Lieblingspodcasts

 

Reißerisch formuliert: Was sind das für Menschen, die Aufnahmen ihrer eigenen Stimme (Kreisch!) hören können, ohne schnell alles zu löschen, den Laptop ins Spülwasser zu schmeißen und das Haus abzubrennen, einfach um sicher zu gehen, dass die Beweise vernichtet sind?

Podcaster können das. Die müssen das ganze Geschwurbel schneiden und das was davon übrig bleibt stellen sie dann einer wachsenden, aber dennoch eher kleinen Community zum Rezipieren zur Verfügung. Diese Community zahlt weder indirekt durch Werbung, noch gibt es einen Podcast-Beitrag. Einzig das Feedback und Kleinstspenden sind der Lohn des Podcasters. Das muss bedeuten,  dass Podcaster irgendwie nette Menschen sind. Mit einer schönen Portion Sendungsbewusstsein.

Aber ohne Sendungsbewusstsein keine Sendung und ohne Sendung…naja, ohne Sendung hätte ich kein nächtliches Telekolleg auf meiner Podcatcher App und keinen Grund, das Licht schon auszumachen, bevor ich müde bin, um den Stimmen zu lauschen.

Zu Zeit höre ich diese Podcasts (alphabetisch):

Alternativlos <3

Felix von Leitner, alias Fefe, Betreiber der Nerd-Bildzeitung Fefes Blog und IT Security Experte und Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Clubs, berlinern sich ohne Aluhut durch Verschwörungstheorien und aktuelle oder historische Meldungen, die im Mainstream wenig Gehör finden, weil sie “nicht ins Narrativ” passen. Ich bin mir sicher, die beiden machen den Podcast, damit sie später ganz oft “Wir haben es euch ja gesagt” sagen können. Lieblingsfolge: ALT023 Verschwörungstheorien – Über Verschwörungstheorien, die sich später als wahr herausgestellt haben.

Black Sweet Stories

Alexa Waschkau, auf deren zart-intelligent anmutende Vorlesestimme ich ziemlich neidisch bin, hat Europäische Ethnologie studiert, unternimmt “Wahrnehmungsspaziergänge” aber nur auf literarische, vorlesende Art. Für mich, die ich den angeblich süßen Alien E.T. schon sehr gruselig finde, eignet sich der Podcast weniger zum vorm Einschlafen hören. Harmloseres wie den Sandmann von E.T.A. Hoffmann geht klar, aber der Sado-Maso-Kracher “Justine” von Marquis de Sade hat mich schon ziemlich fertig gemacht. Ansonsten findet man düstere Märchen, Edgar Allan Poe, Venus im Pelz und auch aktuelle Autoren.

CRE: Technik, Kultur, Gesellschaft <3

Chaos Radio Express ist ein Interview-Podcast, der sich nicht nur mit Hacker-Themen aus dem Umfeld des CCC sondern auch mit gesellschaftlichen Themen befasst. Der Host Tim Pritlove ist, soweit ich es durchblicke, der Grandmaster Flash unter den Podcastern. Ehrlich gesagt keine Ahnung, was der sonst noch so macht, außer viel podcasten. Man möchte ihn “vielseitig interessiert” nennen, aber wenn ich mich selbst vielseitig interessiert nenne, dann meine ich, dass ich schon zu ein paar Blüten geflogen bin; bei Tim Pritlove hingegen ist es so, dass er einen tiefen Schluck Nektar nimmt und dann ein Buch über diese und jene Pflanze verfasst. Seine universelle Neugier und das hackertypische Bedürfnis das ganze System hinter den Dingen zu verstehen machen ihn zu einem tollen Interviewer. Mit seinen Gästen vom Fach bespricht er jeweils 2-3 Stunden lang Themen wie IPv6, Pornographie und Poststrukturalismus. Lieblingsfolgen: CRE196 Feminismus mit der tollen Katrin Rönicke, CRE198 Pornographie, CRE210 Die Jagd. Alle sehr unterhaltsam und manchmal geht einem ein Licht oder Kronenleuchter auf.

