flauschig; das könnte man noch etwas spannender machen, aber dann würde wohl der Podcast nicht funktionieren.

Hoaxilla- Der skeptische Podcast aus Hamburg

Hoaxilla (Hoax = engl. für Schwindel/Falschmeldung) ist einer der beliebtesten Podcasts und debunkt moderne Mythen, urbane Legenden und Aberglaube. Manchmal sind die Geschichten allerdings zu gruselig für mein Gemüt und ich habe Angst vor Kindern mit schwarzen Augen und japanischen Geistern. Die Macher von Hoaxilla sind Alexa und Alexander Waschkau, die beide zur Skeptikerbewegung gehören und inzwischen sogar in der Partei DIE P.A.R.T.E.I. organisiert sind. Das ist sehr löblich!

In trockenen Büchern

Alexandra Tobor, Autorin, große Frau, polnische Aussiedlerin, Twitterfame ist nicht gerne unter Menschen, aber sie mag sie. Die Gesellschaft von Büchern, die sagen wir mal nicht jedem zugänglich sind, schätzt sie hingegen sehr. Ihre kurzen Buchvorstellungen sind gewissenhaft vorbereitet und haben stets einen persönlichen Aspekt. Meistens geht es um geisteswissenschaftliche Gesellschaftsbetrachtungen.

Jürgen Domian

Jeder kennt die alte Laberbacke ausm WDR. Im Podcatcher gibt’s prähistorische Folgen. Toll.

Psychotalk

Drei studierte Psychologen, namentlich Alexander Waschkau, Dr. Sebastian Bartoschek und Sven Rudloff, schwafeln über psychologische Themen und das oft über DREI Stunden! Es werden psychologische Konzepte erklärt und Studien erwähnt aber Abschweifen ist so das eigentliche Ding der drei. Manchmal ist das unterhaltsam, manchmal nicht. Aber bei so langen Laberpodcasts kann man super einschlafen und man hat am nächsten Tag noch was davon.

Sanft und Sorgfältig <3

Die Radioshow von Jan Böhmermann und Olli Schulz. Hier kann man live dabei sein, wie meine Meinung zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest entsteht, die ich nämlich größtenteils ungeprüft von den beiden übernehme.

Soziopod <3

“Man kann ihn nicht immer nebenbei hören! Nene, man muss mitdenken!” Der ultimative Verdienst der beiden Podcaster ist für mich, dass ich endlich verstanden habe, was die Frankfurter Schule ist. Immer wenn ich irgendwas darüber las versickerte es sofort wieder, weil ich die gesellschaftliche Bedeutung nicht zuordnen konnte. Wie wenn man einmal im Jahr irgendwo hinfährt und jedes verdammte Mal nicht weiß, ob es an der Kreuzung rechts oder links geht, trotz aller Einprägeversuche und Eselsbrücken. Patrick Breitenbach ist ein breit aufgestellter Internetheini und Dr. Nils Köbel ist eher so ein analoger Typ, der in Frankfurt Soziologie studiert hat und jetzt in Mainz über Erziehungswissenschaften doziert. Wegen des subtilen hessischen Akzents musst ich ihn natürlich sofort ins Herz schließen. Es wird ganz wenig monologisiert, stattdessen findet ein Gespräch der beiden statt z.B. über Medien, Herrschaft, Arbeit, Bildung und auch ein paar besonders aktuelle Themen. Marx kommt nicht angestaubt daher, geht es um Bordieu und den Fluch der sozialen Ungleichheit, wird Shopping Queen als Beispiel herangezogen. Dafür gab’s entgegen der Annahme, dass keiner Podcasts hört, 2013 einen Grimme Online Award. So verdient!

