Bio ist für mich Ablass

Alles ist im Fluss und ein konkretes Beispiel persönlicher Desillusionierung

Sich selbst zu lesen, zu sehen, wie man einmal dachte, ist wie ein Handabdruck in Salzteig, den die Eltern von ihrem Sprössling im Säuglingsalter machen ließen. Man kann nicht glauben, dass man da mal reingepasst hat. Und wegschmeißen kann man den Scheiß auch nicht, obwohl er kitschig und oll ist.

Wie ich mal dachte, man könne eine bessere Welt kaufen – Ein Rant

Es gibt ein konkretes Beispiel, wo sich meine Meinung radikal gedreht hat und ich beim Wieder-lesen des Blogbeitrags nur dachte, dass es Zeit für Zeitreisen wird – und sei es nur um meinem alten Ich mal den Kopf zu waschen. Ich habe jetzt keine Lust die betreffende Stelle zu suchen aber ich schrieb sowas wie „blabla bin ich der Meinung, dass die Macht komplett beim Konsumenten liegt“. Ich meinte damit: Wenn der Konsument endlich gute Lebensmittel kauft, wird es auch nur noch gute Lebensmittel geben, wegen Nachfrage-Angebot-Gedöns. So nach dem Motto: Wenn alle Chinesen alle auf einmal von einem Stuhl springen, gibt’s ein Erdbeben…. Abgesehen davon, dass die Chinesen wahrscheinlich nicht davon zu überzeugen sind, alle auf einmal von einem Stuhl zu springen, hat vielleicht zu allem Übel nicht einmal jeder Chinese ein Stuhl(!!!!!!!). Es ist also ein Problem, bei dem es schon an den Voraussetzungen hapert. Ich meine also: Es fehlt  den meisten Menschen einfach an finanziellen, kognitiven oder zeitlichen Ressourcen. Es würde Ewigkeiten dauern, diese Menschen dazu zu bekommen den Markt durch ihre Nachfrage umwelt- und tierfreundlicher zu gestalten.  Es ist für die Mehrheit einfacher, preissensitiv einzukaufen. Das soll jetzt nicht abwertend klingen – ich kann es selbst auch nicht erwarten, das Lidl-Prospekt in den Händen zu halten um zu gucken ob mein Leib- und Magengesöff Schwip-Schwap im Angebot ist. Fakt ist: Der Anteil der Konsumenten, der ausschließlich im Biomarkt kauft, wächst schon länger nicht mehr, es wird aus meiner Perspektive eine Nische von unprekär-beschäftigten Funktionsjackenträger/innen*&“§ bleiben. Es gibt zwar hier und da ein bisschen Wachstum im Bio-Bereich, vor allem beim Discounter-Bio, aber dafür wird auch Bio immer schlechter. Solange das so ist, wird Bio vor allem eins bleiben: Ein Marketingbuzzword für ein bestimmtes Segment von Kunden. Kunden, die glauben, die konsumgebeutelte Welt mit ihrem Konsum zu verbessern.  „Kauf dir eine bessere Welt“, das ist der Wahlspruch vom nachhaltigen Verbraucherportal utopia.de.  Nachhaltig ist daran aber nur, dass  wir alle nachhaltig eingelullt sind von dem Gefühl, der Selbstüberschätzung, es alleine schaffen zu können, während sich die Politik unbemerkt aus der Affäre ziehen kann und den nächsten Agrarindustriellen mit bombastischen Subventionen pampert. Lebensmittel dürfen so billig verkauft werden, dass noch nicht mal die Angestellten des Betriebs ordentlich bezahlt werden können und dann logischerweise den Mist, den sie selbst herstellen, kaufen müssen, statt sich gute Lebensmittel leisten zu können. Mit dieser Billig-Politik erzeugt man auch immer gleich die prekär lebenden Konsumenten, die Working Poor – und das nicht nur im Bereich der Lebensmittel. Wie praktisch.