Das geheime Kabinett

Der Buddler, scheinbar ein Archäologe, hat kleine skurrile Randnotizen der Geschichte vorbereitet, die er in 10-15 min langen Folgen dem geheimen Kabinett entlockt. Gelernt habe ich bereits, dass man als historisch berühmter Mann immer gut auf seine Genitalien aufpassen muss, sonst gehen sie im Einmachglas getrennt von einem auf Weltreise und tauchen erst Jahre und Jahrhunderte später im Besitz russischer Exilantinnen wieder auf.

Das war der Tag ( komplette Sendung)

Eigentlich ein Radiofietschör vom DLF, das nach Mitternacht als Podcast bereit steht. 45min lang das Wichtigste vom Tag. Höre ich immer, wenn ich das Gefühl habe, mal wieder alles verpasst zu haben – leider schlafe ich zu gut dabei ein.

Der Benecke

Ebenfalls ein Radiobeitrag von Radioeins vom rbb. Kakerlaken als Kuscheltier-Besitzer Benecke ist ein Kriminalbiologe mit weitem medialen Verbreitungsradius, der im Komitee für skurrile wissenschaftliche Forschung sitzt und als solcher in ca 15 min Beiträgen über ebensolche berichtet. Man erfährt z.B. wie wahrscheinlich es ist, dass Hauskatzen uns töten würden, wenn sie könnten.

Der lila Podcast

Auf Katrin Rönicke bin ich aufgrund des CRE Podcasts zum Thema Feminismus gestoßen. Katrin Rönicke bespricht in plusminus einer Stunde mit ihren Podcast-Kumpelinnen feministische Themen, mal politisch, mal gesellschaftlich, mal wissenschaftlich, aber meistens persönlich. Für mich ist sie die angenehme, kuschelige und menschenfreundliche Stimme der sogenannten 3. Welle des Feminismus.

Einschlafen Podcast

Tobi Baier ist der Vorlese-Papi, den man nie hatte. Mit ruhiger, unaufgeregter Stimme erzählt er etwa eine Stunde lang aus seinem Leben in einem Einfamilienhaus in einem Kaff bei Hamburg, wo er mit seiner Ehefrau und zwei Töchtern lebt. Er ist Bassist in einer nicht größer bekannten Band, liebt den FC St.Pauli, arbeitet bei Adobe und startet mal dieses und jenes Projekt. Es ist alles so schön normal. Ich weiß nicht, ob schon probiert wurde Afghanistanheimkehrer mit posttraumatischer Belastungsstörung mittels Einschlafen- Podcast zu therapieren… Meistens gibt es nachdem der Erzählteil beendet wurde noch ein auf mich immer sehr konfus wirkendes Rilke Gedicht und dann wird kurz vorgelesen: Nils Holgerson, der kleine Prinz, Kafka… bei Kant bin ich sofort in Wolkenkuckucksheim.

Glaubenssache

Alexander Waschkau, der Ehemann der oben erwähnten Alexa, bespricht als strenggläubiger Atheist in diesem Podcast die Fragen des Glaubens mit Eduard Habsburg, der kürzlich Botschafter beim Heiligen Stuhl in Rom wurde und ein Katholik wie aus dem Bilderbuch ist – sechs Kinder! Die beiden behandeln sich sehr flauschig; das könnte man noch etwas spannender machen, aber dann würde wohl der Podcast nicht funktionieren.

Hoaxilla- Der skeptische Podcast aus Hamburg

Hoaxilla (Hoax = engl. für Schwindel/Falschmeldung) ist einer der beliebtesten Podcasts und debunkt moderne Mythen, urbane Legenden und Aberglaube. Manchmal sind die Geschichten allerdings zu gruselig für mein Gemüt und ich habe Angst vor Kindern mit schwarzen Augen und japanischen Geistern. Die Macher von Hoaxilla sind Alexa und Alexander Waschkau, die beide zur Skeptikerbewegung gehören und inzwischen sogar in der Partei DIE P.A.R.T.E.I. organisiert sind. Das ist sehr löblich!