Staatsbürgerkunde <3

DDR in den Mainstream-Medien geht ja eher so:  Jemand kommt gerade nackt vom Strand (FKK) und möchte noch schnell etwas im Konsum Markt einkaufen, am liebsten Bananen, aber das geht nicht, denn er weiß nicht, was eine Banane ist. Überhaupt sind die Regale leer, die Kamera schwenkt und wir finden uns in einem in grün und braun gehaltenen Verhörzimmer, wo der Stasimann die Einkaufenden danach beurteilt, ob sie so aussehen, als wollten sie bald “rüber” machen. Wie es wirklich war erfahren neugierige Wessis und von der BRD geschluckte Ossis bei Familie Fischer aus Weida in Thüringen. Martin Fischer interviewt zu diesem Zwecke seine Eltern, Christine und Lutz, beide sehr herzlich und schlau. Man erfährt auch mal was über Computer in der DDR oder wie Weihnachten bei Familie Fischer so war und alles was man halt sonst nie mitbekäme.

Stadtdschungel

Meine neueste Podcast-Entdeckung, in dem Andreas Kieling über sein Leben als Tierfilmer und was man beim Tierfilmen so erlebt, erzählt.

Troja Alert <3

Im echten Leben beschäftigt sich Stefan Thesing als Pädagoge u.a. mit barrierefreier, leichter Sprache für geistig Eingeschränkte und scheinbar kriegt er davon nicht genug: So schön hat noch nie jemand schwer zugängliche Literatur mit verschwurbelter Quellenlage auf mein Niveau heruntergebrochen. 

Nibelungensage war für mich irgendwas mit Leuten die Hackberth und Isegrunz heißen und gegen Drachen kämpfen. Dank Troja Alert weiß ich jetzt, dass Siegfried ein kräftiges Dummerchen war und auf starke Frauen stand. Stefan Thesing erzählt mit seiner unglaublich sympathischen Stimme in einer saloppen Art von Schöpfungsmythen und anderen wilden Stories der Germanen, der Hebräer, der Griechen, von Zeus, der ständig nur ficken will, und zwar alles und jeden, und von Athene, Apoll, Dionysus, Prometheus und wie sie alle heißen. Nachdem ich nun die Verstrickungen der Götter untereinander kenne ist klar: RTL2 ist dagegen ein Scheißdreck. Frauentausch im Griechenland der Mykene hieß ‘ohne zurückgeben’.

Wostkinder

Leider scheint die FAZ die Serie mit Katrin Rönicke als Interviewerin eingestellt zu haben. Hier kam vor allem die dritte und letzte Generation Ost zu Wort und es wurde geredet über Jugend in der späten DDR und wie es war, dann im Westen zu sein. Ich würde mir wünschen, dass diese Serie weiterginge.

 

Ok, ich sehe gerade ich höre viele Podcasts und ich liebe sie alle; die mit dem kleiner Drei liebe ich im Quadrat. Was mir noch fehlt zu meinem Glück ist ein Podcast über Bonobos oder Menschenaffen im Allgemeinen. Auch einen Podcast von einem Taxifahrer fände ich interessant. Leider fehlt mir der Spaß am Autofahren, sonst würde ich selbst ein podcastender Bonobo-Taxifahrer werden. Naja.

Advertisements

Ich möchte essen lernen

Die Stimme in meinem Kopf sagt mir: Vanessa, schreib etwas in dieses Internet! Schreib über den kulturellen Wert von Essen, schreib eine Kritik der reinen Nahrungsaufnahme, die Kant, den ollen Schnösel alt aussehen lässt! Ich weiß zwar nicht, wer das lesen will, ich will es aber schreiben. Deswegen: Viel Spaß und Bon Appétit!

Ich habe irgendwann mal so vor mich hin gesagt: Essen ist die einzige tägliche Wellness, die wir haben. Ich hatte nicht so richtig über den Satz nachgedacht und er hörte sich auch reichlich verbittert an wie „Nach dem Krieg hatten wir ja nix als Kaffee aus Wollmäusen“ wenn man nicht den Gedankengang dahinter kannte, der sich mir kurz und verschwommen auftat. Danach dachte ich nochmal über den Satz nach und wie ich ihn meinte und das war wohl etwa so: Ich lese ständig in Artikeln über positive Psychologie, dass Menschen, die ihr Geld in eine Erfahrung, also einen Kinobesuch oder eine Reise anlegen, glücklicher sind, als Menschen, die sich davon Gegenstände kaufen. Denn: Eine Erfahrung ist ein tiefes sinnliches Erlebnis das uns neue neuronale Verbindungen beschert und man kann daran zehren. Selbst eine schlechte Erfahrung bereichert, füllt das Leben mit Inhalt, während man sich ziemlich viele Sachen kaufen kann, ohne dann beim Besitzen der Sache irgendetwas zu spüren. Was, wenn man das Essen als Erfahrung sieht? Es ist ziemlich einleuchtend, dass Nahrung und Erfahrung/Kognition aus dem gleichen Schoße entsprungen sind; die Sprache erzählt hier Bände: Wir müssen die Geschehnisse erst einmal verdauen, wir hungern nach Erfahrung, brauchen geistige Nahrung wir verschlingen ein Buch und sind informationsdurstig.

