Lieblingspodcasts

 

Reißerisch formuliert: Was sind das für Menschen, die Aufnahmen ihrer eigenen Stimme (Kreisch!) hören können, ohne schnell alles zu löschen, den Laptop ins Spülwasser zu schmeißen und das Haus abzubrennen, einfach um sicher zu gehen, dass die Beweise vernichtet sind?

Podcaster können das. Die müssen das ganze Geschwurbel schneiden und das was davon übrig bleibt stellen sie dann einer wachsenden, aber dennoch eher kleinen Community zum Rezipieren zur Verfügung. Diese Community zahlt weder indirekt durch Werbung, noch gibt es einen Podcast-Beitrag. Einzig das Feedback und Kleinstspenden sind der Lohn des Podcasters. Das muss bedeuten,  dass Podcaster irgendwie nette Menschen sind. Mit einer schönen Portion Sendungsbewusstsein.

Aber ohne Sendungsbewusstsein keine Sendung und ohne Sendung…naja, ohne Sendung hätte ich kein nächtliches Telekolleg auf meiner Podcatcher App und keinen Grund, das Licht schon auszumachen, bevor ich müde bin, um den Stimmen zu lauschen.

Zu Zeit höre ich diese Podcasts (alphabetisch):

Alternativlos <3

Felix von Leitner, alias Fefe, Betreiber der Nerd-Bildzeitung Fefes Blog und IT Security Experte und Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Clubs, berlinern sich ohne Aluhut durch Verschwörungstheorien und aktuelle oder historische Meldungen, die im Mainstream wenig Gehör finden, weil sie “nicht ins Narrativ” passen. Ich bin mir sicher, die beiden machen den Podcast, damit sie später ganz oft “Wir haben es euch ja gesagt” sagen können. Lieblingsfolge: ALT023 Verschwörungstheorien – Über Verschwörungstheorien, die sich später als wahr herausgestellt haben.

Black Sweet Stories

Alexa Waschkau, auf deren zart-intelligent anmutende Vorlesestimme ich ziemlich neidisch bin, hat Europäische Ethnologie studiert, unternimmt “Wahrnehmungsspaziergänge” aber nur auf literarische, vorlesende Art. Für mich, die ich den angeblich süßen Alien E.T. schon sehr gruselig finde, eignet sich der Podcast weniger zum vorm Einschlafen hören. Harmloseres wie den Sandmann von E.T.A. Hoffmann geht klar, aber der Sado-Maso-Kracher “Justine” von Marquis de Sade hat mich schon ziemlich fertig gemacht. Ansonsten findet man düstere Märchen, Edgar Allan Poe, Venus im Pelz und auch aktuelle Autoren.

CRE: Technik, Kultur, Gesellschaft <3

Chaos Radio Express ist ein Interview-Podcast, der sich nicht nur mit Hacker-Themen aus dem Umfeld des CCC sondern auch mit gesellschaftlichen Themen befasst. Der Host Tim Pritlove ist, soweit ich es durchblicke, der Grandmaster Flash unter den Podcastern. Ehrlich gesagt keine Ahnung, was der sonst noch so macht, außer viel podcasten. Man möchte ihn “vielseitig interessiert” nennen, aber wenn ich mich selbst vielseitig interessiert nenne, dann meine ich, dass ich schon zu ein paar Blüten geflogen bin; bei Tim Pritlove hingegen ist es so, dass er einen tiefen Schluck Nektar nimmt und dann ein Buch über diese und jene Pflanze verfasst. Seine universelle Neugier und das hackertypische Bedürfnis das ganze System hinter den Dingen zu verstehen machen ihn zu einem tollen Interviewer. Mit seinen Gästen vom Fach bespricht er jeweils 2-3 Stunden lang Themen wie IPv6, Pornographie und Poststrukturalismus. Lieblingsfolgen: CRE196 Feminismus mit der tollen Katrin Rönicke, CRE198 Pornographie, CRE210 Die Jagd. Alle sehr unterhaltsam und manchmal geht einem ein Licht oder Kronenleuchter auf.

Das geheime Kabinett

Der Buddler, scheinbar ein Archäologe, hat kleine skurrile Randnotizen der Geschichte vorbereitet, die er in 10-15 min langen Folgen dem geheimen Kabinett entlockt. Gelernt habe ich bereits, dass man als historisch berühmter Mann immer gut auf seine Genitalien aufpassen muss, sonst gehen sie im Einmachglas getrennt von einem auf Weltreise und tauchen erst Jahre und Jahrhunderte später im Besitz russischer Exilantinnen wieder auf.

Das war der Tag ( komplette Sendung)

Eigentlich ein Radiofietschör vom DLF, das nach Mitternacht als Podcast bereit steht. 45min lang das Wichtigste vom Tag. Höre ich immer, wenn ich das Gefühl habe, mal wieder alles verpasst zu haben – leider schlafe ich zu gut dabei ein.