In trockenen Büchern

Alexandra Tobor, Autorin, große Frau, polnische Aussiedlerin, Twitterfame ist nicht gerne unter Menschen, aber sie mag sie. Die Gesellschaft von Büchern, die sagen wir mal nicht jedem zugänglich sind, schätzt sie hingegen sehr. Ihre kurzen Buchvorstellungen sind gewissenhaft vorbereitet und haben stets einen persönlichen Aspekt. Meistens geht es um geisteswissenschaftliche Gesellschaftsbetrachtungen.

Jürgen Domian

Jeder kennt die alte Laberbacke ausm WDR. Im Podcatcher gibt’s prähistorische Folgen. Toll.

Psychotalk

Drei studierte Psychologen, namentlich Alexander Waschkau, Dr. Sebastian Bartoschek und Sven Rudloff, schwafeln über psychologische Themen und das oft über DREI Stunden! Es werden psychologische Konzepte erklärt und Studien erwähnt aber Abschweifen ist so das eigentliche Ding der drei. Manchmal ist das unterhaltsam, manchmal nicht. Aber bei so langen Laberpodcasts kann man super einschlafen und man hat am nächsten Tag noch was davon.

Sanft und Sorgfältig <3

Die Radioshow von Jan Böhmermann und Olli Schulz. Hier kann man live dabei sein, wie meine Meinung zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest entsteht, die ich nämlich größtenteils ungeprüft von den beiden übernehme.

Soziopod <3

“Man kann ihn nicht immer nebenbei hören! Nene, man muss mitdenken!” Der ultimative Verdienst der beiden Podcaster ist für mich, dass ich endlich verstanden habe, was die Frankfurter Schule ist. Immer wenn ich irgendwas darüber las versickerte es sofort wieder, weil ich die gesellschaftliche Bedeutung nicht zuordnen konnte. Wie wenn man einmal im Jahr irgendwo hinfährt und jedes verdammte Mal nicht weiß, ob es an der Kreuzung rechts oder links geht, trotz aller Einprägeversuche und Eselsbrücken. Patrick Breitenbach ist ein breit aufgestellter Internetheini und Dr. Nils Köbel ist eher so ein analoger Typ, der in Frankfurt Soziologie studiert hat und jetzt in Mainz über Erziehungswissenschaften doziert. Wegen des subtilen hessischen Akzents musst ich ihn natürlich sofort ins Herz schließen. Es wird ganz wenig monologisiert, stattdessen findet ein Gespräch der beiden statt z.B. über Medien, Herrschaft, Arbeit, Bildung und auch ein paar besonders aktuelle Themen. Marx kommt nicht angestaubt daher, geht es um Bordieu und den Fluch der sozialen Ungleichheit, wird Shopping Queen als Beispiel herangezogen. Dafür gab’s entgegen der Annahme, dass keiner Podcasts hört, 2013 einen Grimme Online Award. So verdient!

Staatsbürgerkunde <3

DDR in den Mainstream-Medien geht ja eher so:  Jemand kommt gerade nackt vom Strand (FKK) und möchte noch schnell etwas im Konsum Markt einkaufen, am liebsten Bananen, aber das geht nicht, denn er weiß nicht, was eine Banane ist. Überhaupt sind die Regale leer, die Kamera schwenkt und wir finden uns in einem in grün und braun gehaltenen Verhörzimmer, wo der Stasimann die Einkaufenden danach beurteilt, ob sie so aussehen, als wollten sie bald “rüber” machen. Wie es wirklich war erfahren neugierige Wessis und von der BRD geschluckte Ossis bei Familie Fischer aus Weida in Thüringen. Martin Fischer interviewt zu diesem Zwecke seine Eltern, Christine und Lutz, beide sehr herzlich und schlau. Man erfährt auch mal was über Computer in der DDR oder wie Weihnachten bei Familie Fischer so war und alles was man halt sonst nie mitbekäme.

Stadtdschungel

Meine neueste Podcast-Entdeckung, in dem Andreas Kieling über sein Leben als Tierfilmer und was man beim Tierfilmen so erlebt, erzählt.