Um eine tägliche Erfahrung reicher ist der, der die Nahrungsaufnahme nicht als profanen Vorgang des Magenbefüllens sieht, so wie Müll raustellen oder so, sondern dem ganzen Ritual und dem Essen selbst wieder einen Wert gibt, also derjenige der achtsam ist. Und das meinte ich wahrscheinlich mit Wellness. Dabei denke ich aber nicht an ein Kurhotel in der Schweiz und Fangopackungen, sondern die Art zu leben, die einen zufrieden macht. Man verwechselt aber leider Wellness oft mit dem Wort aus der Werbung, das einem suggeriert, dass gleich einer kommt und dir den Rücken massiert.

In Deutschland haben wir traditionell Probleme damit, einen Vorgang, den man ebenso gut pragmatisch sehen kann, mit  Muse und Kunst in Verbindung zu bringen, dabei heißt es doch Kochkunst und nicht Kochtechnik. Und da Klischees im Kern meist wahr sind: In Frankreich sieht man den verbeulten Kleinwagen vorm Delikatessengeschäft und hier den Mercedes vorm Aldi. Bin das nur ich, oder sieht da sonst noch wer ganz andere Werte und Prioritäten?

Wenn es eine Schule für Essen und Genießen gäbe, ich würde sie sofort besuchen! Ich habe nämlich das Gefühl, dass ziemlich gut in diese Kategorie passe, die Jean Anthelme Brillat-Savarin (Diese Franzosen können nicht einfach Klaus Schubert  heißen) 1826 in seiner Physiologie des Geschmacks  beschreibt:

Fresser und Säufer verstehen nichts vom Essen und Trinken.

Aber wie soll ich etwas von Essen und Trinken verstehen, wenn ich noch nicht einmal weiß, woher die Kartoffel kommt, die ich gerade esse. Wenn ich keine zwei Sätze darüber sagen kann, wenn ich vielleicht noch nicht einmal weiß, ob Ananas an Bäumen hängt oder auf dem Boden wächst. Wie soll ich ein Huhn und sein Leben wertschätzen, wenn ich es nur in Folie eingepackt und tiefgekühlt kenne? Genannter Gastrosoph sagt hierzu:  „Ein echter Feinschmecker, der ein Rebhuhn verspeist hat, kann sagen, auf welchem Bein es zu schlafen pflegte“ Welchen Wert hat eigentlich ein Mittel zum Leben/Lebensmittel, wenn man es für 99 ct beim Discounter kaufen kann und man über das Essen nur den günstigen Preis weiß, aber nicht, wer von dem wenigen Geld leben muss.

Das sind zwar ziemliche First-World-Problems, aber doch immer noch Problems; die Probleme einer industriellen Gesellschaft, deren Konsumenten vom Produkt völlig entfremdet sind. Was fremd ist, ist nicht so viel wert.

Ich denke, dass sowas inzwischen immer öfter zu solchen Problemen wie meinen führt: Oft weiß ich leider nicht, wo der Genuss (falls er überhaupt da war) aufhört und wo die Völlerei und die Sucht beginnt. Die Sucht ist bei mir eine Suche nach einer sinnlichen Erfahrung, die ich mir aber in dem Moment selbst mit meiner Gier und dem An-der-Zunge-Vorrbeischleußen,verweigere. Das ist ungefähr so wie Sexsucht: Man knattert eine/n nach der anderen, aber befriedigt ist man nicht.  Mein Projekt ist es deshalb, das Essen zu lernen.  Mithilfe von guten Lebensmitteln, die ich achte, über die ich etwas weiß oder die mich neugierig (statt nur gierig) machen.