Der Benecke

Ebenfalls ein Radiobeitrag von Radioeins vom rbb. Kakerlaken als Kuscheltier-Besitzer Benecke ist ein Kriminalbiologe mit weitem medialen Verbreitungsradius, der im Komitee für skurrile wissenschaftliche Forschung sitzt und als solcher in ca 15 min Beiträgen über ebensolche berichtet. Man erfährt z.B. wie wahrscheinlich es ist, dass Hauskatzen uns töten würden, wenn sie könnten.

Der lila Podcast

Auf Katrin Rönicke bin ich aufgrund des CRE Podcasts zum Thema Feminismus gestoßen. Katrin Rönicke bespricht in plusminus einer Stunde mit ihren Podcast-Kumpelinnen feministische Themen, mal politisch, mal gesellschaftlich, mal wissenschaftlich, aber meistens persönlich. Für mich ist sie die angenehme, kuschelige und menschenfreundliche Stimme der sogenannten 3. Welle des Feminismus.

Einschlafen Podcast

Tobi Baier ist der Vorlese-Papi, den man nie hatte. Mit ruhiger, unaufgeregter Stimme erzählt er etwa eine Stunde lang aus seinem Leben in einem Einfamilienhaus in einem Kaff bei Hamburg, wo er mit seiner Ehefrau und zwei Töchtern lebt. Er ist Bassist in einer nicht größer bekannten Band, liebt den FC St.Pauli, arbeitet bei Adobe und startet mal dieses und jenes Projekt. Es ist alles so schön normal. Ich weiß nicht, ob schon probiert wurde Afghanistanheimkehrer mit posttraumatischer Belastungsstörung mittels Einschlafen- Podcast zu therapieren… Meistens gibt es nachdem der Erzählteil beendet wurde noch ein auf mich immer sehr konfus wirkendes Rilke Gedicht und dann wird kurz vorgelesen: Nils Holgerson, der kleine Prinz, Kafka… bei Kant bin ich sofort in Wolkenkuckucksheim.

Glaubenssache

Alexander Waschkau, der Ehemann der oben erwähnten Alexa, bespricht als strenggläubiger Atheist in diesem Podcast die Fragen des Glaubens mit Eduard Habsburg, der kürzlich Botschafter beim Heiligen Stuhl in Rom wurde und ein Katholik wie aus dem Bilderbuch ist – sechs Kinder! Die beiden behandeln sich sehr flauschig; das könnte man noch etwas spannender machen, aber dann würde wohl der Podcast nicht funktionieren.

Hoaxilla- Der skeptische Podcast aus Hamburg

Hoaxilla (Hoax = engl. für Schwindel/Falschmeldung) ist einer der beliebtesten Podcasts und debunkt moderne Mythen, urbane Legenden und Aberglaube. Manchmal sind die Geschichten allerdings zu gruselig für mein Gemüt und ich habe Angst vor Kindern mit schwarzen Augen und japanischen Geistern. Die Macher von Hoaxilla sind Alexa und Alexander Waschkau, die beide zur Skeptikerbewegung gehören und inzwischen sogar in der Partei DIE P.A.R.T.E.I. organisiert sind. Das ist sehr löblich!

In trockenen Büchern

Alexandra Tobor, Autorin, große Frau, polnische Aussiedlerin, Twitterfame ist nicht gerne unter Menschen, aber sie mag sie. Die Gesellschaft von Büchern, die sagen wir mal nicht jedem zugänglich sind, schätzt sie hingegen sehr. Ihre kurzen Buchvorstellungen sind gewissenhaft vorbereitet und haben stets einen persönlichen Aspekt. Meistens geht es um geisteswissenschaftliche Gesellschaftsbetrachtungen.

Jürgen Domian

Jeder kennt die alte Laberbacke ausm WDR. Im Podcatcher gibt’s prähistorische Folgen. Toll.

Psychotalk

Drei studierte Psychologen, namentlich Alexander Waschkau, Dr. Sebastian Bartoschek und Sven Rudloff, schwafeln über psychologische Themen und das oft über DREI Stunden! Es werden psychologische Konzepte erklärt und Studien erwähnt aber Abschweifen ist so das eigentliche Ding der drei. Manchmal ist das unterhaltsam, manchmal nicht. Aber bei so langen Laberpodcasts kann man super einschlafen und man hat am nächsten Tag noch was davon.

Sanft und Sorgfältig <3

Die Radioshow von Jan Böhmermann und Olli Schulz. Hier kann man live dabei sein, wie meine Meinung zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest entsteht, die ich nämlich größtenteils ungeprüft von den beiden übernehme.