Troja Alert <3

Im echten Leben beschäftigt sich Stefan Thesing als Pädagoge u.a. mit barrierefreier, leichter Sprache für geistig Eingeschränkte und scheinbar kriegt er davon nicht genug: So schön hat noch nie jemand schwer zugängliche Literatur mit verschwurbelter Quellenlage auf mein Niveau heruntergebrochen. 

Nibelungensage war für mich irgendwas mit Leuten die Hackberth und Isegrunz heißen und gegen Drachen kämpfen. Dank Troja Alert weiß ich jetzt, dass Siegfried ein kräftiges Dummerchen war und auf starke Frauen stand. Stefan Thesing erzählt mit seiner unglaublich sympathischen Stimme in einer saloppen Art von Schöpfungsmythen und anderen wilden Stories der Germanen, der Hebräer, der Griechen, von Zeus, der ständig nur ficken will, und zwar alles und jeden, und von Athene, Apoll, Dionysus, Prometheus und wie sie alle heißen. Nachdem ich nun die Verstrickungen der Götter untereinander kenne ist klar: RTL2 ist dagegen ein Scheißdreck. Frauentausch im Griechenland der Mykene hieß ‘ohne zurückgeben’.

Wostkinder

Leider scheint die FAZ die Serie mit Katrin Rönicke als Interviewerin eingestellt zu haben. Hier kam vor allem die dritte und letzte Generation Ost zu Wort und es wurde geredet über Jugend in der späten DDR und wie es war, dann im Westen zu sein. Ich würde mir wünschen, dass diese Serie weiterginge.

 

Ok, ich sehe gerade ich höre viele Podcasts und ich liebe sie alle; die mit dem kleiner Drei liebe ich im Quadrat. Was mir noch fehlt zu meinem Glück ist ein Podcast über Bonobos oder Menschenaffen im Allgemeinen. Auch einen Podcast von einem Taxifahrer fände ich interessant. Leider fehlt mir der Spaß am Autofahren, sonst würde ich selbst ein podcastender Bonobo-Taxifahrer werden. Naja.

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Adieu Qype, Hallo Yelp!

Ich war zwar nicht kurz davor mir Qype.de  auf mein Handgelenk tätowieren zu lassen, aber irgendwie mochte ich dieses Bewertungsportal aus Hamburg.  Du, Qype, warst eine meiner ersten echten Web 2.0 Erfahrung, damals, als man noch Web 2.0 sagte und noch nicht social media.  Und jetzt haben sie dich für läppische 50 Mio verkauft. Ach, das ist hart.  Das letzte Portal, wo man noch gemeinsam am Lagerfeuer sitzen und den alten Restaurantkritiken lauschen konnte, ohne Konkurrenz aus den USA, unbeschnüffelt vom bösen NSA-Mann.

Der Käufer, ein internationalen Unternehmen namens Yelp mit Hauptsitz in San Francisco, California, US and A, hat alle Inhalte von Qype in die eigene Infrastruktur übernommen und uns höchst ambitionierte Kuschel-Community-Manager vorgesetzt, die wieder für die knisternde Lagerfreuerantmo sorgen  und uns vergessen machen sollen, dass  die von der Community generierte Inhalte an der Börse gehandelt werden. Also werde ich dem ganzen eine Chance geben, aber nicht ohne ein bisschen rumzustänkern und überall wo sich mir die Möglichkeit bietet, reinzuschreiben, dass Qype viel besser war.

Nun habe ich aber ein Feature entdeckt von dem ich irgendwie gar nicht verheimlichen kann, dass ich es ziemlich vergnüglich finde:  Yelp Wordmap. Hier werden Bewertungen nach Schlagwörtern ausgewertet und auf einer Karte dargestellt.

Yelp Wordmap

 

 

Bitte, bitte Yelp! Wir brauchen das für Berlin!

 

Die erste Regel des Facebook-Clubs lautet: If it’s private, don’t put it on Facebook.