Achtsam essen

Auf die Idee gekommen bin ich durch das Blog Achtsam essen *klick*, auf das ich gerade wieder geschaut habe und welch Überraschung: Da drüben machen sie auch die Vegan for fit Challenge. Beim Achtsamen essen geht es wie bei Achtsamkeitsmeditationen aus dem Zen-Buddhismus darum, im Hier und Jetzt zu sein, den Moment zu achten. Und das ist verdammt klug;  in der Psychologie nennt man ein solches Erleben Flow, das bedeutet, sich vollkommen in eine Tätigkeit vertiefen in dem perfekten Moment zwischen Überforderung und Unterforderung. Das ist z.B. der Programmierer, der im Hack Mode, also unter Ausschaltung aller anderer störender Gedanken, an seinem Code rumbastelt, das ist guter Sex, das ist ein Kind beim Spielen, oder jemand der stundenlang  Playstation zockt und die Zeit vergisst und das bin ich, wie ich diesen Blogbeitrag bastel. Völlig im Moment, in der Tätigkeit aufgehen ist ein selbsterzeugtes Glücksgefühl, weil wir dabei unsere Sorgen vergessen. Das Gehirn ist einfach nicht in der Lage sich gleichzeitig auf eine fordernde sinnliche Aktivität und auf Sorgen und Gedanken, die nicht den Moment betreffen, zu konzentrieren.  Je öfter wir diesen Flowzustand erfahren, desto besser. Dazu sag ich nur: Thoughts are like monkeys, you have to get rid of them.

Beim Achtsamen essen geht es aber auch darum, das Essen und nicht nur den Vorgang zu achten. Auf dem Blog wird Dorris Dörie zittiert, die den Film How to cook your life gemacht hat, den ich unbedingt mal sehen möchte: “Man muss nicht nur lernen, was Nahrungsmittel beinhalten, wir müssen auch wieder lernen, einen Respekt für die Lebensmittel und für uns selbst zu haben. … wie viel ist Dir Essen wert und fragt dann gleich weiter, wie viel bist Du Dir wert?“

Der nächste Satz ist eine Lüge.Der vorhergehende Satz ist wahr.

Die Diskordianer bezeichnen ihre Religion als eine „Religion, getarnt als komplizierter Witz“ oder als „Komplizierter Witz, getarnt als Religion“. Bisher dachte ich immer, das wäre die Definition von Religion allgemein.

Meine Tante ist gerade mit Umwegen über den Buddhismus und die Bhagwan-Sekte doch wieder beim Christentum gelandet, wildert aber immernoch in anderen Religionen und macht deshalb nun hinduistische Meditation. Nina Hagen sieht sich jetzt auch wieder als himmlische Jungfrau und ich  selbst bin umgeben von Menschen, die sich weigern, etwas anderes zu glauben, als dass das Blut durch unsere Venen fließt und wenn es das nicht mehr tut unser Körper tot ist und somit unsere Existenz beendet. Die einen sind zu Höherem bestimmt, die anderen zu verwesenden Zellklumpen im Erdreich.

Von einem Zufallszellklumpen meiner Mitbewohnerin wurde ich bei einem Es-ist-drei-uhr-nachts-aber-wir-trinken-den-Wein-noch-leer-Gespräch  mit dieser Theorie konfrontiert und musste feststellen, dass sich irgendwas in mir dagegen sträubt. Ich gehöre zu der Gruppe Leute, die gerne etwas glauben möchte, aber anderen und sich selbst die Kompetenz abschreibt zu sagen, wie der Sinn hinter dem Leben aussieht.  Ich glaube nichts und alles. Ich halte es da mit Toyota: Nichts ist unmöglich. Es ist doch verrückt genug, dass wir sind, warum sollte es dann nicht auch ein Paradies geben mit 72 Jungfrauen…oder Weintrauben…oder Ford Sondermodellen. Warum nicht noch ein weiteres Leben auf der Erde. Warum kein Zerfall zu Atomen und Nichts.