Ich hatte schon des öfteren ein gewisses Unbehagen, was Bio angeht und inzwischen weiß ich auch warum. Bio für alle wäre schön, aber Bio gibt es nur für einige wenige, die sich dabei auch oft noch besser fühlen. Es ist ein riesiger Ablasshandel, der eigentlich viel mehr das jetzige System zementiert, gerade indem er die Verbraucher glauben lässt, sie würden etwas Entscheidendes verändern. Was tatsächlich verändert wurde: Man kann jetzt Konsument 1. Klasse und Konsument 2. Klasse sein. Erster Klasse ist natürlich vor allem dann besser, wenn der SUV in der eigenen Peer Group als zu protzig gilt. Dann muss man halt jeden Donnerstag zu BioVegan-Naschmarkt, wo es dieses tollen Käse gibt, der von Pygmäen in der Schweiz handgekeltert und dann im Magen einer antiken Hausziegenrasse veredelt wird, die den Käse in Knödelform auf Duftgras aus dem Himalaya scheißt.

Damit will ich nicht sagen, dass Bio kaufen etwas Schlechtes ist. Sicher, wer es sich leisten kann, soll sich etwas Gutes tun, und es wertschätzen, dass er weiß, woher sein Essen kommt. So mache ich das auch. Aber gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass nur die Politik in der Lage ist, der Agrarindustrie die Stirn zu bieten und dass es nicht reicht Bioäpfel zu mampfen.

Ablasshandel mucho

Dabei ist mir aufgefallen, dass dieser Ablasshandel nicht nur im Biomarkt funktioniert. Statt sich selbst um den grünen Fußabdruck zu kümmern, bieten Verkehrsunternehmen jetzt beim Ticketkauf an, einen Betrag zu zahlen, damit man klimaneutral reist.  Der Kunde nimmt es dankbar an. Bei Starbucks kauft man nicht einfach einen Kaffee, man kauft einen Kaffee, der einem garantiert, dass die Arbeiter fair entlohnt wurden und die Umwelt nicht belastet wurde. Beim Bier saufen retten wir den Regenwald.  Es kommt einem vor als dächten die Leute, wenn sie mit einer Zwangsprostituierten schlafen und ihr dafür 3 Cent mehr geben,  helfen sie, die Zwangsprostitution abzuschaffen.

Durch solcherlei „grüne“ Marktstrategien, wird die Verantwortung auf das Individuum abgewälzt, die Situation wird ent-politisiert und es wird der Zeitpunkt kommen, an dem der Verbraucher einfach überfordert ist von dem eigenen moralischen Anspruch strategisch zu kosumieren ohne sich dabei je wirklich ein Gesamtbild von den tatsächlichen Auswirkungen seines Handelns machen zu können, weil das einfach zu komplex für die meisten Normalverbraucher ist (Ohnmacht). 

„Ein Ausschnitt aus einem Vortrag von Slavoj Žižek über Wohltätigkeit und die Idee eines globalen Kapitalismus mit einem menschlicheren Antlitz, großartig von RSA visualisiert“ Gefunden bei hirnbloggade.de:

 

Fazit: Bevor ich meine vorherige Meinung gepoppert (falsifiziert) hatte, war ich glücklicher; ich meinte zu wissen, was ich tun muss um etwas zu verändern, war aber auch gleichzeitig etwas erdrückt von der moralischen Verantwortung, die auf mir als strategischem Konsument (zumal ohne dickes Portemonnaie) lastete. Jetzt bin ich erdrückt von der Ohnmacht, die ich gegenüber der Politik verspüre…was war da jetzt eigentlich besser? (Ich rolle gerade so mit den Augen, dass man nur noch das Weiße sieht)

 

Macht kaputt, was ihr euch danach neu kaufen könnt

Das hier unten ist ein Webcambild von einer Glühbirne, die seit 1901 brennt. SEIT 1901!!!!! NEUNZEHNHUNDERTEINS!!!! SEIT 111 JAHREN!!!! Wenn man sich darüber erst einmal eingekriegt hat, dann kommt der nächste Brüller: Die Lampe wird von einer Webcam, die alle 30 Sekunden ein Bild macht, gefilmt. Seitdem hat sie mehrere Webcams überlebt.

Die Glühbirne hängt in einer Feuerwache in den USA und stammt aus einer Zeit, in der die Ingenieure Produkte herstellen sollten, die nicht verschleißen. Wäre das heute noch so, würden wir unsere Wohnungen einmal mit Glühbirnen ausrüsten und die Glühbirnen würden uns unser ganzes Leben begleiten, sie würden uns wahrscheinlich sogar überdauern.

Da dachten sich aber die Glühbirnenherrsteller, dass das aber keine schlaue Verkaufsstrategie ist und setzten in gemeinsamer Kartellarbeit die Lebensdauer einer Glühbirne auf 1000 Stunden fest. Wenn man also Glück hat, hat man dann für 2 Jahre Licht.