Von der Heulerei anderer über die Facebook-Privatsphäre bei gleichzeitigem Hochladen von Privatkram und meinen ungebändigten Drang peinlich zu sein, ohne dabei fotografiert, hochgeladen und markiert zu werden.

Ich saß demletzt in einer Mitfahrgelegenheit und unser Gespräch drehte sich um das heilige Facebook, die Mutter aller Klatschspalten und Stalkinggadget erster Güte. Die Fahrerin erzählte von einer Party, bei der alle wohl ziemlich ralle gewesen sind und auf der viele Fotos entstanden sind, auf denen man das ziemlich gut erkennen konnte. Also einfach bekloppte Bilder mit denen man sich aber nicht bewerben gehen würde, außer man möchte nicht so gerne einer Erwerbsarbeit nachkommen. Aus diesem Grund hatte sie die Bilder auch nicht bei Facebook hochgeladen, sondern sich die Mühe gemacht, alle Fotos auf eine CD zu brennen und zu verschicken. Also wie vor der Erfindung des Rades. Das Ende der Geschichte, war natürlich, dass sie alle Fotos auf Facebook wiederfand, inklusive der Markierungen ihrer Person.

Wir redeten darüber, dass man wirklich nur Dinge auf Facebook posten und hochladen sollte, die den Omatest (Würde meine Oma mich enterben, wenn sie das sähe?) oder den Cheftest bestehen würden. Soweit bin ich damit einverstanden. Aber, wie die Geschichte von oben zeigt, halten sich ja einige nicht daran und posten und markieren Fotos jeglicher Couleur, als gäbe es kein morgen. Sogar fremde auf der Straße werden fotografiert, wenn sie etwas Auffälliges machen. Der nackte Jörg, der in Frankfurt schon Kultstatus hat, weil er in seiner Sachsenhäusener Hood immer im Adamskostüm rumläuft, wird wie ein Tier im Zoo fotografiert, als hätte er mit seinen Kleidern auch seine Persönlichkeitsrechte abgelegt. CCTV kann einpacken gehen, wenn wir bald selbst unseren Überwachungsstaat spielen.

Die Fahrerin in meiner Mitfahrgelegenheit  kam also auf die Idee: Wenn wir nicht wollen, dass peinliche Fotos mit unserem Namen im Internet stehen, dürfen wir uns einfach nie mehr peinlich benehmen. 

Das hört sich natürlich logisch an, ist aber trotzdem total absurd: Willkommen in einer Welt, in der sich alle immer normgerecht und gleich verhalten. Willkommen in der absoluten Langweile. Das Internet hat uns in die Lage versetzt, jedes ungewöhnliche  Hobby und jedes Fetisch friedlich mit Gleichgesinnten zu teilen und jetzt nehmen wir uns das selbst wieder weg indem wir andere überwachen, fotografieren und uns zu Klarnamen im Internet zwingen lassen. Ganz große Scheiße.

Es gibt natürlich noch die Möglichkeit, von den Chefs zu verlangen, dass sie sich endlich mal locker machen und akzeptieren, dass der Mitarbeiter, den er schätzt, auch gerne mal besoffen auf dem Bordstein rumliegt, aber bis es soweit ist, könnte man auch einfach mal aufhören, jegliche Fotos bei Facebook zu posten. Leider ist es mit dem „Nur für Freunde freigeben“ nicht getan. Jeder, der die URL, also den Link zu dem Foto hat, kann das Foto sehen, es speichern und beliebig oft wieder verbreiten. Unter dieser URL ist das Foto zu sehen, auch nachdem der Poster es längst aus Facebook gelöscht hat. Die Fotos werden laut Nutzungsbedingungen Facebook zur freien Benutzung gestellt, denn man überträgt die Rechte.

Bitte, damit ich mich auch weiter peinlich benehmen kann: Verschickt Fotos per Mail, ladet sie in eine gute Cloud (Dienste wie Dropbox), auf Rapidshare und Konsorten hoch, damit die Leute sie betrachten können, die die Bilder auch was angehen (der Rest lästert eh nur darüber).  Und ausgedruckte oder entwickelte Fotos sind natürlich auch immer noch geil.