Soziopod <3

“Man kann ihn nicht immer nebenbei hören! Nene, man muss mitdenken!” Der ultimative Verdienst der beiden Podcaster ist für mich, dass ich endlich verstanden habe, was die Frankfurter Schule ist. Immer wenn ich irgendwas darüber las versickerte es sofort wieder, weil ich die gesellschaftliche Bedeutung nicht zuordnen konnte. Wie wenn man einmal im Jahr irgendwo hinfährt und jedes verdammte Mal nicht weiß, ob es an der Kreuzung rechts oder links geht, trotz aller Einprägeversuche und Eselsbrücken. Patrick Breitenbach ist ein breit aufgestellter Internetheini und Dr. Nils Köbel ist eher so ein analoger Typ, der in Frankfurt Soziologie studiert hat und jetzt in Mainz über Erziehungswissenschaften doziert. Wegen des subtilen hessischen Akzents musst ich ihn natürlich sofort ins Herz schließen. Es wird ganz wenig monologisiert, stattdessen findet ein Gespräch der beiden statt z.B. über Medien, Herrschaft, Arbeit, Bildung und auch ein paar besonders aktuelle Themen. Marx kommt nicht angestaubt daher, geht es um Bordieu und den Fluch der sozialen Ungleichheit, wird Shopping Queen als Beispiel herangezogen. Dafür gab’s entgegen der Annahme, dass keiner Podcasts hört, 2013 einen Grimme Online Award. So verdient!

Staatsbürgerkunde <3

DDR in den Mainstream-Medien geht ja eher so:  Jemand kommt gerade nackt vom Strand (FKK) und möchte noch schnell etwas im Konsum Markt einkaufen, am liebsten Bananen, aber das geht nicht, denn er weiß nicht, was eine Banane ist. Überhaupt sind die Regale leer, die Kamera schwenkt und wir finden uns in einem in grün und braun gehaltenen Verhörzimmer, wo der Stasimann die Einkaufenden danach beurteilt, ob sie so aussehen, als wollten sie bald “rüber” machen. Wie es wirklich war erfahren neugierige Wessis und von der BRD geschluckte Ossis bei Familie Fischer aus Weida in Thüringen. Martin Fischer interviewt zu diesem Zwecke seine Eltern, Christine und Lutz, beide sehr herzlich und schlau. Man erfährt auch mal was über Computer in der DDR oder wie Weihnachten bei Familie Fischer so war und alles was man halt sonst nie mitbekäme.

Stadtdschungel

Meine neueste Podcast-Entdeckung, in dem Andreas Kieling über sein Leben als Tierfilmer und was man beim Tierfilmen so erlebt, erzählt.

Troja Alert <3

Im echten Leben beschäftigt sich Stefan Thesing als Pädagoge u.a. mit barrierefreier, leichter Sprache für geistig Eingeschränkte und scheinbar kriegt er davon nicht genug: So schön hat noch nie jemand schwer zugängliche Literatur mit verschwurbelter Quellenlage auf mein Niveau heruntergebrochen. 

Nibelungensage war für mich irgendwas mit Leuten die Hackberth und Isegrunz heißen und gegen Drachen kämpfen. Dank Troja Alert weiß ich jetzt, dass Siegfried ein kräftiges Dummerchen war und auf starke Frauen stand. Stefan Thesing erzählt mit seiner unglaublich sympathischen Stimme in einer saloppen Art von Schöpfungsmythen und anderen wilden Stories der Germanen, der Hebräer, der Griechen, von Zeus, der ständig nur ficken will, und zwar alles und jeden, und von Athene, Apoll, Dionysus, Prometheus und wie sie alle heißen. Nachdem ich nun die Verstrickungen der Götter untereinander kenne ist klar: RTL2 ist dagegen ein Scheißdreck. Frauentausch im Griechenland der Mykene hieß ‘ohne zurückgeben’.

Wostkinder

Leider scheint die FAZ die Serie mit Katrin Rönicke als Interviewerin eingestellt zu haben. Hier kam vor allem die dritte und letzte Generation Ost zu Wort und es wurde geredet über Jugend in der späten DDR und wie es war, dann im Westen zu sein. Ich würde mir wünschen, dass diese Serie weiterginge.

 

Ok, ich sehe gerade ich höre viele Podcasts und ich liebe sie alle; die mit dem kleiner Drei liebe ich im Quadrat. Was mir noch fehlt zu meinem Glück ist ein Podcast über Bonobos oder Menschenaffen im Allgemeinen. Auch einen Podcast von einem Taxifahrer fände ich interessant. Leider fehlt mir der Spaß am Autofahren, sonst würde ich selbst ein podcastender Bonobo-Taxifahrer werden. Naja.