Ich finde Religionen anmaßend. Aber an irgendwas muss man ja glauben und deswegen habe ich mir jetzt die Diskordianer ausgesucht. Oder sie haben sich mich ausgesucht. Was mich überzeugt hat, ist einfach, dass die Religion in ihrer Nicht-Struktur dem Leben so nahe kommt, denn sie ist der totale Mindfuck.  Alles ist wahr, was in der Principia Discordia geschrieben steht, denn es stimmt nicht.

Diskordianismus ist, was normale Religionen nicht sind. Sie spinnt keine heiligen Logiken, die auf heiligen, aber irren Grundannahmen beruhen, sondern sie tauscht die Grundannahmen beliebig aus und spinnt daraus etwas, das viel größer ist als Logik. Immerhin hat Logik Grenzen, Absurdität  und Chaos nicht.  Zitat: „Diskordier schwimmen nicht gegen den Strom, sie klettern aus dem Fluss“ Ich sehe mich also als frisch gebackene diskordianische Päpstin dem transzendentalen Schwachsinn schon viel näher und das ist die Hauptsache.

Jetzt habe ich diesen Artikel schon fleißig mit Zitaten aus dem Wikipedia Artikel „Diskordianismus“ gespickt,  da kann ich dies Seite auch mal verlinken-  KLICK NICHT HIER DRAUF!

Hail ErisAll Hail Discordia!

Meine Damen und Herren, liebe Neger…

Ich möchte jetzt auch mal die Fußball WM in meinem Blog erwähnen. Und weil mich die Fußball WM ein Scheißdreck interessiert, schreib ich jetzt was über Afrika, das ist nämlich das Gastgeberland. Halt! Afrika ist gar kein Land! „Echt?“ rufen die Bildzeitungsleser „Und warum sprechen die dann da alle Afrikanisch?“

Ha, das tut gut, BILDungsprekariat-Bashing! Aber wissen tu ich selbst nix über Afrika, außer dass es 53 Länder hat, von denen mir auch beim Brainstorming und Headbanging nur 28 einfallen. Afrika, der vergessene Kontinent – zumindest von meiner Seite zur Hälfte vergessen. Ich bin wirklich bestürzt.

Wieviele fallen dir denn ein, lieber Leser, liebe Leserin? Ich kann dieses kleine amüsante Klugscheißer-Spiel nur wärmstens empfehlen. Ich verrate nur schonmal welche, die garantiert eh keinem einfallen: Lesotho, Sao thomé und Principe.

Viel Spaß und Hakuna Matata!

Auflösung

UPDATE: Noch ein schönes Zitat auf ab-in-den-Urlaub.de: „Trotz der großen Armut sind die Menschen oft ehrlich gut gelaunt und bemühen sich sehr – auch ohne Trinkgeld. Afrika ist ein Land, welches man hasst oder liebt. Uns hat der Afrika-Virus erwischt!“

Paraphrase: Afrika ist ein Land (…) in dem alle Bimbos glücklich sind, weil sie so arm sind. Da wollen wir sie doch nicht mit Trinkgeld ins Unglück stürzen. Solange man uns nicht mit geographischem Wissen belästigt.

Randbemerkung: Bediene mich ironischen Stilmitteln. Ich sage natürlich auch Schwarze und nicht Negerkuss und das alles // Inspired bym Kichererbschen.