Tapete aus frei zugänglichen Facebook-Fotos

Nix ACTA

ICH BIN WÜTEND!  

Vielleicht habt ihr schon von ACTA gehört. ACTA ist ein internationales Handelsabkommen gegen Produktpiraterie und Filesharing, das jetzt vom EU-Parlament abgesegnet werden soll. 

 

Wenn das passiert, haben die Internetprovider das Recht und die Pflicht, jedes einzelne Datenpaket auf urheberrechtlich geschützte Inhalte zu untersuchen. Das bedeutet: Wenn ich euch ein Video von einer Party zeigen möchte und ich dieses bei Youtube hochlade, kann es sein, dass ich rechtlich belangt werde, weil auf dem Video im Hintergrund urheberrechtlich geschützte Musik zu hören ist. Mein Opa könnte mir nicht mehr per Mail Zeitungsartikel schicken, weil diese schließlich auch geschützt wären.
Mehr in diesem Video

 

Was mich vor allem so wütend macht  ist, dass es immer heißt „Och, gegen Wirtschaftskriminalität und alles was sich die Wirtschaft so erlaubt können wir nichts machen. Da bräuchte es ja eine Internationale Regelung und das schaffen wir einfach nicht“. Wenn es nun aber der Industrie zuspielt, dann schaffen sie es plötzlich quasi über Nacht ein im Geheimen ausgearbeitetes Abkommen zu erstellen und zu ratifizieren???? Was sie nämlich wirklich gut können: Der Industrie in den Arsch kriechen.
Und das ist es wohl, was viele mit Postdemokratie meinen (Siehe Jürgen Habermas)

 

Unterschreiben gegen ACTA könnt ihr hier:

 

Und außerdem könnt ihr am Samstag, den 11.Februar in eurer Stadt mitprotestieren!  (Bei -20°C YEAH)

Good night, Facefuckers!

Ich habe ja in diesem Blog schon mehrfach das Bild des apathisch vor Facebook sabbernden Users heraufbeschworen. Also das Bild von mir während des „Lernens“. Um mich nicht mehr so ertragen zu müssen, habe ich jetzt mein Facebook in Urlaub geschickt. Und weil Selbstversuche und das Schreiben darüber so in sind, lasse ich mich mal dazu verleiten

Hier ein paar Statements und deren Wahrheitsfaktor. Gefühlte Empirie inklusive.

Ohne Facebook vereinsamt man

Das war von meiner Seite beabsichtigt. Aber natürlich könnte man dagegen was tun.

Ohne Facebook ist man viel effizienter

Eine Lüge. Man schreibt dann eben Blogeinträge oder frischt alle zwei Minuten den Ägypten Liverticker auf Spiegel online auf.

Ohne Facebook erreicht man seine Freunde nicht mehr

Das ist tatsächlich so. Die echten Freunde erreicht man natürlich immernoch, von denen hat man nämlich eine Emailadresse und eine Telefonnummer. Aber die „Friends“; von denen hatte man nie eine Emailadresse.

Ohne Facebook vermissen einen alle Freunde

Insgesamt war mein Vegetarier-Werden schwieriger für meine Freunde als mein Facebook Urlaub, den sie als vollkommenen Social Network-Tod erlebten, da ich meine Absenz nicht richtig groß angekündigt hatte. Man scheint sich also doch mehr für meine Verdauung etc. zu interessieren als für die Möglichkeit zu sozialer Interaktion auf Facebook mit meiner Person. Es gab einzelne Nachfragen, aber der Großteil hat es einfach so hingenommen. ( Was bleibt denen „Friends“ auch übrig, die nicht einmal ne Telefonnummer von mir haben.) Eine kleine Anekdote: Wenn man sein Facebook Account deaktiviert, zeigt Facebook einem nochmal ganz melodramatisch, wer einen vermissen könnte. Das kann einem schonmal ein müdes Lächeln abringen, wenn man sich vorstellt, wie sehr einen die Barbekanntschaft von vor 3 Jahren wohl vermisst. Vorausgesetzt sie weiß den Namen noch.