Arte hat einen Film darüber gemacht, wie Produkte in voller Absicht zu Verschleißwerk gemacht werden. Wo die Reparatur so teuer wäre, dass man sich lieber gleich ein neues Gerät kauft.

 

Wer findet sowas gut? Hoffentlich versinkt die Menschheit mal in einem gewaltigen Müllberg.

 

Nix ACTA

ICH BIN WÜTEND!  

Vielleicht habt ihr schon von ACTA gehört. ACTA ist ein internationales Handelsabkommen gegen Produktpiraterie und Filesharing, das jetzt vom EU-Parlament abgesegnet werden soll. 

 

Wenn das passiert, haben die Internetprovider das Recht und die Pflicht, jedes einzelne Datenpaket auf urheberrechtlich geschützte Inhalte zu untersuchen. Das bedeutet: Wenn ich euch ein Video von einer Party zeigen möchte und ich dieses bei Youtube hochlade, kann es sein, dass ich rechtlich belangt werde, weil auf dem Video im Hintergrund urheberrechtlich geschützte Musik zu hören ist. Mein Opa könnte mir nicht mehr per Mail Zeitungsartikel schicken, weil diese schließlich auch geschützt wären.
Mehr in diesem Video

 

Was mich vor allem so wütend macht  ist, dass es immer heißt „Och, gegen Wirtschaftskriminalität und alles was sich die Wirtschaft so erlaubt können wir nichts machen. Da bräuchte es ja eine Internationale Regelung und das schaffen wir einfach nicht“. Wenn es nun aber der Industrie zuspielt, dann schaffen sie es plötzlich quasi über Nacht ein im Geheimen ausgearbeitetes Abkommen zu erstellen und zu ratifizieren???? Was sie nämlich wirklich gut können: Der Industrie in den Arsch kriechen.
Und das ist es wohl, was viele mit Postdemokratie meinen (Siehe Jürgen Habermas)

 

Unterschreiben gegen ACTA könnt ihr hier:

 

Und außerdem könnt ihr am Samstag, den 11.Februar in eurer Stadt mitprotestieren!  (Bei -20°C YEAH)

Der Doktor der Herzen

#guttbye

Das ist Berlin: Jemandem fällt ein, dass er irgendwas blöd findet, er beantragt ne Demo und 36 Stunden später stehen etwa 400 Mann und Männinnen auf der Straße (wobei es zugegebenermaßen größtenteils eine Sausage Party war).

An Prominenz mangelte es nicht auch nicht. Zugegen waren Daniel Domscheit-Berg, ehemaliger Sprecher von WikiLeaks und Autor und Malte Spitz, Mitglied des Bundesvorstandes von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, kürzlich in den Medien mit der Offenlegung seiner Vorratsdatenspeicherungsdaten (Super Wort!) in einem ZEIT-Artikel . Und ein paar Leutchen von der hedonistischen Internationale waren da. Das ist so ne Art politischer Guerilla-Spaßtrupp, der hin und wieder auch nackte Wohnungsbesichtigungen macht.

Blabla…jedenfalls hier mein Erinnerungsfoto:

 

Schön war, dass alle brav ihre Schuhe mitgenommen hatten. Eine Sandale war auch dabei. Wir folgten ihr zum Verteidigungsministerium

 

 

 

 

 

Am Gutti-Headquarter kamen die Schuhe dann zu ihrer finalen Bestimmung.

Ich frag mich, warum scheinbar jeder der Anwesenden ein abgewanztes, kaum noch als Schuhwerk erkennbares Paar zuhause zu haben schien und kann nur zu dem Ergebnis kommen, dass sie die wahrscheinlich schon seit der Schuh-Attacke auf Busch züchten. Ich jedenfalls hab momentan nur zwei Paar Schuhe zur Verfügung, die dringend gebraucht werden. Trotzdem gefiel mir die Idee so gut, dass ich kurz überlegte meine Schuhe dazulassen und barfuß nach Hause zu radeln.

 

Der Schlachtplan

Einige sind wildentschlossen, Guttenberg wegzudemonstrieren und wenn er nächsten Samstag, 5.09.2011, noch im Ministerium hockt, erfährt er mal einen „Tag des Zornes“ am eigenen Leib.