Gigahertz-Rythmusstörung

Ich finde nicht, dass wir durch das Internet alle doof werden. Wirklich, eine Zukunft in der es keine herkömmlichen Medien gäbe, wäre mir auch recht. Im Fernsehen gäbe es nichts mehr, außer Big Brother bei RTL2; man hat aus Gewohnheit einfach weiter 24Std aus der HartzIV- WG übertragen. Sonst gäbe es keine Kanäle mehr. Mir doch egal. Printmedien: Überbewertet. Höchstens ein Buch in der Hand würde ich vermissen.
Ich finde die Art, wie man im Internet kommuniziert und interagiert tausend Mal besser als mir von irgendwem was erzählen zu lassen. Die Melodie meines Gehirnstroms im Netz: klick-tab-klickklickklick- neuer tab- tipp-tab. Und warum auch nicht.
Aber versuch mal in dem Rythmus einzuschlafen.
Beim Einschlafen gibt es nur einen vorgegebenen Takt. Einatmen… ausatmen… einatmen… ausatmen.  Der Takt, der meine heißblütigen Neuronen in einen langsamen Walzer zwingt, statt dem neuronalen Samba, der sonst hier kracht. Aber meine Gedanken lassen sich nicht besonders gerne zwingen. Schon sind sie im nächsten Tab. Ich überschlage mich in Tabs und meine Gedanken werden zu schnell für mich. Datenstau. Fehler 404: der gewünschte Schlaf kann nicht gefunden werden. Ein Pop up: Planen sie jetzt ihren morgigen Tag! Krampfhaft genervtes Wegklicken meinerseits. Spam: Haben Sie sich schon überlegt, was sie xy immer schonmal sagen wollten. Jetzt hier imaginäre Gespräche zum Nulltarif führen! Neuer Tab: Heiße Macker aus deiner Nachbarschaft erwarten dich! Hier verweile ich ein bisschen, aber schnell klicke ich auf den nächsten Link. Ein Facebook Quiz: Bist du beziehungsunfähig und notgeil oder gehts noch und überhaupt?
Immernoch Facebook, tippe Statusnachricht: ICH WILL SCHLAFEN UND KANN NICHT!  Darunter: 1000 kleinen doofen Gedanken gefällt dies.
Im Computer hilft dagegen ein Shut down timer. Für meine Gedanken brauche ich ein shut up you fuckers- Tool. Schade, dass Schlaftabletten systemschädlich sind.

Google Home View

Da bin ich jetzt echt etwas sprachlos über diese Guerilla Satire. Martin Sonneborn besucht Menschen in ihrem Heim und nimmt Bilder „fürs Internet“ auf und das einzige was diese Menschen einzuwenden haben ist “ Wir kommen jetzt gerade von der Arbeit, normalerweise siehts hier nicht so aus“

Als nächstes gibt es Google Gut View, Darmspiegelung im Internet.

Heavy gendering

In der Onlineausgabe der Zeit las ich kürzlich einen Artikel, der sich mit Geschlechteridentität befasst. Mir wurde schlagartig bewusst, dass Geschlechtszuweisungen diskriminierend und gemein sind. Daher habe ich beschlossen auch meine/n Schreibstil/in an diese/n Erkenntnis/in anzupassen.

In dem/der Artikel/in geht es um eine/n Mensch oder eine Menschin, der/die/das als Junge/Jungin geboren wurde und mitten in der/die/das Geschlechtsumwandlung feststellte, dass er/sie/es lieber alles so sein lässt wie es ist und ohne Geschlecht/in auch klarkommt. Ein/Eine  Meldebehörd/in in Australien/us  bestätigt: „Sex not specified“

Ich will mich über diese/n Entscheidung/Entscheide nicht lustig machen, aber der/die/das Artikel/in liest sich sehr merkwürdig.

16x Nazi in einem Text

Mein neues Lieblingswort ist Nazi, gerne auch im Plural. Ja ich weiß, das gibt es schon länger, aber die Kombination mit anderen Begriffen aus meiner Umwelt, ergibt immer genau das was ich sagen möchte und das ist wirklich ein Glück. Nicht jeder findet das Wort fürs Leben.

Richtig bewusst geworden, dass ich gerne Nazi sage ist es mir, als ich auf einer Antifa-Soli-Party war. Erst wurde mir am Eintritt zuviel Geld, das meine Mutter hart erarbeitet, abgenommen, dann grinste mich der Antifaschistische Tresenbesetzer mit Campino-Gedächtnisfrisur aus seinem verschwitzten Fleischgesicht alkoholschwanger an und sagte mir, dass er mir das Bier teuerer verkaufen muss, weil er nicht rausgeben kann. Und dann ist mir das Bier natürlich runtergefallen. Wenn man betrunken ist, wird man vergesslich. Der richtige Druck, den man auf eine Bierflasche ausüben muss um sie den Auswirkungen der Schwerkraft zu entziehen, wie war der nochmal.