Ohne Facebook geht es einfach nicht mehr.

Jaja, der Suchtfaktor. Jetzt bin ich mehr als eine Woche ohne Facebook und denke immer noch jedes Mal, wenn ich etwas Interessantes sehe, dass ich es irgendwo posten müsste. Ich habe schon ein ganzes Facebook-Areal in meinem Hirn entwickelt, das jetzt wo es amputiert ist ganz verrückt phantomschmerzt! Aua, das tut weh.

Ohne Facebook verliert man Kontakte zu im Ausland lebenden Leuten viel eher

Das kann ich mir gut vorstellen. Besonders wenn sie in Ägypten leben. Haha.

Ohne Facebook hat man wenigstens kein Ausgespähtsein-Gefühl

Bei mir ist eher das Gegenteil der Fall. Ich habe das Gefühl, dass Facebook jetzt voll ist mit den unmöglichsten Fotos von mir und alle Sachen über mich schreiben und ich nichts mehr dagegen tun kann. Dass das paranoid und verkrampft ist, weiß ich selbst, danke! Da muss man doch Sascha Lobo recht geben, der der Meinung ist, dass es wahrscheinlich besser ist, das digitale Außenbild, mein Porno- Ich, positiv mitzugestalten (das Internet haben sich eh eigentlich Pornographen und Werber ausgedacht, oder?) als sich dem ganzen zu entziehen, weil man denkt, dass es einen dann nicht tangiert.

Ohne Facebook ist man uncool

Ich habe mal meine unglaublich feinfühligen Szene-Tentakel ausgefahren und mir ist dabei aufgefallen, dass die Gallier eben cooler sind als die Römer. Ich denke der Facebooktrend kann sich leicht gegen sich selbst richten, wie jeder Trend eben. Ich saß vor nicht all zu langer  Zeit in einer Runde aus Künstlern und Schauspielern und Fotographen, die sich  allesamt  als Facebook-Verweigerer bekannten. Schon ein komisches Gefühl, als Facebook-User in der Minderheit zu sein. Das fühlte sich so 2007 an. Ich dachte mir, dass das wohl auch so eine Art Fuck-off Haltung sein muss, wenn es einen einfach nicht mehr interessiert. Obwohl man weiß, dass die letzte Party mit Salzstangen in allen Körperöffnungen endete und irgendwo auch so ein Depp mit Digicam rumlief.

In Google we trust

Für die Sommerloch-Momente im Leben empfiehlt das ZEITmagazin auf Facebook sich an Google Suggest zu erheitern.  Also ich würde die Vorschläge von Google jedem Lebensratgeber vorziehen.

Ich kann… fliegen

Ich sollte… Kaiserin werden

Ich muss… abnehmen (grmpf)

Ich will… spielen

Ich darf… nicht länger schweigen

Ich könnte… verschwinden wenn du mich berührst

Ich bin… gut

Da entsteht doch schon ein gewisses Bild meiner Persönlichkeit, wie ich finde. Und bitte passt auf, wenn ihr mich das nächste mal berührt, ich könnte verschwinden!

Glücklicherweise gibt es ganze Seiten, die sich mit dem Phänomen beschäftigen, z.B. http://googlelolz.com/ (englisch)