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Begegnungen der 6ten Art

Ist das nicht eigentlich jedem schonmal passiert? Man ist im Urlaub am Ende der Welt. Man rollt sich mit einem Cocktail in der Hand in eine Decke ein, starrt in den indischen Ozean oder notfalls in den Swimmingpool. Plötzlich sitzt jemand neben einem, man kommt ins Gespräch und es stellt sich raus: Ihr wohnt beide in der gleichen Straße irgendwo in Deutschland, am anderen Ende der Welt, hattet den gleichen Kindergärtner oder hattet eine Beziehung mit dem gleichen Menschen( hoffentlich nicht auch noch gleichzeitig).

Mir passiert sowas ständig. Gestern bin ich mit einem Kameruner via Mitfahrgelegenheit nach Hamburg zurück gefahren. Ich erwähnte, dass ich auch Leute aus Kamerun in meinem Wohnheim kenne. Es stellte sich heraus, dass er auch schon im meinem Wohnheim gewohnt hat und einer der Kameruner, der auf meinem Flur gewohnt hat, sein bester Freund ist, er daher mein trautes Heim wirklich gut kennt. Er selbst berichtete, auf dem Weg zu einer Geburtstagsfeier jemanden mitgenommen zu haben, der exakt zur gleichen Geburtstagsfeier geladen war.

Auf der Hinfahrt nach Frankfurt hat mir eine Studentin, die zum Lernen in mein Institut kommt, detailgenau eine Rothaarige beschrieben, die ihr als  total künstlich und aufgesetzt aufgefallen war.  Mit dieser Rothaarigen studiere ich im gleichen Fach.

Die Welt ist klein, so klein

Auf diesen Gedanken muss der amerikanische Soziologe  Stanley Milgram auch gekommen sein, als er seinen Versuch 1967 startete: Um zu beweisen, dass eigentlich jeder jeden über ein paar Ecken kennt, lies er 60 Personen ein Paket an eine vorher festgelegte unbekannte Person Person schicken. Vorraussetzung: Die Versuchsperson durfte das Paket nicht direkt an diese Person versenden, sondern nur an namentlich bekannte Personen , die es dann auch wieder an Bekannte schickten, bis die Zielperson erreicht war. Das Ergebnis erschien so verblüffend wie einleuchtend: Jeder kennt jeden über 5,5 (aufgerundet 6) Ecken! Dieser Versuch ging in die Geschichte und vor allem in die Popkultur als „Six degrees of seperation“ ein. So war die Begegnung am indischen Ozean wohl eine Begegnung der 6ten Art.

Irgendwie wäre das schon ein gutes Gefühl zu wissen, dass uns alle etwas verbindet und dass die Welt nicht voller soziophober Einzelgänger ist, wo mich doch hin und wieder das Gefühl beschleicht…

Oder ist das doch eine urbane Legende?

Eigentlich ist es ja zu schön um wahr zu sein. Statistisch müsste ich Obama ja dann auch über sechs Ecken kennen. Schön wärs.  Jüngere Forschung hat bewiesen, dass dieses Phänomen durchaus kritisch zu betrachten ist. Judith Kleinfeld, eine Psychologin aus Alaska hat einen ähnlichen Versuch angesetzt, bei dem nur 3-5% der Briefe ankamen. Hat Milgram also geschlampt?

Heutzutage kann man ja selbst Forscher spielen und muss für solche Experimente nicht mehr die Post bemühen. Der Internetnutzer kann die „Six degrees of seperation“ in seinem eigenen Social Networking Account überprüfen. In Facebook, StudiVZ, wer-kennt-wen, Couchsurfing usw kann man ja heute sehen, mit wem man über wen bekannt ist. Über eine Freundin, die besonders viele Bekannte hat, kenne ich eigentlich ganz Frankfurt und als ich in Spanien couchsurfte, fiel mir auf, dass ich eigentlich alle mit denen ich Kontakt hatte schon über 1 bis 2 Ecken kannte, meistens über andere Couchsurfer, die ich in Hamburg kennengelernt hatte und die schon viel in der Welt rumgekommen waren.

Fazit: Es ist imerwieder erstaunlich wenn einem so ein Zufall passiert, aber letztendlich gibt es unter Mitfahrern, Couchsurfern usw. viele persönliche, biografische und geografische Gemeinsamkeiten, die es wahrscheinlicher machen, dass man sich irgendwann über den Weg läuft. Man ist dann versucht, an solche Theorien zu glauben. Aber letztendlich wüsste ich nicht, was ich mit einem pensionierten Farmer in der USA oder einem Reisbauern in China gemeinsam haben sollte, so dass wir uns über sechs Ecken kennen könnten. Dazu sind die sozialen und geografischen Unterschiede einfach zu groß. Und das beweist die Theorie leider auch: Briefe von Schwarzen kommen in der USA nicht so leicht bei Weißen an und umgekehrt. Traurig.