Also nochmal die gleiche Geschichte mit dem Campino-Arsch.

Und da ist mir eingefallen, dass das alles richtig unsozial ist. Und selbstgerecht. Und so über alle Maßen empfindlich meine Arschgesichter-Toleranzschwelle überschreitet. Ich hab ihm dann natürlich das Zweite Bier über dem Schritt ausgekippt und ihm die Flasche in die Fresse gehauen. Die war ja dann leer. Außerdem hab ich das Antifa-Plakat angesteckt und gerufen: Ihr scheiß Antifa-Nazis! Meine Freunde und ich sind dann noch ein halbes Stündchen geblieben und dann brandschatzend und vergewaltigend durch die Schanze gezogen um die Gentrifizierung wenigstens für diesen kleinen Moment noch ein wenig aufzuhalten.
So oder so es war ein schöner Abend, auch wenn das alles garnicht stimmt und ich halt einfach auf dieser Party ständig Antifa-Nazis dachte und wahrscheinlich auch bei manchen Liedern mitsang. Antifa-Nazis, Antifa-Nazis, Antifa-Nazis…
Ich denke auch gerne „Flurnazis“. Das sind dann meine Mitbewohner im Studentenwohnheim, aber das ist dann eher freundschaftlich gemeint, weil ich ja auch ein Flurnazi bin, der sich stark zurückhalten muss, andere nicht wegen falscher Mülltrennung anzuscheißen. Falsche Mülltrennung, beim Spülen das Wasser laufen lassen und auch eine halbe Flasche Spülmittelkonzentrat pro Teller; das geht eben garnicht. Da werd ich halt zum Nazi.
Ja und so geht das jetzt immer weiter. Wenn irgendwer was tut, was ich nur mittelschwer in Ordnung (Übrigens: Heavy in Order) finde, dann ist er eben ein Zeitmanagement-Nazi, Gender-Nazis, oder Grammatik-Nazis und Nerdbrillen-Nazis aka Kunststudenten Berlin Mitte-Nazis, Auslandssemester-Nazis.
PS: Welcher Nazi hat in meinem kürzlich den Bücherhallen entliehen Kurzgeschichtenband von Woody Allen namens „Pure Anarchie“ Bleistiftnotizen gemacht? Ich habe schon ganze Nachmittage damit verbracht, mir den Kopf über den Sinn dieser Anstreichungen  zu  zerschlagen. Ich habe die Anfangsbuchstaben aufgeschrieben, versucht neue Sätze auf Deutsch, Englisch, Spanisch daraus zu konstruieren. Dann jeden ersten, zweiten und dritten Buchstaben auf sinnspendende Anzeichen für eventuell zugrundeliegende Semantik durchforstet.
Sachen die man halt tut, wenn man keine Religion oder anderen sinnstiftende Zeitvertreibe hat.
Vielleicht liegt aber der Schlüssel im Jiddischen…

Long story short

Ernest Hemingway hat seiner Zeit das Genre der „Short short story“ erfunden. Auch genannt: Flash fiction oder microfiction.

Hier die Geschichte: „For sale: baby shoes, never worn.“

Mir wurde zugetragen, dass es eine Studentin gab, die alle ihre Hefte gefüllt hat mit dem Wort „streb“ und das letzte Wort war „sterb“. Also quasi das gleiche Wort mit einem Buchstabendreher.

Ich wage also die Short short story an Worten und Minimalismus zu unterbieten:

Streb, Streb. Sterb.

byte.FM wird Zwo

Ich gratuliere dazu!  Byte.FM sendet aus dem Bunker auf dem Heiliggeistfeld, der durch 3Meter dicke Mauern von der Außenwelt abgeschirmt ist. Trotzdem schafft es Byte.FM ganz nah am Zeitgeist und doch abseits vom Mainstream ins Programm an die Empfangsgeräte zuhause zu bringen. Die Empfangsgeräte sind allerdings nicht ganz so klassisch. Byte.FM sendet über das Internet.

Die Mitarbeiter sind höchstsympathische Musikverständige, die zudem noch ehrenamtlich arbeiten.  Wer  sie unterstützen will: Freunde von Byte.FM