Außerdem soll es eine Faschingsaktion geben, zu der man am Aschermittwoch seinen Schuh ins Ministerium schicken soll. Andere schicken den Abdruck ihres Schuhs per Fax (030/18248004) ans Ministerium. Macht Guttenberg die Faxen dicke!!!

Nachlesen

Die Demo hat es in die Tagesschau geschafft, sowie in Spiegel Online. Schönere Fotos hab ich bei Michaela Hanf gefunden

Raus aus Ämtern

Vorschläge des Titanic Magazins  für neue Reality TV Formate nach den Massenrücktritten aus der CDU

  • Die Rücktreterer
  • Goodbye Parteiamt
  • Deutschland sucht den Nachfolgar
  • CDU – Die Pannenshow
  • Politikertausch

Nagut, es ist nicht von der Titanic, sondern von mir. Mir ist aber aufgefallen, dass die Leute schlechte Witze viel besser finden, wenn sie denken, dass sie von der Titanic kommen. Ist so ne Masche von mir…

Passend dazu habe ich mir auch noch einen schlechten Comic ausgedacht. Der ist deshalb schlecht, weil mein Bildbearbeitungsprogramm Gimp nie so will, wie ich will und weil ich ihn auch noch erklären muss ( Hell no!)

Ich stellte mir vor, wie der Hessische Noch-Ministerpräsident Koch in der Rolle          Verena Katzenbergers, dem vollblonden Dauerberichterstattungsgrund von          Goodbye Deutschland, versucht in die Playboy Mansion zu kommen. In meinem Kopf war das lustig.

Wer hats erfunden?

Genau. Die Schweizer.

Die Rede ist vom Minarettverbot, dem eine große Mehrheit der Schweizer zugestimmt hat. Ein Armutszeugnis, aber vielmehr noch ein Zeugnis der Angst. Es scheint, ganz Europa hat Angst vor der, wie es immer heißt, „schleichenden Islamisierung“ der Gesellschaft. Meiner Meinung ist dies ein pathologischer Zustand, der sich nicht nur an dem Teil der Bevölkerung manifestiert, dem auch gerne mal ein nett gemeintes „Auländer raus“ rausrutscht, sondern ein Sumpf aus Faktenverdrehung, Hysterie und dem ziemlich deutschen Angstbedürfnis, der sich leider bis in die gebildetesten Schichten hochzieht.

Da polemisiert ein Henryk M. Broder hin und ein Thilo Sarrazin her und die Achse des Gutgemeinten muss natürlich mit den gleichen Mitteln dagegenhalten. Was fehlt ist eine ernsthafte Diskussion, denn es scheint ja durchaus ein Problem, oder zumindest ein Missverständnis zu geben. Was fehlt sind auch die Stimmen der Muslime. Nun haben die Muslime kein Oberhaupt und es ist weltfremd zu behaupten, dass sich durch eine solche Institution, die Mehrheit der Muslime vertreten fühlen würde. Wenn man aber bedenkt, wie lautstark sich hier der Zentralrat der Juden in sämtliche jüdische und nichtjüdischen Belange einmischt, dass man sich des Öfteren mal wünscht, sie würden ihr Recht zu schweigen anerkennen, dann vermisst man doch die Stimme des Zentralrats der Muslime.

Ich unterstelle keinem Moslem, dass er Terror im Namen seiner Religion gut findet. Ich glaube, dass die Mehrheit der Muslime friedlich und mehr oder weniger integriert hier lebt. Aber wenn jemand im Namen meiner Religion, oder sonstetwas mit dem ich mich identifiziere, Gewalt ausüben würde, wäre ich sehr schnell auf der Straße und würde mich öffentlichkeitswirksam von diesen Leuten distanzieren. Woran liegt es nun, dass während der Zentralrat der Juden drei Monate lang Presse, Gesellschaft und Politik mit seinem Geschrei beschäftigen kann, aber der Zentralrat der Muslime in Europa nicht? Spricht er so leise, oder hören wir ihn nicht?  Wollen wir  vielleicht doch lieber Bilder von Terroristen, Ghettomuslimen und Rütlischulassis sehen. Ist es nicht viel aufregender ehemalige Kopftuchträgerinnen, die von dem Dämon des Islam geheilt sind und nun ihresgleichen verdammen, zu sehen. Und auch ich rege mich gerne über Burkafrauen auf. Ich denke immer, dass es ungefähr so respektlos ist mit einer Burka rumzulaufen, wie wenn ich im Bikini in Riad rumlaufen würde. Aber ich sehe nicht ein, wieso ich aufgrund von Einzelfällen die nunmal herausstechen, ganze Gruppen diskriminieren soll. Wer möchte ihn sehen, den Ali-Normal-Türken, der nicht allzu religiös ist, in einem mittelständischen Geschäft arbeitet und dessen Freundin, wie 70 Prozent aller  Musliminnen in Deutschland, KEIN Kopftuch trägt. Aber wir wollen die Illusion der „ständig nachwachsenden Kopftuchmädchen“ und auch unsere „gefühlte Empirie“ nicht aufgeben, wenn es um die Anzahl der Islamisten, feindliche eingestellten Burkaträgerinnen, Terrorbomber, Hauptschulmuslime geht. Feinde, Feinde, Feinde… in jeder Ecke. Aber ich sagte ja bereits, dass es pathologisch ist.