Gigahertz-Rythmusstörung

Ich finde nicht, dass wir durch das Internet alle doof werden. Wirklich, eine Zukunft in der es keine herkömmlichen Medien gäbe, wäre mir auch recht. Im Fernsehen gäbe es nichts mehr, außer Big Brother bei RTL2; man hat aus Gewohnheit einfach weiter 24Std aus der HartzIV- WG übertragen. Sonst gäbe es keine Kanäle mehr. Mir doch egal. Printmedien: Überbewertet. Höchstens ein Buch in der Hand würde ich vermissen.
Ich finde die Art, wie man im Internet kommuniziert und interagiert tausend Mal besser als mir von irgendwem was erzählen zu lassen. Die Melodie meines Gehirnstroms im Netz: klick-tab-klickklickklick- neuer tab- tipp-tab. Und warum auch nicht.
Aber versuch mal in dem Rythmus einzuschlafen.
Beim Einschlafen gibt es nur einen vorgegebenen Takt. Einatmen… ausatmen… einatmen… ausatmen.  Der Takt, der meine heißblütigen Neuronen in einen langsamen Walzer zwingt, statt dem neuronalen Samba, der sonst hier kracht. Aber meine Gedanken lassen sich nicht besonders gerne zwingen. Schon sind sie im nächsten Tab. Ich überschlage mich in Tabs und meine Gedanken werden zu schnell für mich. Datenstau. Fehler 404: der gewünschte Schlaf kann nicht gefunden werden. Ein Pop up: Planen sie jetzt ihren morgigen Tag! Krampfhaft genervtes Wegklicken meinerseits. Spam: Haben Sie sich schon überlegt, was sie xy immer schonmal sagen wollten. Jetzt hier imaginäre Gespräche zum Nulltarif führen! Neuer Tab: Heiße Macker aus deiner Nachbarschaft erwarten dich! Hier verweile ich ein bisschen, aber schnell klicke ich auf den nächsten Link. Ein Facebook Quiz: Bist du beziehungsunfähig und notgeil oder gehts noch und überhaupt?
Immernoch Facebook, tippe Statusnachricht: ICH WILL SCHLAFEN UND KANN NICHT!  Darunter: 1000 kleinen doofen Gedanken gefällt dies.
Im Computer hilft dagegen ein Shut down timer. Für meine Gedanken brauche ich ein shut up you fuckers- Tool. Schade, dass Schlaftabletten systemschädlich sind.

Talent imitates, genius steals

Wie man ja weiß: Talent imitiert, das Genie stiehlt. Diese ganzen Bilder habe ich von einer Seite geklaut, die ich euch ans Herz legen möchte, obwohl oder weil sie was fürs Auge ist.

Ich tummel mich gerne ganze Abende und Nächte auf dieser Seite und bestaune die kreativen Einfälle anderer und versuche den Schmerz  darüber, dass andere immer kreativer und auch technisch versierter seien werden, beim Beglotzen dieser Bilderflut zu vergessen. Und es hilft.

Die Seite heißt Image Spark

Der Betreiber schreibt:

Image Spark lets you upload and create a library of images that inspire you in whatever it is you do. Whether you’re a fashion designer, web designer, or just redesigning your bathroom, Image Spark can help harness the visual direction of your projects. But it’s not just about collecting and storing images — you can converge images using Image Spark’s moodboards and help set the visual tone or style you’re after.

Berauscht eure Augen!

Google Home View

Da bin ich jetzt echt etwas sprachlos über diese Guerilla Satire. Martin Sonneborn besucht Menschen in ihrem Heim und nimmt Bilder „fürs Internet“ auf und das einzige was diese Menschen einzuwenden haben ist “ Wir kommen jetzt gerade von der Arbeit, normalerweise siehts hier nicht so aus“

Als nächstes gibt es Google Gut View, Darmspiegelung im Internet.

Chatroulette

Dieses kleine witzige Ding namens Internet hat es schon wieder geschafft mich grenzenlos zu entzücken und mir wieder neue Erkenntnisse über die Menschheit und die Welt im Allgemeinen beschert.

Sollte jemandem da draußen mal langweilig sein, oder wollt ihr trotz tief sitzender Depression mal wieder 10 min durchlachen – dann klickt euch durch Chatroulette

Chatroulette ist ein Videochat, der dich per Zufall mit anderen Chattern verbindet. Das kann alles mögliche heißen. Mal kann man sich mit nem Jungen aus Brasilien über Nazis unterhalten -klick- ein Typ holt sich einen runter- klick- eine Hausparty in Australien -klick- gelangweilte Gesichter in den USA.

Es ist wirklich das widerlichste, tollste, lustigste was man auf einer langweiligen Party machen kann ;)