Es gibt Feinde, ja, das schon. Um zu verdeutlichen wie gerechtfertigt und objektiv wichtig für die Sache  Angst vor ihnen ist, muss ich zwei Zahlen nennen: Dieses Jahr sind in Deutschland laut einer Hochrechnung 4080 Leute einen Unfalltod gestorben. Gestorben durch Einwirkung von Terroristen in Deutschland sind bisher: 0,00. Aber Hauptsache irgendwer kann uns erzählen, dass wegen 0,00 zu Schaden gekommenen Deutschen, jetzt für viel Geld Nacktscanner, pardon Körperscanner,  angeschafft werden müssen. Die Nacktscanner-Verkäuferlobby war eben fleißig. Und am liebsten möchten sie alle unsere Daten haben, Daten,Daten ja Daten. Werden wir alle kleine Datensammler und verpfeifen unseren Nachbarn, wenn er was unkonformes tut oder ins Türkische Bad geht, um wohlmöglich zu konspirieren statt zu transpirieren.

Wenn man es sich recht überlegt, könnten die Leute, die uns erst Angst machen und dann unsere Angst ausnutzen um unsere Freiheiten und unseren offenen Lebensstil zu beschneiden um selbst an mehr Macht zu gelangen, auch von Terroristen bezahlt sein. Statt nämlich auf dieser Lebensart zu beharren und dazu zu stehen, dass wir eine offene Gesellschaft sind, in der – einfach weil wir es können – Moscheen gebaut werden dürfen, werden hier unsere eigenen Werte beschnitten- und zwar vom Staat und nicht von den Muslimen oder irgendeiner dystopischen Islamisierung. Wer Andersgläubigen verbietet Gotteshäuser zu bauen, weil diese es in ihrem Land verbieten, der ist nicht viel besser und über die Sozialisierung im Kindergarten auch nicht viel weiter hinausgekommen.

Ich weiß dass das für viele aufgeklärte Leute Allgemeinplätze sind, die ich hier belege, aber man kann es garnicht oft genug sagen:

Habt keine Angst! Es gibt keinen Grund!

Einen guten Artikel dazu gibt’s bei der Berliner Zeitung

Sondermüll

Bis 2012 soll die Glühbirne gänzlich vom Markt genommen werden. Die Energiesparlampe soll sie ersetzen.

Wie gerne hätten wir sie. Sie, die nur guten, nie schlechten, umweltfreundlichen, sozial verträglichen, politisch korrekten Sachen. Die mit dem  Du-muss-kein-schlechtes-Gewissen-haben-Siegel. Aber immer wenn wir meinen, wir hätten einen solchen Kasus gefunden und schon zu einem Freudensprung ansetzen wollen, schlägt uns irgendwer mit einem Knüppel die  Beine weg. Und da liegen wir dann auf dem Boden der Erkenntnis. So im Falle der Energiesparlampe.

Und irgendeiner, der dich vorher glühend dafür verachtet hat, dass du deinen Feierabend lieber in freundlichem Licht verbracht hast, statt in der gefühlten 0 Watt-Antarktis, klärt dich dann auf, dass es doch nur wieder einfach gute Lobbyarbeit war, die dich glaubend machte, du persönlich seiest der blaue Umweltengel.

Allein der Name hätte uns stutzig machen sollen. EnergieSparLampe klingt auch schon, wie in ner blöden Werbung á la MachtnichtFettSahne, und SchmecktgutAnalogkäse.

Da haben sich tatsächlich Leute gedacht, sie könnten uns eine Lampe verkaufen, worin im Sockel allerlei schwer-wiederverwertbarer Technikschrott hängt, ganz zu schweigen von dem Quecksilber, eines der umweltUNfreundlichsten Schwermetalle, das ganze in eine hässliche Röhre stecken und umweltfreundlich draufschreiben.  Und weil das ganze dann so teuer war, dass es niemand mehr kaufen mochte, haben die Damen und Herren Lobbyisten noch schnell ein Paar Politikern das Fähnlein nach ihrem Wind gepustet und schwupps, werden die Oldschool-Glühbirnen verboten. Das nennt man dem freien Markt ein Schnippchen geschlagen.

Vorglühen und Nachglühen

Na dann hätten wir ja zumindest noch einen Vorteil der ESL: Diese Wunderwerke der Technik sollen ja mindestens 2 Ewigkeiten halten – WENN, ja wenn man sie nicht überstrappaziert, also sie zu oft ein- und ausschaltet. Ja, was denken sich denn die Hersteller wo wir leben: In Bunkern mit Ganztagesbeleuchtung ?  Auf dem Klo müsste man dann 2 Minuten minimum warten, bis es erstmal ganz hell ist, müsste dann Mindestkackzeiten von 30min einführen und dann die nächste Stunde erstmal nicht auf Toilette gehen. Oder man richtet sich halt häuslich auf dem Klo ein.

Fazit: Falls Krieg ausbrechen sollte, oder bei chronischem Durchfall ist, für die an Umweltschutzthemen nicht interessierte aber dafür reiche Käuferschaft, die Energiesparlampe echt supi.

Uni brennt?

Liebe Linke,

ihr besetzt zurzeit die Unis in Deutschland und Österreich. Ihr wollt kostenlose Bildung, mehr Freiräume im Studium, Frauenquoten für alle Lebensbereiche, keine Zulassungsbeschränkungen, mehr Professoren. Und das sind keine dummen Ziele, zumindest für einige davon würde ich auch auf die Straße gehen, bzw. war ich auch schon.

Aber auf der Demonstration passiert dann immer das gleiche: Erst schreien alle: Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut. Da schreie ich noch mit. Dann schreit jemand vom vordersten Wagen „Vernichtet den Polizeistaat“ weil da ein Paar grüne Männekes stehen. Ich überlege, ob ich gehen soll. Und irgenwann holt dann wer sein Che Guevara Shirt raus und ein anderer schreit: Nie-nie-nie wieder Deutschland.  Ich gehe.

Ich komme mir wirklich verarscht vor. Ihr wollt die breite, schweigende Masse hinter euch vereinen? Ist euch schonmal eingefallen, dass die „breite Masse“ diesen Staat NICHT für unter aller Kanone hält und sich sogar mit dem Kapitalismus, wenn er in Form einer sozialen Marktwirtschaft daher kommt, aussöhnen kann?

Kurz festgehalten: Ihr jammert, dass sich keiner mit euch solidarisieren will und seid selbst das Problem!

Ich würde mir wünschen, dass man einfach mal zusammen für die Reform des Bachelorstudiums und gegen

ungerechte Studiengebühren auf die Straße gehen kann, ohne dass man sich selbst von der Presse als unkontrollierte, sozialismusverherrlichende Meute beschrieben sieht. Die Sache sollte im Vordergrund stehen.

Ich weiß, dass ihr denkt, dass sich die aktuellen Probleme in der Uni aus der Niederträchtigkeit des Staates und des bösen, bösen Kapitalismus ergeben. Ich denke nicht so. Nur wird meine Meinung nie repräsentiert, weil ihr sie immer überschreit.

Problem: Ihr braucht die breite Masse für eure Unibesetzungen. Ohne die werdet ihr sehr bald von netten Polizisten rausgetragen und das Ergebnis ist Unterrichtsausfall (Ihr klaut Bildung), Kosten  (Ihr verplempert unsere Studiengebühren) und keinerlei Erfolg. Außer vielleicht das ihr ein paar Tage Abenteuer hattet, mit euren Hunden auf Matratzen zusammen im Audimax geschlafen habt und sicher ne gute Zeit hattet. Aber Ferienlager könnt ihr auch woanders haben.

Rette deine Freiheit

Nur um mal wieder ein paar visuelle Reize zu geben und auch, weil es alle wichtigen Blogs in Deutschland promoten, tue ich das jetzt eben auch:

Hier also das Video „Rette deine Freiheit“, der Nachfolger von „Du bist Terrorist“.

Ich finde die Ironie etwas zu fein, gerade für Leute, die sich nicht so mit dem Thema Netzsperren und Datenschutz befasst haben. Aber trotzdem ist es schön geworden.

Hier gibts Hintergrundinfo: http://rettedeinefreiheit.de/

Palästinensertuch vergessen, sorry!

Manchmal ist es angebracht, sich einen Linksruck zu geben. Sonst wird man schief angeguckt oder gleich verprügelt (Autonome) .

Ich durfte die letzte Woche desöfteren mal linke Lebenswelten erleben. Bisher lebte ich in meiner eigenen mittellinken, in der es total okay ist, Glitzerklammotten und High-Heels zu tragen, genauso wie Hornbrille und Lamawollpullover. In meiner Welt darf jeder so sein wie er ist, und solange er mich nicht unter Druck setzt, so sein zu müssen wie er und seine peer group, war alles okay und wir konnten Freunde werden.  Ich dachte immer, dass Linke auch so denken, bis ich mit ihnen in ihrem verranzten Café  fair gehandelten Bio-Kaffee trinken wollte.

Sowas Konformes kommt mir nicht in die Jute-Tüte

Ich war im Gängeviertel, dass seit dem 22. August 2009 in der Hand von jungen und wirklich begabten Hamburger Künstlern ist, und mir war saukalt. Als ich meiner Begleitung vorschlug, dort einen Kaffee trinken zu gehen, schaute mich ein Mann, der seine Haare als Würste trug, und dessen Hals fest im obligatorischen  Palästinensertuch verankert war, von oben bis unten an. Seine Blicke sagten: „Moment mal, wo hast du denn dein Palästinensertuch gelassen? Also so konform gekleidet kommst du hier aber nicht rein. Was soll das denn aussagen. Also mit einem schwarzen T-Shirt  und einem Jeansrock kann man nun wirklich nicht gegen etwas sein, da musst du dir schon was besseres einfallen lassen. Wenn du wenigstens ein Leinenhemd gegen die Konsumgesellschaft tragen würdest, oder ein paar  Badges, wo draufsteht, gegen was du bist.  Aber sowas kommt mit nicht in den Jute-Sack. “

Ich war kurz davor mit die Haare ebenfalls schnell zu würsteln, vom Campus-Café nebenan ein Geschirrspültuch zu klauen und um Einlass und Akzeptanz zu bitten, besann mich dann aber doch eines besseren.

Immer schön die Szene putzen, oder was?

Hey, ich weiß, dass Kleidung eine Wir-Identität schafft, und wer sich gerne uniformiert soll das gerne tun, aber ich bleib dann doch lieber bei meiner Ich-Identität. Steh ich halt alleine da, ganz ohne Szene.

Und okay, es ist nicht so, als hätte ich keine Vorbilder.  Zumindest habe ich rausgefunden, dass Farin Urlaub ( Toller Typ!) auch so denkt wie ich. Der Mann trägt seit geraumer Zeit sehr einfache, normale Klamotten auf.

Zitat Wikipedia:

Damit wolle er ganz offen gegen die „Identität aus der Dose“ angehen und beweisen, dass man auch, wenn man immer dieselben Klamotten trägt, Rockstar werden kann.

Identität aus der Dose. Da sagt er was, der gute Farin. Inzwischen kann man sich diese Instant- Identity auch bei H&M kaufen. Das Palästinensertuch aus Bangladesh von den Schweden. Der Hungerlohn wurde von ihrem Konto angebucht – Hennes und Mauritz sagt Dankeschön.

Diese H&M-Rebells gehen dann im Hafenklang auf „Fight Lookism“-Parties die sich laut Beschreibung „gegen die Diskriminierung von Individuen aufgrund deren äußeren Erscheinungsbildes“ richten.  Ein Mitbewohner erzählte mir kürzlich, er sei dort mit Anzug und Krawatte aufgekreuzt und habe noch nie so lange auf ein Bier warten müssen. Welche Ironie.

Well, das ist so eine Sache mit dem anders sein. Ich versuchs lieber erst garnicht. Ich bin halt ganzschön anders.